Store Guide: Berlin

All die schönen Dinge, die wir uns jeden morgen über unsere gestählten Körper werfen und uns in die Wohnungen (oder auf Instagram zur Schau) stellen, müssen ja auch irgendwo herkommen. Und weil der Postbote eben auch nicht alles bringt, was man so braucht, gehen wir hin und wieder auch mal einkaufen. Wo genau und warum, das steht jetzt hier.

Chrome Store

Die Kombination von Designer-Vintage und neuen Kollektionen ausgewählter, lokaler Designer ist ein Konzept, dessen geringe Präsenz sehr verwundert, funktioniert es doch offensichtlich blendend: Im Chrome Store im tiefsten Hipster-Kreuzberg hängen neben Second Hand-Ware von Labels wie Lanvin, Acne Studios, Jil Sander und Maison Martin Margiela auch die aktuellen Entwürfe von Julian Zigerli, Vladimir Karaleev und Hien Le. Der Kunde profitiert von dieser seltenen Mischung ebenso wie die lokalen Designer, die so einem modeinteressierten, aber eben doch immer wieder die üblichen Labels kaufenden Publikum vorgestellt werden und plötzlich neben den „ganz Großen“ hängen. Wenn jemand – wie in diesem Fall –  junge Berliner Designer unterstützt, finden wir das sowieso immer gut. Und vor ein paar Tagen hat man im Chrome Store außerdem das einjährige Bestehen gefeiert. Man sollte da dringend hin.

Chrome Store, Lenaustraße 10, 12047 Berlin-Kreuzberg Mo. – Fr. 13:00 – 20:00, Sa. 11:00 – 19:00

A.P.C. Fasanenstraße

In einer Seitenstraße vom Kurfürstendamm, zwischen Galerien, Praxen von plastischen Chirurgen und Anwaltskanzleien findet man den aus Interior-Sicht besten Laden der Stadt. Die Mischung aus viel Holz und wenig Stein und nichts Anderem ist ebenso selten gesehen wie gelungen und lenkt den Fokus auf das Wesentliche: Die zwischen Klassikern, Langweilern und perfekten Schnitten anzusiedelnden Entwürfe von A.P.C. aus Paris. Das eigentlich Gute an dem Laden sind aber nichtmal seine zweifelsohne schönen Produkte, sondern vielmehr die Lage. In Berlin-Mitte, wo das französische Haus auch einen Store betreibt, ist einem das Fröhnen im Kaufrausch ob des monotonen Überangebots längst vergangenen, in Kreuzberg und Neukölln sind die Stores vergleichsweise weit voneinander entfernt. Der Westen aber birgt auch abseits seiner kulinarischen Bastion – der Kanstraße – großes Potenzial. Was es braucht, sind mutige Ideen wie die Einrichtung bei A.P.C., um den Kurfürstendamm endlich von seiner meterdicken Staubschicht zu befreien. Ein erster Schritt ist getan.

A.P.C., Fasanenstraße 22, 10719 Berlin-Charlottenburg, Mo. – Fr. 11:30 – 19:30 Fr. 12:00 – 18:00

Superconcious

Hier gibt es tatsächlich sowas wie – ja, es klingt schrecklich: Concious Streetwear. Die ganz üble Wortkombination passt aber einfach zu gut, ist die Auswahl an Marken und Produkten hier nämlich zumindest scheinbar so bewusst getroffen, dass man nicht nur dauernd neue Labels und interessante Teile findet, die es sonst nirgendwo gibt, sondern auch einen Großteil der Sachen sofort kaufen will. Stilistisch bedient wird der 19-jährige Großstädter, dessen Stil irgendwo zwischen Yung Hurn-Normcore-Freak und Skandinavien-Trip hängengeblieben scheint, und das ist keinesfalls negative Kritik. Nur: So wirklich zu kennen scheint Superconcious kaum Jemand. Das ist sehr schade und hoffentlich hiermit geändert.

Superconcious, Weinbergsweg 22, D-10119 Berlin, Mo. – Sa. 11:00 – 20:00

The Corner

The Corner ist ein Paradies für all jene, die über die seltene Mischung von Stil und einem großen Haufen Geld verfügen. In den – leider nicht so ganz zeitgemäß – räumlich getrennten Verkaufsflächen für Männer und Frauen an den Ecken (logischerweise) eines Geschäftshauses an der Französischen Straße gibt es von großartigen Gucci-Bomberjacken über eine große Auswahl an Klassikern von Acne Studios und Dries Van Noten alles, wofür sich sehr schnell sehr viel Geld ausgeben lässt.

The Corner, Französische Straße 40, 10117 Berlin-Mitte, Mo. – Sa. 10:30 – 19:30, Sa. 10:00 -19:00

VooStore

Den VooStore hier nicht aufzuführen würde wohl an Majestätsbeleidigung grenzen. Ganz davon abgesehen ist und bleibt er einer der besten Läden, die Berlin zu bieten hat. Das liegt nicht nur an der einzigartigen Auswahl, sondern auch an der wenig zum Kauf drängenden Atmosphäre, die ja der Kern der mittlerweile vollkommen inflationär verwendeten Idee eines Concept Stores ist. Als der VooStore vor sechs Jahren das erste Mal seine Türen öffnete, war er einer der ersten seiner Art. Das vergleichsweise hohe Alter sieht man dem Laden mittlerweile an, so ganz auf dem aktuellen Stand hinsichtlich Einrichtung und Vibe ist er nicht mehr. Die Klamotten an den Kleiderstangen sind es aber seit jeher. Und für immer gleich bleiben soll auch das Interior vom VooStore nicht – das erzählt man sich jedenfalls.

VooStore, Oranienstraße 24, 10999 Berlin-Kreuzberg, Mo. – Sa. 10:00 – 20:00

The Store

Hier, im Erdgeschoss des Soho House, wurde das, was einst im VooStore begann, auf die Spitze getrieben: Das Kaufen von Produkten rückt völlig in den Hintergrund, der Laden ist in erster Linie ein Ort zum Verweilen, Essen, Lesen und Vernetzen. Abgesehen von der grandios gesunden und trotzdem oder eben deshalb so wohlschmeckenden Küche und der umtriebigen Atmosphäre ist vor allem die Auswahl an Printmagazinen und Pflanzen einigermaßen beeindruckend. Einzig und allein die Selektion der Kleidung überzeugt nicht so richtig: Alles ist unfassbar teuer und teilweise nichtmal schön (Vetements). Aber hier kommt man eben nicht zum Einkaufen her, sondern viel eher für das Avocado-Brot. Oder die gute Musik, die hier läuft. Es gibt genügend Gründe.

The Store, Torstraße 1, 10119 Berlin-Mitte, Mo. – Sa. 10:00 – 19:00

Category: Special

Tags: A.P.C., Chrome Store, Store Guide, Superconcious, The Corner, The Store, VooStore

Von: David Jenal

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