„The Image Maker“: Guy Bourdin Ausstellung in Berlin

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Abgetrennte Beine liegen unter einem schweren, lilafarbenen Vorhang. Angewinkelte Oberschenkel,  in feinen Strümpfen und Highheels, räkeln sich, lasziv auf einem Sofa. Es handelt sich um die Kampagnenbilder des französischen Designers Charles Jourdan. Die Motive: skurril, absurd. Der Fotograf: Guy Bourdin.

Während in den 1970er Jahren eher die gut ausgeleuchteten Studioaufnahmen schön drapierter Blondinen vor weißen Hintergründen die Norm bildeten, stachen die Bilder des französischen Fotografen deutlich heraus. Guy Bourdin war ein Querdenker, der fern ab der gängigen Bilderwelten erschaffte, welche seinesgleichen suchten.

Während man derzeit im unteren Geschoss des Museums für Fotografie in Berlin noch die Dauerausstellung und Retrospektive seines Kollegen Helmut Newton betrachten kann, wird schon bald die surreale Bildsprache des französischen Fotografen Guy Bourdin eine Etage höher zu sehen sein. Ab dem 01. Dezember 2017 bis Mitte Mai widmet sich die Helmut Newton Foundation (gleiches Haus) am Bahnhof Zoo in einer neuen Ausstellung den Werken eines Künstlers, der sich nie als solcher verstand.

Als Guy Bourdin 1955 das erste Mal für die französische Vogue fotografierte, mündete die Fotostrecke – wie konnte es anders sein – in einem kleinen Skandal. Statt auf die immer gleiche weiße Wand zu setzen, ging Bourdin mit seinen Models raus. Und zwar nicht um die Ecke des Condé-Nast Verlagshauses, sondern in einen Schlachthof.

Dort fotografierte er Taschen, Highheels und schöne Frauen vor dem Hintergrund blutbespritzter Wände und toter Tiere. Die traditionellen VOGUE-Leser? Empört. Doch die Vogue sah das Potenzial, traute sich (damals) setzte fortan auf Guy Bourdin.

1967 wurde Bourdin nach mehreren Aufträgen für VOGUE & Harper’s Bazaar, wo er unter anderem auch Newton hier und da über den Weg lief, von Modeschöpfer Charles Jourdan angeworben. Dort konnte er sein ästhetisches Konzept – immer etwas verstörend, nach Aufmerksamkeit schreiend, ohne dabei unangenehm zu werden – ohne Einschränkungen fortführen.

Und das tat er auch. Jahrelang zierten seine vermeintlichen Produktfotos, die tatsächlich mehr Kunst waren,  ganze Seiten in Katalogen und Magazinen. Er unterschied nicht länger zwischen Werbung und Editorial. Als Vorreiter seiner Zeit ließ er die Grenze zwischen Kunst und Kommerz verschmelzen.

Für die breite Masse blieben seine Bilder doch provokativ. Der Fotograf konzentrierte sich auf die Details: Gespreizte Beine einer Frau, die unter ihrem hellblauen Body Netzstrumpfhose trägt, während sie in der rechten Hand zwei Rosen hält. Ein Close-Up: Die Beine einer Frau, die dabei ist eine Leiter zu erklimmen. Eine Frau, die athletische Übungen in einem leeren Pool übt. Seine Bilder so laut, als wollen sie Sex schreien. Sex als neues Stilmittel.

„Image Maker“ heißt die bald anlaufende Ausstellung der Helmut Newton Foundation. 2003 als das „Hollywood“-Musikvideo von Madonna erschien, verklagte Bourdin den Popstar. Madonna hätte – und das hatte sie tatsächlich – sich seiner beispiellosen Bildsprache bedient. Sie hatte seine „Images“ missbraucht und in eine billige Kopie übersetzt. Rote Fingernägel, Body, die berühmte Rücken-Perspektive. Das Drei-Minuten-Video – eine Aneinanderreihung jahrelang ausgefeilter Motive.

1991 starb der Fotograf in Paris. Obwohl Bourdin sich und seine Bilder nie als Kunst betrachten wollte, wurden seine Werke in den größten “White Cubes” der Welt ausgestellt. Unter anderen zeigte das MoMa, die Tate Gallery of Modern Art in London und das Victoria & Albert Museum seine Bilder. Jetzt ist Berlin dran.

#guybourdin Copyright The Guy Bourdin Estate 2017 Courtesy of @louisealexandergallery

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Category: News

Tags: Berlin, Guy Bourdin, Helmut Newton Foundation, Museum der Fotografie

Von: Angelika Watta

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