Tattoos: Ignorant Style

⚔️🔥

Vor ein paar Jahren tauchte auf jeder zweiten Afterhour-Party eine Tattoomaschine auf.

Kids, weder Herr ihrer Sinne noch der Tattoo-Kunst mächtig, tätowierten all diejenigen, die sich zu jener späten / frühen Stunde noch ein kleines Andenken wünschten. Die gestochenen Tätowierungen entstanden aus einer betrunkenen Laune, Wette, Witz heraus. Perfektion: egal. Inhalt: egal.

Herz. Malibu Flasche. Glühbirne. Käsereibe. Zigaretten. Auch fernab von Berliner WGs, in denen frühmorgendliche Tattoo-Sessions stattfanden, kam es zur bewussten Abkehr vom bedeutungsschweren Tattoo, welches über Jahrzehnte in die Haut gestochen wurden. Früher wurden Lebensweisheiten, Geburtsdaten, Partner-Porträts oder aber chinesische Zeichen (mit zur Person passender Bedeutung) tätowiert.

Wichtig war eine gute, tiefsinnige Geschichte zur Tätowierung. Mindestens zwei meiner Tätowierungen stammen aus der Ära: Der Name meiner Ex-Freundin, in Schnörkelschrift, auf der Innenseite meines linken Arms.  Und, groß und fett, auf meiner Brust, ebenfalls in Schnörkelschrift: Glückselig – allzu gern erklärte ich damals all jenen Fragenden die Bedeutung dieser, für mich echt total wichtigen Tätowierung: „Ich neige zu Melancholie. Das Tattoo ist mein persönliches Mahnmal: Hey, du kannst glücklich sein!“.

Nichts war in den 90’s und den frühen 2000er Jahren schlimmer als ein Tattoo ohne Bedeutung. Heute spielen Cool Kids hingegen bewusst mit Mainstream-Symbolik (Milchtüte, Einkaufswagen etc.). Die heute gestochenen Tätowierungen sind simpel, eindimensional, oftmals kindlich-naiv, meist nicht allzu schön gestochen. Der Arm voll mit zusammenhangslosen Motiven – as random as possible, vom Dinosaurier bis zum Sektglas, möglichst trivial, mit einem Schuss Ironie. Die WELT hat einen lesenswerten Artikel über IGNORANT TATTOS veröffentlicht, in dem es unter anderem auch um den Vorreiter des Stils – Fuzi UVTPK – geht:

„Angefangen hat Fuzi allerdings nicht mit der Nadel, sondern mit der Spraydose. Bereits in den 1990er-Jahren besprühte er die Metroschächte seiner Heimatstadt Paris mit comicartigen Statements, die sich auf die Ursprünge der Graffiti-Kultur in New York bezogen. Seine Motive sahen aus wie Kinderzeichnungen – nur rauer und anzüglicher. Seit über zehn Jahren verziert er nicht nur Betonwände, sondern auch menschliche Körper.“

Auch andere Medien haben bereits über das Phänomen berichtet. Bislang wurde der Tattoo-Trend jedoch noch nicht dem Normcore zugeordnet. Das wollen wir nachholen. 2014 berichtet The Cut als erstes Medium über das Phänomen, das Opinion Leader damit begannen bewusst mit der Ästhetik und Haltung des Mainstream zu spielen. Kunst-Studenten waren nicht mehr von Touristen zu unterscheiden. Man hörte Justin Bieber und Britney Spears, ging in Hollywood-Blockbuster – und gab das auch noch zu!

Mode-Strömungen wie Ugly Fashion oder Dadcore sind dem Übertrend ebenso unterzuordnen wie die Ignorant Styles Tattoos. Als das Streben nach Individualität zum Massensport wurde („Mass Indie“) begannen Opinion-Leader, um sich abzugrenzen, die Koketterie mit dem Mainstream. Das frei von jeglicher Ironie gestochene, bedeutungsvolle Tattoo findet man heute allenfalls im Proletariat.

Und die „tiefsinnige Haltung“ beim Spiri-Proll.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

from @laze.amaze – 🦕🦕 #ignorantstyletattoo

Ein Beitrag geteilt von Ignorant Style (@ignorantstyletattoo) am

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

from @_367_ – B E R L I N A M S T E R D A M M I L A N zabugabooking@gmail.com – #ignorantstyletattoo

Ein Beitrag geteilt von Ignorant Style (@ignorantstyletattoo) am

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

repost from @matheustomes – 💖💖💖 @_zerotattoo #tattoo #ignorantstyletattoo #art

Ein Beitrag geteilt von Ignorant Style (@ignorantstyletattoo) am

Category: #dandydiaryspace

Tags: Ignorant Style, Normcore, Spiri-Proll, Tiefsinn, Zeitgeist

Von: David Kurt Karl Roth

Instagram