Wie viele Freunde man braucht

Nach meinem mehrwöchigen Aufenthalt in New York habe ich zu meiner Überraschung festgestellt: Ich habe David die ganze Zeit über kein einziges Mal gesehen. Ich erinnerte mich noch, dass er mich netterweise auf dem Hinflug begleitet hatte, mich also hingebracht nach New York, weil ich alleine fliegen ja so wahnsinnig fad finde, er aber direkt im Anschluss wieder abgereist ist. Dann war ich also erstmal alleine, zumindest jedenfalls ohne David. Und ich habe ihn natürlich sehr vermisst.

Vor kurzem haben wir uns in Stuttgart wiedergetroffen zu einem Dreh für den Multichannel Departement Store Breuninger. Und wie der Zufall eben so wollte, stand der Dreh unter dem Motto #breuningerfriends – im Fokus standen Freundschaft, Business und Fashion. Die freundlichen Menschen von Breuninger haben uns viel über unsere Freundschaft gefragt und auch über unser Business – und ob das überhaupt vereinbar ist. Welchen Stellenwert Fashion für uns hat – und was uns gegenseitig Angst bei uns macht. Was wir alles zum Thema Freundschaft zu sagen hatten? Das seht ihr in unserem Video.

Eine Frage jedoch ging mir nicht aus dem Kopf – und ich musste noch lange daran denken. Obwohl meine Antwort relativ spontan ausfiel, quasi direkt aus dem Bauch heraus, kein Umweg obenrum – hat sie mich nicht losgelassen. Die Antwort war: Im Zweifel nur einen.

Vor noch weniger Tagen waren David und ich nun in Amsterdam und dort saßen wir bei einem fantastischen, vielgängigen Abendessen im Restaurant MOS und schauten aufs Wasser und dann dem Moderator Patrice Bouedibela ins Gesicht, der uns fragte, wie sich das denn auf unsere Freundschaft auswirken würde, dass wir seit Jahren miteinander arbeiteten. Und wieder saßen wir da und dachten nach und dann sagte einer von uns, vielleicht waren es auch wir beide unisono, wie so fiese Zwillingsmädchen in einem Horrorfilm, dass es für unsere Freundschaft doch eigentlich nichts Besseres hätte geben können, als total oft miteinander zu verreisen, ständig Kontakt zu haben, uns gemeinsam irrsinnigen Schabernack auszudenken und jeden Tag miteinander zu tun zu haben, weil das eben unser Beruf sei: unsere Freundschaft, deren Ergebnis halt Dandy Diary ist.

Und wenn wir bald unser Fast Food-Imperium Dandy Diner mit voller Wucht zurück auf die Straße bringen, freue ich mich darauf, das mit meinem Freund David zu machen, genauso wie alles andere, das ansteht, die große Millenniums-Feier etwa oder der längst überfällige Versuch, den Glauben zu reformieren. Das mag zwar alles auch allein gehen, so wie Martin Luther es beim Glauben schon mal getan hatte, oder mein spleeniger Klassenkamerad Andreas zur Jahrtausendfeier, aber mit einem Freund macht das schon mehr Spaß.

Und auch wenn man im Zweifel nur einen Freund braucht, freue ich mich natürlich auch über alle anderen und auch über unsere neuen Freunde von Breuninger, die mich mit ihrer beiläufigen Frage erst dazu brachten, darüber nachzudenken – auch wenn ich dafür aus New York nach Stuttgart reisen musste, allein, obwohl das doch so wahnsinnig fad ist.

Category: Looks

Von: Carl Jakob Haupt

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