True Love? Fake?

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F├╝r eine Feldstudie verbrachte ich die letzten Tage in einem All-Inclusive-Hotel in Side, T├╝rkei.

An einem einsamen Abend, am Pool sitzend, stach mir eine Werbung ins Auge: Sunset-Shooting. Beworben wurde durch Fotos von verliebten, vom Sonne und Gl├╝ck gek├╝ssten P├Ąrchen, die h├Ąndchenhaltend, turtelnd, am traumhaften Strand in Szene gesetzt wurden.

Ich trank meinen Orangensaft aus, der, wenn man es genau nimmt, soviel mit einen O-Saft zu tun hatte, wie eine Packung ja! Salami mit veganer Ern├Ąhrung – nicht allzu viel – und beschloss: Sunset-Shooting – das will, nein, das werde ich auch machen. Doch alleine?

Nein, eine Frau musste her, doch erst einmal ein w├╝rdiges Outfit. Am n├Ąchsten Morgen lief ich von Strand-Boutique zu Strand-Boutique und erwarb erstaunlich kosteng├╝nstig D&G Socken, Dolce & Gabbana Sandalen, Polosport Shorts, Tommy Hilfiger T-Shirt, Burberry Cap und Louis Vuitton Bag.

Alles ORIGINAL, so versicherten mir die Verk├Ąufer. Ich fragte Ahmed, den Mann, der das Sun-Set-Shooting anbot, ob er zum perfekten Sonnenuntergang auch die passende Frau anbiete. Er lachte. Nein, die m├╝sste ich schon selbst finden, aber viele SINGLES hier. #smile.

Am Abend hatte ich eine eine Disco-Tour gebucht. Kurz bevor es losgehen sollte, wir uns VODKA E trinkend, der Nacht und gro├čen Hits wie “Pump it Up” hingaben, traf ich sie:

Natalija (Name ge├Ąndert), ein junge, h├╝bsche Polin, die gerade am verzweifeln war, weil sie und ihre Freundinnen die Shisha-Pfeife nicht zum rauchen brachte. Ich erkannte ihre Not und meine Chance – half bereitwillig (mit Shishas kenne ich mich aus) und erz├Ąhlte vom Sun-Set-Shooting.

Skepsis machte sich in ihren Gesichtern breit. Eine schlechte Anmache? Sie seien “beautiful” und w├╝rden sehr oft von den den Locals angemacht. Ich sei anders, versicherte ich glaubhaft , wollte keinesfalls Geschlechtsverkehr oder ├Ąhnliche Schweinereien, sondern nur eine Partnerin f├╝r ein Shooting im Sonnenuntergang.

Schlussendlich konnte ich Natalija ├╝berzeugen, diverse Insta DM’s wurden verschickt, fixer Termin gebucht. Sie kam in Begleitung ihrer Mutter zum gro├čen Shooting “Sicherheitsgr├╝nde”, so Natalija. Ahmed, der Fotograf, erz├Ąhlte mir, dass er schon hunderte P├Ąrchen fotografriert hatte.

Eine Routinier in Sachen Liebe also. Er wusste, wie ein gl├╝ckliches, verliebtes P├Ąrchen auszusehen hat. Hin- und wieder griff Ahmed ein. Machte Posen vor, half nach, indem er wahlweise an meinem Arm oder Natalijas Bein zog. Er schien nicht immer zufrieden.

Irgendwann, zum Ende des Shootings, die Sonne kurz vorm vergl├╝hen, stand ich im kn├Âcheltief im br├╝hwamen Wasser, Arm in Arm mit Natalija, ihr verliebt in die Augen schauend, in meiner neuen Marken-Kleidung. Zweifel kamen auf. Was ist denn hier ├╝berhaupt noch echt?

Die Liebe? Die Markenkleidung? Alles nur noch Fake?

Category: News

Von: David Kurt Karl Roth

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