Schluss damit, und zwar jetzt: Fjällräven Kånken

Lange Zeit habe ich sie akzeptiert, aber irgendwann reicht es: Die Kånken-Modelle von Fjällräven sind nichts mehr als ein Relikt des bärtigen Mitte-Hipsters von 2012. Schluss damit!

Das Gespür dafür, wann Trends anfangen und enden, war in dem Land, in dem wir nunmal leben, noch nie besonders ausgeprägt. Zwar gibt es mittlerweile kleine, nischige Szenen in Berlin, denen man so etwas wie einen progressiven und inspirierenden Stil nachsagen kann. Eine Geburtsstätte für modische Trends ist die deutsche Hauptstadt trotzdem weiterhin nicht wirklich muss sich deshalb – völlig zurecht – von Jan Böhmermann als “Trendvulkan” bezeichnen lassen. Voller Ironie, versteht sich.

Das rucksackgewordene Beispiel für die Off-Synchronisation mit den großen Modemetropolen ist der Fjällräven Kånken. Im Zuge des großen Skandinavien-Wanderlust-Wahns war der tatsächlich mal angesagt, den ultimativen Beweis dafür gibt es genau hier. Von Kopenhagen hat sich das eckige, schulranzenartige Gebilde dann schnell seinen Weg nach Berlin und von dort in jedes noch so kleine Kaff der Republik gebahnt. Warum das geschah und damit das große Unglück über uns hereinbrach, liegt auf der Hand: Der Rucksack bedient nicht nur das immer noch anhaltende Bedürfnis nach schlichter, offensichtlich skandinavischer Kleidung mit möglichst vielen ø und å im Namen, sondern auch das nach Abenteuer und Natur und Authentizität: Wanderlust eben, neben #girlboss ein weiteres, ganz großes Unwort unserer Zeit.

Die ausgewaschenen Farbgebungen, in denen es den Kånken gibt, kommen den Wanderlust-Jüngern natürlich sehr gelegen. So sieht der geneigte Naturliebhaber, der in Wahrheit natürlich nur zwischen St. Oberholz und Wood Wood Store (übrigens ebenfalls Relikte der Mitte-Hipster) pendelt, aus, als wäre er jahrelang durch Schweden gewandert – auf der Suche nach sich selbst und noch mehr Gründen, sich noch mehr viel zu enge Hosen zu kaufen.

 

 

Oben zu sehen: Die alle Klischees erfüllenden Gebrauchsgegenstände eines Kånken-Trägers. Es fehlen nur Landkarte und Reisepass.

Dass sich das Modell von Fjällräven bis heute auf den Straßen Berlins und all den anderen deutschen Groß-und Kleinstädten hält, ist auch Ausdruck unserer Zeit und den Bedürfnissen und Wünschen eben jener Generation, die den Kånken noch immer gut und hip findet. Das jüngste Drittel der “Generation Y” spaziert nämlich wirklich lieber durch die Wälder Finnlands, als sich auf Mallorca hemmungslos zu besaufen.

Seine Freizeit kann nunmal jeder gestalten wie er will. Was hingegen kräftig nervt, ist die viel zu hohe Zahl von Kånkens auf den Rücken meiner, unserer Mitmenschen. Nur Herschel sieht man noch häufiger. Und auch auf die Rucksäcke aus Kanada trifft ziemlich genau das zu, was ich eben zum “kultigen” Modell aus Schweden gesagt habe: Absolut jeder trägt sie, und der Trend ist längst vorbei.

Daher bitte ich euch, liebe Fjällräven-und auch Herschel-Träger, jetzt und hier nochmal eingängig: Kauft euch doch endlich mal einen neuen Rucksack. Dann seht ihr nämlich nicht genauso aus wie alle anderen. Und hinkt der Mode um Jahre hinterher. Ihr würdet uns allen einen riesigen Gefallen tun.

Category: Trends

Tags: Fjällräven

Von: David Jenal

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