Salone del Mobile: Die Fashion Week der Zukunft?

Während die Modewoche in Mailand in der vergangenen Jahren an Bedeutung verlor, sich trotz Gucci weiter in einer Identitätskrise wiederfindet und zwischen Paris, London und New York nicht so recht eine Nische gefunden hat, ist der einmal jährlich in der norditalienischen Metropole stattfindende Salone del Mobile die mit Abstand wichtigste Veranstaltung der Möbel-und Produktdesignbranche.

Immer mehr Modelabels realisieren die unglaubliche Strahlkraft des Events und nutzen den Salone, um fernab von Laufstegen und nichtigen, zu Sauforgien verkommenden Events ihre Visionen, Universen und Innovationen einem geneigten Publikum zu präsentieren.

So zeigt Stone Island in der „CRAFTWORKS“ getauften Ausstellung verschiedene Jacken, die mit unkonventionellen Methoden nachbearbeitet wurden und in ihrem Look an die Uniformen der Soldaten im zweiten Weltkrieg erinnern sollen. Zusätzlich hat der Vorreiter in Sachen Technologie mit einem italienischen und einem Britischen Künstler zusammengearbeitet, die die Ausstellung um Vintage-Elektro-Motorräder (Klischee!) und umweltfreundliche Möbel (noch mehr Klischee!) ergänzen.

Nike gibt sich indes nicht mit zwei Designern zufrieden: Gleich zehn Künstler haben sich am Thema „Nature of Motion“ abgearbeitet und verschiedenste Ansätze und Ideen zu natürlicher Bewegung erarbeitet. Natürlich finden sich auch etliche Produkte mit dem Swoosh in den Ausstellungsräumen wieder. Zwischen Installationen, trippiger Kunst und Technologie erscheint Nike, die für den Massenmarkt gemachte Weltmarke, dann fast schon avantgardistisch und revolutionär.

J.W. Anderson hat für Loewe britische Designklassiker neu interpretiert und mit Leder und Stoffen überzogen. Bei Marni hat man kurzerhand den hauseigenen Showroom umgeräumt und in einen Ballsaal verwandelt, in dem professionelle Tänzer aus Kolumbien einen landestypischen Tanz aufführen und – das Beste: Jeder kann dort Tanzstunden nehmen. Sofort hin da!

Ein weiteres Highlight des diesjährigen Salone ist EPOCSODIELAK. So beschissen und unmöglich auszusprechen der Name auch sein mag: Hinter dem Buchstabengewirr verbirgt sich eine wahre Partymaschine, von der wir – ohne sie je gesehen zu haben – so dermaßen überzeugt sind, dass wir gleich zehn Stück für die nächste Dandy Diary-Party bestellt haben. Der Münchner Produktdesigner Konstantin Gricic und der Grafiker Mirko Borsche, dessen Interview mit uns man sich hier  durchlesen kann, haben nämlich gemeinsam eine Konstruktion gebaut, in die Strobo-Lichter, Nebelmaschine, DJ-Pult und ein 1200 Watt Soundsystem verbaut sind.

Für EPOCSODIELAK (Kaleidoscope rückwärts) hat der angesagte italienische Store Slam Jam T-Shirts entworfen. Präsentiert wird das Projekt vom Zeitmagazin und, wie könnte es anders sein, Kaleidoskope. Gestern Abend wurde der Party-Garant vorgestellt. Wir wären nur allzu gerne dabeigewesen.

Die Freiheiten, die ein Event wie der Salone del Mobile Marken und Designern bieten kann, scheinen bei den meisten Fashion Weeks in weiter Ferne. Das sollte sich aber schnellstens ändern, denn: Was derzeit in Mailand gezeigt wird, ist höchst relevant, da zukunftsgewandt. Branchenübergreifende Arbeiten werden wichtiger und wichtiger, der Austausch von Technologie und Know How überlebensnotwendig. Der Salone ist der perfekte Nährboden dafür. Nächstes Jahr kommen wir dann auch. Versprochen!

Category: News

Tags: LOEWE, mailand, marni, Nike, Salone del Mobile, Stone Island

Von: David Jenal

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