Trendwelle: Politik auf Shirts

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Geller x GRAILED

Wir berichteten bereits über den Versuch der Branche, die Mode mithilfe von weißen Bandanas politisch zu mobilisieren und auch der New Yorker Designer Willy Chavarria verarbeitete die politisch aufgewühlte Stimmung im Land in seiner Kollektion.

Mehr als eine weitere Art der Selbstinszenierung, die das Fashion Business ja fraglos beherrscht, konnten wir in diesen Versuchen allerdings nicht erkennen. Doch das modisch-politische „Engagement“ scheint noch lange kein Ende gefunden zu haben und das wird auch mindestens noch vier Jahre so gehen.

Designer ROBERT GELLER, geboren in Hamburg, ansässig in den USA, schloss sich diesem Protestzug erst jüngst auf der diesjährigen New Yorker Modewoche an. Bei der Präsentation seiner neusten Kollektion trug er ein Shirt mit dem einfachen Schriftzug: „Immigrant“, welches noch am Morgen vor der Shirt von seiner Ehefrau handbemalt wurde. Es solle eine Hommage an alle Immigranten der Modebranche sein – also auch an Geller selbst. Der Erlös der Shirts geht an die  ACLU (American Civil Liberties Union), welche sich für die individuellen Rechte der Bürger in den United States einsetzt.

„ I saw a chance to use my platform to send a message about unity, love and inclusion. The response has been incredible and I am thankful to have the opportunity to raise some money for the ACLU, an organization that is as important as ever during these times.“, erklärt der Designer sich und sein Shirt nach seiner Show.

Doch Geller ist nicht der einzige, der durch politisches Engagement eine Nachricht voller „love“ und „unity“ verbreiten will. Erst kürzlich sprang das US-Label OPEN CEREMONY (wir berichteten) ebenfalls auf den Trump-Zug auf und versuchte Populismus mit populistischer Kleidung zu bekämpfen. “Change”, “Protest”, “Fight” prangert auf der Kollektion, die unter dem Namen “CALL TO ACTION” verbucht wird.

Problem und Unterschied zu Geller: OC musste wohl recht schnell erkennen, dass es ziemlich lahm ist, wenn man glaubt, dem Kunden vorgaukeln zu können, mit dem Tragen eines “CHANGE”-Shirts wirklich etwas bewirken zu können.

Da man durch die Kommerzialisierung solcher Begriffe, diese ihrer politischen Aussagekraft eher beraubt, entschied sich OC kurzerhand dann doch die Einnahmen (und zwar ganze 100%, wie betont) ebenfalls an ACLU zu spenden.

Dieser feine Unterschied ist wohl letztlich der entscheidende.  Trage ich ein Shirt mit der Aufschrift CHANGE verbessere ich nichts weiter, als das Image des Labels. Hält jedoch eine Migrantin (Beispiel: Lala Berlin) bei ihrer Modenschau ein Schild in die Höhe mit der Aufschrift: “I’m an Immigrant”, so wiegt die politische Aussagekraft entsprechend höher als das Prestige für die eigene Marke. Selbiges gilt für Geller-Shirts, dessen Bedeutung es ebenso geschafft haben, nicht im Kommerz verloren zu gehen.

Wir beobachten also einen Trend, dessen Ende noch nicht in Sichtweite ist – und an dem wohl das Trump-Regime nicht ganz unschuldig ist. Jeder Teil der Gesellschaft scheint mit seinen ganz eigenen Mitteln zu kämpfen. Und die Mode tut und versucht sich – wie könnte es anders sein – natürlich mit Schildern, weißen Bandanas und bedruckten Shirts.

Gellers “Immigrants”-Shirt ist ab heute online erhältlich.

Category: Trends

Tags: Opening Ceremony, Robert Geller

Von: Angelika Watta

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