Streetstyle Phänomen: Pitti Peacocks

Die Pitti Uomo in Florenz gehört zu den wichtigsten Messen für Männermode auf der Welt. Sie zieht zwei mal im Jahr tausende Händler an – und diese ziehen sich für die “Pitti” an. So hat sich über die Jahre ein eigener Kleidungsstil entwickelt, der in seiner extremsten Form wohl in Florenz zu sehen ist und dessen Träger halb scherzhaft, halb böse “Pitti Peacocks”, Pitti Pfauen, genannt werden.

Der Look der Pfauen besteht in erster Linie aus einem zu engen, zu kurzen Anzug: die Knöchel dürfen in keinem Fall von Sakko oder Hose bedeckt sein. Dazu tragen die Herren dann gern rahmengenähte Budapester Schuhe, Voll- oder Zwirbelbart, teure Sonnenbrille, Seefahrer-Tattoos und ein Einstecktuch. Neulich konnten wir sogar einige Peacocks entdecken, die sich eigens für die Pitti Zigarillos gekauft hatten, um NOCH authentischer auszusehen.

Insgesamt versuchen die Männer so auszusehen, wie sie es sich von ihrem eigenen Großvater gewünscht hätten, wäre der ein bekannter Autor in den 1920er Jahren gewesen. Wer Pfeife oder Zigarillo raucht, ist dem gleich ein großes Stück näher.

Die eigentliche Funktion der Peacocks ist nicht ganz klar. Auf der Messe zu arbeiten, scheinen sie nicht, dafür fehlt ihnen die Zeit, schließlich verharren sie den ganzen Tag auf dem großen Platz inmitten des Messegeländes und warten auf die Streetstyle-Fotografen aus den USA und Japan. So bilden sie das klassische Pitti-Motiv des sich offensichtlich für Mode interessierenden Mannes, das sich für gutes Geld als Klischeebild an diverse Zeitungen verkaufen lässt.

Doch langsam spricht sich rum, dass die Pfauen nicht vielmehr sind, als verkleidete Selbstdarsteller, dass ihr Look eben nicht auf neue Trends schließen lässt, sondern die immer gleiche Liedzeile des schon etwas alten Songs ist und dass sie eben nicht repräsentativ sind für zeitgemäße Männermode. Die interessierten Streetstyle-Fotografen werden dementsprechend weniger. Manche boykottieren die Peacocks sogar – die größtmögliche Demütigung für einen Pfau.

Dass der Look sich seinem Ende zuneigt, wissen aufmerksame Beobachter seit längerem. Ganz hippe Typen tragen schon länger keine maßgeschneiderten Dreiteiler mehr und sowieso keinen Bart. Nichtmal Oberpfau Justin O’Shea tut das. Und selbst der Godfather des Pitti-Looks, Nickelson “Nick” Wooster, sagte zu Dandy Diary-Mitarbeiter Mark in dieser Saison, dass er sich “down” dresse, um nicht wie einer der Clowns auf dem Pitti-Platz auszusehen.

Category: Trends

Von: Carl Jakob Haupt

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