Victoria’s Secret: ungebrochener Erfolg

Über den ungebrochenen Erfolg einer Modenschau, die doch eigentlich gegen so viele Regeln der modernen Modewelt verstößt.

Jedes Jahr Anfang Dezember erlebt die Modebranche einen ihrer vielleicht bizarrsten Momente. Es findet eine Show statt, die wohl mehr Aufmerksamkeit als die der großen und traditionsreichen Luxushäuser generiert. Und das, obwohl sie mit etlichen, von Branchengrößen definierten Gesetzen (oder zumindest Regeln) bricht: die “Victoria’s Secret Fashion Show”.

Die findet, wie gesagt, Anfang Dezember statt, abseits aller Modewochen. Gezeigt wird einmal im Jahr und nicht, wie üblich, mindestens zweimal. Und auch einen festen Standort, für Modemarken oftmals wichtig da definierend, hat die Schau nicht. Dieses Jahr fand sie zum ersten Mal in Paris statt, die Jahre zuvor in London, New York oder Miami.

Und noch einen Unterschied gibt es, er ist vielleicht der wichtigste. Es wird keine Kleidung gezeigt, sondern Unterwäsche. Und damit eben auch Frauenkörper. Dass das wirklich überall gut ankommt, ist kein Geheimnis.

Der Mann hinter alldem ist ein gewisser Edward “Ed” Razek, laut Forbes einer der wichtigsten Player im Model-Business. Der ist mittlerweile ein ergrauter, alter Mann, sieht aus wie ein skrupelloser amerikanischer Banker und hat ganz offensichtlich nicht den Spaß daran verloren, sich mit gerade so erwachsen gewordenen Mädchen zu umgeben. Und so ist er Jahr für Jahr für die finale Auswahl der Models für die Shows von Victoria’s Secret zuständig.

Die sind ganz nach Razek’s Geschmack: dünn bis dürr, ziemlich jung, makellos, wenig spannend und mit einem unschuldigen und mädchenhaften Lächeln gesegnet. Während der Show tragen sie zu spitze-und rüschlastiger Unterwäsche Engelsflügel. Dass sich ob dieser Umstände noch keine unserer weiblichen, stets den Feminismus und das “Empowerment” hochhaltenden Kolleginnen der Show in einem vernichtenden Artikel angenommen hat, überrascht. Harsche Kritik wäre aus deren Sicht doch eigentlich mehr als angebracht. Edition F, wir warten!

Bis die Empowerment-Armee die Show irgendwann vielleicht mal niedergeschrieben hat (wir glauben ehrlich gesagt nicht daran), werden die Engel auf dem Laufsteg weiter Vorbild für Mädchen im Teenager-Alter sein. Die Bewerbungszahlen für die Castings sind ebenso hoch wie die Verkaufszahlen und Umsätze. 2013 lag der bei 6,7 Milliarden Dollar. Und so kann man sich für die Show auch eine musikalische Untermalung leisten, die zwar nicht ganz billig, aber PR-technisch ziemlich effektiv sein dürfte. Dieses Jahr kaufte man dafür kurzerhand Lady Gaga, Bruno Mars und The Weeknd ein.

Victoria’s Secret zeigt eine Sache ganz deutlich: man muss sich nicht an vermeintliche Gesetze einer Branche halten, um in ihr Erfolg zu haben. Große Namen und nackte Haut reichen vollkommen aus. Es kann alles so einfach sein.

Category: News

Tags: Victoria's Secret

Von: David Jenal

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