Straight Outta Grundschule: Die jüngste Generation von Hypekids

Auf den Schulhöfen reicher Industrieländer – vornehmlich in Großbritannien – findet man derzeit unzählige Jungs im Alter von 11 bis 15, deren gesamtes Taschengeld für limitierte, gehypte Klamotten mehr oder weniger angesagter Labels draufzugehen scheint.

Das wissen wir nicht, weil wir wochenlange Feldstudien unternommen haben. Sondern einzig und allein deshalb, weil die Kids natürlich Alles und Jeden über die sozialen Netze an ihren Errungenschaften teilhaben lassen.

Und weil wir das natürlich andauernd sehen bekommen, drängt sich die Frage auf: Was zum Teufel ist los mit diesen Boys, bewarfen sich Jugendliche im gleichen Alter vor 10 Jahren nicht noch mit Stöcken oder rauchten heimlich im Wald. Nun aber hängen sie offensichtlich stundenlang in Online-Stores, auf Highsnobiety und Hypebeast und vor Läden rum, die ihre geliebten Teile verkaufen, um eines von ihnen nach stundenlangem Warten ergattern zu können.

In unsicher-pubertären Posen lichten sich die Teenies dann in ihren oft schlecht sitzenden, hart ersparten Hype-Klamotten vor den großen Spiegeln ihrer gut situierten Elternhäuser ab. Das ist peinlich, komisch und beeindruckend zugleich. Letzteres deshalb, da die Kids im Prinzip nichts anderes tragen als das, was die führenden Influencer, Blogger und Könige der Modewelt (wir!) tragen, aber es an ihren kindlichen Körpern dann doch irgendwie ganz anders aussieht.

Wesentlich beschissener, leider. Hoch im Kurs steht bei den Kids, wie könnte es anders sein: Supreme. Aber auch Hoodies und T-Shirts mit dem ikonographischen Thrasher-Print sind beliebt, ebenso die dank Normcore angesagten Labels Patagonia und The North Face, außerdem Palace Skateboards und die Sportartikelgiganten Adidas und Nike.

Bei der Wahl der richtigen Beinbekleidung wird wahlweise auf die Beine einschnürende, und – wie wir alle wissen – gesundheitsgefährdende Skinny Jeans oder viel zu große stone-washed Jeans zurückgegriffen. Beides: Nicht wirklich cool.

Ihre Einkäufe teilen die Hype-Boys neben ihren Instagram-Accounts auch in Facebook-Gruppen wie „The Basement“  mit anderen Hypebeasts. Man tauscht sich aus, holt Rat ein, gibt Tipps. Das alles mit einer Ernsthaftigkeit, als ginge es um Weltpolitik oder die großen Fragen des Lebens.

Durch die Möglichkeit des Online-Shopping wanderten Trends und Hypes erstmals aus den großen Städten in weniger dicht besiedelte Gebiete. Nun, in Zeiten von Influencern wie Kanye West und Asap Rocky scheinen Bewegungen und Stile nicht mehr nur keine geografischen Grenzen zu kennen, sondern auch Altersbarrieren mehr und mehr zu durchbrechen.

Unser Favorit unter den Hype-Jungs ist übrigens der mit der rosafarbenen Supreme-Cap, der ein so dermaßen authentisch-trauriges Gesicht macht, dass wir fast anfangen müssen zu heulen. Fast.

Text: David Jenal

Category: Trends

Tags: Hypekids

Von: David Kurt Karl Roth

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