I‘m lovin‘ it: Wellenreiten

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Etwa zu der Zeit, in der ich mein Teenie- Zimmer mit XXL-Postern von exotischen Traumstränden dekorierte, kaufte ich mir eine ziemlich eng sitzende Korallenkette und eine hellblaue Boardshort im Hawaii-Muster.

Als Surfer verkleidet, gelang mir an wirklich guten Tagen ein Salto vom Dreier im örtlichen Schwimmbad. Normalerweise verbrachte ich Stunden damit auf- und abzulaufen, vorbei an Schwimmbecken, auf Blicke der schönen Mädchen hoffend, abends dann wieder allein, träumend, in meinem Zimmer, inmitten von Kokosnuss-Palmen.

Surfer sein, das wollte ich, das war mein Ideal, ich buchte mir meinen ersten Surf-Trip an die Algarve, Portugal. Dort hatte ein Hamburger eine Surfschool eröffnet. Abends klärte er uns über High- und Lowtide, Swell und Barrells auf. Tagsüber dann mein erster Ritt auf einer heranrollenden Weißwasser-Welle.

Am dritten Tag erwischte mich das Surfboard von Christine, einer Pädagogik-Studenten aus Münster, frontal, zwischen Nase und Lippe, Blut schoss aus der offenen Wunde, raus aus dem Meer, Krankenkaus, viele, schmerzhafte Stiche und die Ungewissheit: Wie werde ich den Rest meines Lebens aussehen?

„Very ugly“, so der portugiesische Arzt, er reichte mir einen Handspiegel und lachte laut auf, dort sah ich mein übel zu gerichtetes, verquollenes Gesicht, das sah tatsächlich nicht schön aus.

Doch die Schwellung wich, die Fäden wurden gezogen, Bart wuchs, die Faszination für das Surfen blieb. Es ist schwer über das Surfen zu reden oder zu schreiben ohne dabei wie ein Vollidiot zu klingen.

Trotzdem wage ich es mal, denn ich liebe es, selten hasse ich es, bemerkenswert in jedem Fall welche Zeit und Energie ich in meinem
Leben investiere, um ein guter Surfer zu werden.

Bislang, kurzer Zwischenstand, ist es mir nicht gelungen. Manchmal führt das zu Frustration, wie eben, hier bei ‚Bumee‘, einem Lefthander auf Siargao. Neben mir zwei Franzosen, die alles bekommen, was sie anpaddeln, und langhaarige Locals, die kunstvoll die Wellen abreiten. Und ich, zum Zuschauer verdammt, der, als er sich den Mut fasst und „reindroppt“  in die „Washing Machine“ gerät, tief unter Wasser, unkontrolliert, wild umher schleudernd, nach Luft schnappend.

Doch es gab auch die Momente: Eine nicht enden wollende Welle in Crescent Head, Australien. Delfine, die in Kalifornien bis auf wenige Meter an uns heran schwammen, so nah, dass ich es kurz mit der Panik zu tun bekam: Sind das wirklich Delfine? Was ist das für eine Flosse? Es waren Delfine, gekommen wie wir, um Wellen zu reiten.

Ich liebe es, wenn bei besonders großen, brechenden Wellen, Wasser in die Luft gespritzt wird und, je nach Wetterlage, kurz ein kleiner über dem Line-Up thronender Regenbogen zu sehen ist. Wenn ich bei Duck-Dives unter Wellen hindurch tauche und ich sie von unten zu sehen bekomme, wenn sie brechen.

Ich liebe es, wenn ich nach einem Surf-Tag abends im Bett liege und es sich noch immer so anfühlt, als würde das Wasser mich tragen, sanft schaukelnd.

Ich, so will ich glauben, bin kein Wannabe, nicht mehr der Dorf-Teenieboy, der so gern ein Surfer wäre, ich bin, ich liebe aufrichtig, will ein Kunstwerk erlernen.

Vor zwei Tagen ließ ich mir von drei philippinischen Transen die Haare färben, Surferblond, so mein Wunsch – jetzt habe ich gelbe Haare.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Surfen, Wellenreiten

Von: David Kurt Karl Roth

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