Wave-Gotik-Treffen Leipzig

☠️💀

Vor ein paar Wochen war ich in Leipzig auf dem einmal jährlich stattfindenden WAVE-GOTIK Treffen. Ich buchte mir ein Bett (!) in einem gemischten 6er Zimmer im sogenannten “Globetrotter Hostel” im Stadtzentrum.

Die ersten Gothics bekam ich bereits in meinem Zimmer zu sehen. Ihre schweren Springerstiefel (16-Loch) standen vor ihren Betten. Es duftete nach Patchouli. Ich grüßte verlegen und legte mich – erschöpft von der Anreise in einem giftgrünen Bus – in ein freies Bett.

Nach #powernapping holte ich mir meinen Presseausweis, lief über das Festivalgelände und endete auf einem Markt, auf dem all die schönen Dinge angeboten wurden, die sich offensichtlich besonders gut in der schwarzen Szene verkauften:

Netzstrumpfhosen, Kontaktlinsen in allen gruseligen Farb-Variationen, Doc Martens, alte CDs von Gothic-Bands und – da übermannte mich die Begeisterung – individuell angefertigte Vampirzähne für 150 Euro.

Die Entscheidung war gefallen: ich brauchte Vampirzähne, doch der große Meister, der – so erzählte man mir – extra aus den USA angereist war – hatte leider nur noch einen Termin am Montag frei – zu spät für mich.

Daher bin ich vorerst ohne FANGs unterwegs. Nach ein paar Bier und diversen Mittelalter-Snacks beschloss ich wieder zurück nach Leipzig zu pilgern und dort offenbarte sich das eigentlich Highlight des Festivals:

in der Innenstadt überall Gothics (da gibt es diverse Spielarten, bitte entschuldigt die Pauschalisierung, doch noch bin ich kein ernsthafter Szene-Kenner) – die berechtigerweise stolz in ihren Kostümen durch Leipzig flanierten – zuletzt hatte ich derartiges Verhalten in Florenz bei der Pitti Uomo beobachtet.

Doch – hier in Leipzig – waren es keine “Pitti Peacocks”, die in ihren perfekt sitzenden Dreiteilern abgelichtet wurden, sondern eher Jutta, 53 Jahre alt, aus Braunschweig angereist, die eine Art Hybrid aus Pferdekostüm und zu engem Body trug.

Fotografiert werden die Gothics nicht von Scott Schuman, Phil Oh und Co. – sondern den sächischen Rentern in ihren beigefarbenen Komplett-Looks (und mir). Sie zücken ihre alte Digi-Cams und halten drauf – und die Gothics posieren stolz.

Das hatte ich so nicht erwartet: genau der Zusammenprall ist wahnsinnig spannend und ist es wert nach Leipzig zum WGT zu reisen. Viel später, Stunden nach Einbruch der Dunkelheit, stand ich dann vor der Tür der “legendären” Fetisch-Party.

Ich zog mir das T-Shirt aus, um wenigstens ein bisschen nach Fetisch auszusehen. Vor mir, hinter mir – überall Menschen mit wahnsinnig kreativen, ausgeklügelten Outfits. Ich – mit freiem Oberkörper, Jeans und Sneaker.

Jetzt kam ich mir dann auf einmal etwas blöd vor. Körpersprache x Outfit sorgten dann für eine Abfuhr an der Tür. Ich trottete wieder nach Hause (bzw. ins Hostel) – zu meinem Erstaunen lag ein erwachsener, langhaariger Mann in meinem Bett.

Kurz überlegte ich, ob ich ihn wecken sollte, doch es war ja schon so spät. Er hatte sicherlich einen anstrengenden Tag hinter sich.

Category: News

Tags: gothic, Wave Gothic, WGT Leipzig

Von: David Kurt Karl Roth

Instagram