Skateboarding: das große Revival!

Als Teenieboy bin ich immer nach Hofgeismar, einem Nachbarort meiner Heimatstadt, mit dem Regionalzug gefahren.

Denn dort stand eine Halfpipe, so groß, so bedrohlich, dass ich nie einen “Drop In” mit meinem Skateboard wagen sollte. Sie war das Mekka eines jeden ambitionierten Skateboarders aus dem Umland.

Die harten Jungs, die die “droppten”, trugen in der Kniekehle hängende Baggy’s, VANS Klassiker, Hoodies von SANTA CRUZ oder von BLIND. Sie hörten Millencollin oder Lagwagon, rauchten Joints und begrüßten sich mit minutenlangen Handshakes. Ich war ihr stiller Bewunderer.

Skateboarding war damals der Inbegriff von Coolness. Mit Tony Hawk’s Playstation Zockerhit “Pro Skater” erreichte Skateboarding um 2000 (endgültig) den Mainstream. Auf MTV lief “Life of Ryan” – eine TV-Serie über den Pro-Skater Ryan Sheckler. Bei den X-Games wurde Skateboarding zum Mega-Event hoch gejazzt.

Die Ex-Rebellions-Subkultur wurde zum Kassenhit. Doch Skateboarding büßte auf seinem Höhepunkt an Roughness und Coolness ein. Der Einfluss auf die Streetwear-Culture schrumpfte.

Kürzlich habe ich mir wieder ein Skateboard gekauft. Weil es wieder cool ist. Ein Satz, für den mir sicherlich der ein oder andere über die Jahre seiner Leidenschaft treu gebliebener Skateboarder allzu gern sein Deck über meinen Modeblogger-Schädel donnern würde.

Weil es wieder cool ist – auch wenn der Satz banal klingt, sagt er viel aus über über den Zustand der Skateboard-Culture. Man will wieder Teil von ihr sein. Skateboarding erlebt in den letzten Jahren ein bemerkenswertes Revival.

Klassiker wie VANS Old Skool Sneaker, THRASHER Hoodies mit Flammenmotiv oder der legendäre “Skate and Destroy” Sweater sind wieder öfter zu sehen, auch im modischen Kontext, auf Blogs, auf Fashion Shows und Partys.  SUPREME  ist sowieso so seit Jahren gehypt.

Der aus der Skateboard-Szene Moskaus stammende GOSHA RUBCHINSKIY steuert mit Karacho geradewegs auf den Modeolymp zu. Skateboarding spielt für den russischen Multidisziplinär in seinen Designs, Fotos und Filmen eine wichtige Rolle.

Sein erster Hit war ein Sweater, auf dem er, angelehnt an das legendäre Thrasher Design, in kyrillischer Flammenschrift Wörter drucken ließ. Für SUPREME produzierte RUBCHINSKIY kürzlich einen Kurzfilm und Fotos. Für das Skateboard-Label VANS entwarf er eine Schuh-Kollektion.

Der russische Designer, der seit Jahren von Comme Des Garçons unterstützt wird, verkauft mittlerweile im Dover Street Market und präsentiert seine Mode in Paris. Mit Gosha Rubchinskiy ist Skateboarding in der Welt der Prêt-àporter angekommen.

Damals als ich ehrfürchtig vor der gigantischen Halfpipe stand, in den 90er Jahren, waren es vor allem die großen Skateboard-Labels aus den Staaten, die getragen wurden. Heute, beim Revival, sind es vergleichsweise junge Labels, wie PALACE SKATEBOARDS, BIANCA CHANDON oder BRONZE HARDWARE die eine Rolle spielen.

Kein Skateboard-Label geht derzeit mehr ab als Palace. Als A$AP Rocky in Multiply Hood by Air und Been Trill disste, trug der Rap-Superstar Palace. Natürlich. Die Designer-Kooperationen mit ADIDAS – bislang wurden zwei Kollektionen gelauncht – brachten Bekanntheit, weit über die Skateboard-Szene hinaus.

Lev Tanju – der Gründer von Palace – scheint alles richtig zu machen: ALLE hippen Kids in London haben mindestens ein Palace Piece im Kleiderschrank. Die nächste Designer-Kooperation ist bereits angekündigt (Bronze Hardware). Und im Londoner SoHo eröffnete Palace kürzlich seinen ersten Store.

In dem Artikel New Lad Casual schrieb das i:D Magazine bereits 2014 über die Fusion von Skateboarding und Fußball. Ein Look, der beeinflusst ist von 90s East Coaster Skaters und britischer Pub-Proll-Kultur. Neben Supreme und Nike wird Palace als wichtigste Marke für die Londoner Bewegung genannt.

Alex Olson, Gründer vom gehypten Brand Bianca Chandôn (der Name ist eine Zusammensetzung aus Bianca Jagger und dem Namen des Rennfahrers Olivier Chandon), lässt sich für seine Entwürfe von alten PURPLE Magazinen, Dragball-Culture, den wilden 70’s, Disco Days und Paris is Burning. inspirieren.

Olson, der vor der Gründung seines Label sein Geld als Pro-Skater bei GIRL Skateboards verdient hat, befreit Skateboarding vom hyper-maskulinen Klischeebild. Eine Serie von Bianca Chandôn Decks sind der LGBTQ-Youth gewidmet. Ein Teil des Erlös des Verkaufs der Skateboards wird gespendet.

Bronze Hardware – ein weiteres Skateboard-Label, welches derzeit auch modisch immer mehr an Einfluss gewinnt, kommt aus New York. Mit Skateboard-Videos in Web-1.0-Videoästhetik kam Bronze Hardware schnell zu Ruhm. Ähnlich wie bei Palace gehören bei Bronze Hardware Caps, Shirts und Jacken mit Logoprint zu den Topsellern.

Auch Designer, deren Geschichte nicht unweigerlich mit der Skateboard-Kultur verknüpft sind, zitieren immer öfter Skateboarding. JULIAN ZIGERLI, beispielsweise, zeigt in seinem letzten Modefilm “Life is one of the Hardest” Daniel Pitout, den Gitarrist der kanadischen Band Eating Out in Zigerli Designs – auf seinem Skateboard durch die Stadt cruisen.

Oder, ganz aktuell, vor zwei Tagen, auf der London Collections: Men. Das britische Label COACH präsentierte seine Surf Punk Designs inmitten von Skateboard Ramps. Fraglos: Skateboarding ist zurück. Einflussreicher auf Youth Culture (und: Highfashion) denn je.

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Category: Trends

Tags: Bianca Chandon, Coach, Julian Zigerli, Palace Skateboards

Von: David Kurt Karl Roth

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