Vanessa Friedman – “Die mächtigste Modefrau? “

Vanessa Friedman ist die neue Modechefin der New York Times – und damit plötzlich die vielleicht wichtigste Modekritikerin auf der ganzen Welt.

Wie es dazu kam und wer Vanessa Friedman überhaupt ist, hat Rabea Weihser für das ZEIT Magazin versucht herauszufinden. Sie traf Friedman in ihrem Brooklyner Zuhause und stellte ihr unter anderem folgende Fragen, um unter anderem folgende Antworten zu erhalten:

ZEITmagazin ONLINE: Erzählen viele Modemagazine (…) nur die halbe Wahrheit?

Friedman: Sie haben vielleicht eine andere Auffassung von der Rolle des Journalisten. Sie meinen vielleicht, es ginge um Unterhaltung und Geschichten vom Roten Teppich. Das ist okay, aber es ist etwas anderes als die Modeberichterstattung der Financial Times und der New York Times. Ich habe mich immer den Lesern gegenüber verpflichtet gefühlt, gerecht und genau zu sein und die Dinge einzuordnen.

ZEITmagazin ONLINE: Ihr neuer Posten bei der New York Times ist möglicherweise der einflussreichste der weltweiten Modeberichterstattung.

Friedman: Sagen Sie das nicht! Ich versuche, es auszublenden.

ZEITmagazin ONLINE: Besuchen Sie die Berlin Fashion Week?

Friedman: Es ist lange her, dass ich mal in Berlin war. Noch nie zu einer Fashion Week. Zu wenig Zeit.

ZEITmagazin ONLINE: Gibt es etwas, das Sie niemals anziehen würden?

Friedman: Wenn ich das jetzt sage, finden Sie wahrscheinlich in zehn Jahren ein Foto von mir, auf dem ich es trage. Sag niemals nie. Als ich den ersten Tulpenrock von Stefano Pilati für Yves Saint Laurent sah, gefiel mir das gar nicht. Aber er wurde unglaublich einflussreich. Drei Saisons später hatte ich so viele gesehen, dass ich mich bei dem Gedanken ertappte: “Hm, vielleicht ist ein Tulpenrock doch gar nicht so schlecht.”

ZEITmagazin ONLINE: Sie sind Historikerin. Wie passt das zu Ihrem heutigen Beruf?

Friedman: Ich möchte verstehen, wie die Welt funktioniert. Geschichte gehört eben dazu. Ich hoffe, dass ich etwas über die Modewelt zu sagen habe, das den Lesern hilft, sie in all ihren Dimensionen zu begreifen. Mode wird oft als flauschige Unterhaltung abgetan, aber sie ist so viel mehr. Alltag, Konsum, Industrie. Man muss nicht modebesessen sein, um mit Mode zu tun zu haben. Jeder zieht Kleidung an, jeder hat etwas damit zu tun. Alles, was man seinem Körper hinzufügt, ist ein Mittel der Kommunikation.

ZEITmagazin ONLINE: Gibt es eine Grenze zwischen Mode und Bekleidung?

Friedman: Ich definiere Mode als Ausdruck einer sozialen, politischen und kulturellen Identität zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dieser Zeitpunkt verändert sich. Bekleidung hingegen zieht sich ganz grundlegend durch alle Zeit.

ZEITmagazin ONLINE: Ist Mode Kunst?

Friedman: Nein, sie kann Kunsthandwerk sein, aber keine Kunst. Das ist auch gut so. Kunst hat eine andere Aufgabe. Man trägt sie nicht. Mode hat etwas Funktionales, das sie von der Kunst unterscheidet.

Das gesamte Gespräch findet man übrigens auf der sehr schönen neuen Homepage des Zeit Magazins. Und zwar hier. Auf gehts, ihr Leseratten, hin da.

 

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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