Spree Ride Session

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Kürzlich erzählte mir ein Mädchen, an dessen Name ich mich nicht erinnere, eventuell Christine?!, auf einer Party, dass in New York keiner mehr Alkohol trinkt oder Drogen zieht, raucht, schmeißt.

Sondern alle nur noch frühmorgens auf Fitness-Raves gehen, auf denen sie dann ihre letzten, verbliebenen Gifte aus ihren muskulösen Körpern schwitzen, danach Dusche, Smoothie und Proteinriegel.

Ich nahm einen tiefen Schluck aus meiner Tulpe, wischte mir meinen weiß-funkelnden Beer-Goatie aus dem Gesicht und rieb mir ungläubig die Augen. Ach, New York City, da war ich doch schon so lang nicht mehr.

Wochen später, den Smalltalk schon längst vergessen,  erreichte mich eine E-Mail von Ayda, einem PR-Chic, die mich auf die BJÖRN BORG Spree Ride Session einlud, ich überflog ihre E-Mail:

Startpunkt Oberbaumbrücke, Floß, Techno, Cycling-Räder. Ich dachte wieder an New York, an diese ominösen Fitness-Raves, die rauschfreie Zukunft, in der alle nur noch blendend aussehen, clean sind.

Und sagte zu. 25 Cycling-Räder wurden für das Event auf einem Floß aufgestellt, ich wählte, rückblickend gesehen etwas sehr ambitioniert ein Rad in der ersten Reihe aus, direkt vor dem ebenfalls ambitionierten Coach. Links neben mir – in Björn Borg Running Tights – meine Freundin.

„Are you ready?“ – rief der Fitness-Coach, ebenfalls auf einem Rad sitzend. „YES“, denke und rufe ich. Wir stehen im Sattel, strampeln, immer wieder Liegestütze, vorbeugen, wieder zurück, weiter.

Die Intensität überrascht mich, ich kämpfe. Doch aufgeben ist keine Option, dies würde einem Gesichtsverlust gleich kommen, vor all diesen durchtrainierten Influencern – und noch wichtiger: meiner Freundin.

SPEED UP! Stay in the Position! And up and down, and down! And now one more time! – höre ich den Fitness-Coach schreien. Ich erreiche einen rauschhaften Zustand, trippy, verliere mich in meinen Gedanken. Sehe mich, samt dem Rad, dessen Pedale mit meinen Schuhen verbunden sind, in die Spree fallen.

Vorbei an ein paar Fischen, die zu wummernden Techno-Beats einen Rave feiern, sie winken mir zu, sie lachen,  ich falle tiefer und tiefer, beschwert durch mein Fitness-Rad, das noch immer an meinen Füßen hängt. Als Wasserleiche will niemand enden, denke ich, das sieht doch nicht schön aus.

Ich komme zu mir, blicke nach hinten, alle sind am kämpfen, überall schöne, aber von der Anstrengung gezeichnete Gesichter, Blick nach vorn, ducken, die Oberbaumbrücke, durch die wir nur gebückt passen. Der Fitness-Coach verkündet die letzten Übungen – Euphorie kommt auf.

Die Abendsonne küsst mich. Wir legen wieder an. Ich habe es geschafft, trinke einen Kurkuma-Ingwer Shot und verabschiede mich. Was für ein Trip. Und kein Kater. Danke, Björn Borg!

Category: #dandydiaryspace

Tags: Björn Borg

Von: David Kurt Karl Roth

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