Wie wir nicht zufällig auf eine Party von PHILIPP PLEIN in Düsseldorf gerieten

Als wir im Laufe unseres DJ-Sets im neu eröffneten Düsseldorfer Levi’s Store davon erfuhren, dass zur gleichen Zeit irgendwo am anderen Ende der Stadt Philipp Plein eine Party geben würde, war klar: da müssen wir hin. Das muss man gesehen haben. Zufälle gibt es nicht – und dass Philipp Plein genau dann im Düsseldorf eine Party schmeissen würde, wenn wir doch auch dort sind, war ganz bestimmt keiner.

Also fuhren wir los und hin da, ließen uns über Umwege die Adresse des nunmehr zur After-Party mutierten Dinners eines der seit Jahren erfolgreichsten deutschen Modedesigners zuflüstern.

Im schicken Restaurant „Berens am Kai“ im gänzlich unsympathischen, hier jedoch extrem passenden Medienhafen der Stadt gelegen, waren – es war bereits gegen 1 Uhr nachts – etwa 30 Gäste, unter ihnen: Philipp Plein. Der Designer, der für Strasstotenköpfe auf Lederjacken zu hohen Preisen bekannt ist, tanzte umringt von zwei silikonbrüstigen Begleiterinnen auf einer Sitzbank und gab umstehenden Personen High Fives. Der DJ spielte die sehr amerikanische Großraumdisko-Mischung aus EDM und Rap-Musik.

Verona Pooth, die wir aufgrund ihres extremen Make Ups erst für eine besonders schöne Transe hielten, verließ die Party als wir kamen, was ein Zufall war. Marcus Luft, der einzige deutsche Journalist, der ausschließlich positiv über Plein berichtet, grüßte leicht verschämt aus der Ecke und verschwand dann ebenfalls, allerdings weniger aufsehenerregend als Verona, was kein Zufall war.

Ein Pärchen in den sehr späten Vierzigern stach besonders raus, weil es den Plein-Look meisterlich umgesetzt hatte: er trug mit spitzen Nieten besetzte Lederschuhe, eine aufwändig zerschlissene schwarze Jeans mit Applikationen, ein ebenfalls zerschlissenes schwarzes T-Shirt mit Totenkopf-Print, eine sehr teuer aussehende schwarze Lederjacke mit weiteren unzähligen Nieten und aufgestickter 78, Markenzeichenzahl und Geburtsjahr Philipp Pleins, teure Uhr, leichten Bauch und schütteres, graumeliertes Haar. Sie trug hohe Absätze, eine enge Jeans, Nietengürtel, ein eher durchsichtiges Top, eine weiße Lederjacke mit Totenköpfen, sehr vielen Nieten, dem Hashtag #plein und der 78 besetzt, hier und da Silikon, Cote D’Azur-Bräune und blondiertes Haar.

Überhaupt waren die einzigen, die allesamt kein einziges Plein-Teil trugen: wir. Der Meister scheint entweder Kunden eingeladen, seine Freunde großzügig ausgestattet oder erstere zu letzteren gemacht zu haben. Insgesamt ein Motto-Party-artig einheitlicher Look der Gäste. David war mit seiner Ed Hardy-Cap einerseits allerdings nicht ganz so weit, andererseits dann aber doch wieder Lichtjahre davon entfernt. Hier siegt Kennerschaft über Ästhetik. Den meisten Anwesenden wird es nicht aufgefallen oder schlicht egal gewesen sein.

Ein Gast erzählte uns die schöne Geschichte, dass er aus Monaco käme, Kunsthändler sei und wohl ins Gefängnis müsse, weil er gefälschte Picassos verkauft haben soll. Ein Anderer sagte, er sei mit Plein auf das Elite-Internat Schloss Salem gegangen und wundere sich, warum sein Schulfreund es niemals lang bei einer Frau aushält – obwohl diese Frauen doch wirklich toll seinen, meist Model, oft Russin und wirklich atemberaubend schön.

Nach etwa einer Stunde verließ König Pein die Party mit ein zwei Freunden und den beiden Mittänzerinnen. Wenige Minuten später ging die Musik aus und die Sache war klar: diese Party ist vorbei. 

Wir ließen uns von einem der Shuttles in unser sehr weit entfernt gelegenes Hotel fahren. Dabei dachte ich mir: Es war alles wirklich genau so, wie ich mir das immer vorgestellt und gewünscht habe. Noch authentischer wäre wohl nur eine Plein-Party in Moskau.

Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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