Sold Out: das Magazin 032c möchte Berlins größtes Modelabel werden

Unbeeindruckt von der dort bewusst ignorierten Egalheit der Berliner Fashion Week, robbt sich mit der als Merchandise-Linie des zweimal jährlich erscheinenden Magazins 032c gestarteten, gleichnamigen Modekollektion ein neuer Player an den nach wie vor wachsenden Streetwear-Markt heran.

Erstmal ist das natürlich nichts besonderes, Merchandise machen viele und bedruckte T-Shirts bekommt sogar jede Dorfpunk-Band in okayer Auflage unter die Anhängerschaft gebracht. Interessant wird es, wenn man den eigenen Anspruch von Magazin-Macher Jörg Koch und seiner Frau Maria, die als Designerin die Produktlinie betreut, anschaut. Dem Journalisten Adriano Sack erzählten sie im Magazin der Berliner Fashion Week, auf deren Cover die gesamte Redatkionsmannschaft stolz rumsteht:

“We will become the largest fashion label operating from Berlin.”

Eine sympathisch großmäulige Ansage.

Die Ausgangslage ist sicher nicht schlecht: Maria Koch hat Modedesign studiert und dann unter anderem für Prada und Jil Sander gearbeitet. Jörg Koch arbeitet im Hauptberuf als Geschichtenerzähler für den erfolgreichen Online-Shop SSENSE, über den auch die eigene 032c-Marke vertrieben wird. Und das Redaktionsteam des Magazins ist geübt darin, Mode mit Geschichten und Bildern zu stylen, aufzuladen und zu erhöhen.

Bislang ist das Oeuvre des jungen Labels noch überschaubar: es gibt eine handvoll mit Logos, Sinnsprüchen oder Fotos bedruckte T-Shirts, ein Set mit Ansteckern, Caps, einen Hoodie-Pullover in drei Farben, Sportsocken, zwei Handtücher (!), einen Gürtel und eine Carhartt-Jacke, in deren Innenseite ein falsches Leopardenfell genäht wurde. Etwa die Hälfte der Produkte ist im eigenen Online-Shop ausverkauft. Das erfolgreiche und vielfach kopierte Verknappungsprinzip, das die Streetwear-Marketing-Könige von SUPREME zur Perfektion beherrschen, wird offensichtlich auch hier bewusst betrieben, ebenso das Spiel mit Kooperationen (Alyx, Carhartt).

Das Modelabel 032c nutzt außerdem die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Coolheit der Stadt und Marke Berlin, mit der tatsächlichen. Berlin mag angesagt und edgy sein, viel was von hier kommt, ist es leider oftmals nicht – das zeigt auch die Berliner Fashion Week in stoischer, halbjährlicher Regelmäßigkeit. Das Vakuum, diese Blase könnte 032c füllen.

Im Interview erklären die Kochs weiter, ihr Label wolle versuchen die Frage zu beantworten, wie Mode im digitalen Zeitalter produziert und verkauft werden kann.

Eine Antwort darauf ist eher klassisch: im Erdgeschoss ihrer Redaktionsräume haben die Jungdesigner einen Shop eröffnet, in dem man die Kollektionsteile kaufen kann. Im kommenden Jahr seien des weiteren Pop-Up Stores in Mailand, Moskau, Seoul, Hong Kong und Tokio geplant.

Es gibt viel zu tun, für das künftig größte Modelabel Berlins.

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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