Rudolf Stingel

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Das erste Mal, dass ich vor einer Arbeit von Rudolf Stingel stand, ist noch gar nicht allzu lang her, vor 2 Wochen, in der TATE BRITAIN in London: ein gigantischer, orangefarbener Teppich an der Wand, in den sich die G├Ąste verewigen konnten.

Die Arbeit blieb in Erinnerung, daher freute ich mich, als die Fondation Beyeler zur Solo-Ausstellung Stingels lud. Daher schwang ich mich in aller Herrgottsfr├╝he auf meinen gef├Ąhrlich schnellen Peugeot Speedfight 3, bewies Kreativit├Ąt, in dem ich ein paar torkelnde Berlin Party People umkurvte, immer weiter, dem Sonnenaufgang entgegen – bis zum Flughafen Tegel.

Aus dem Flugzeugfenster schauend, dachte ich an Basel, die Schweiz, meine Vergangenheit: Meine erste Freundin, ein Meidli aus der Schwiiz, Brockis und Flomis und an das 3-Minuten-Ei, welches mir am Fr├╝hst├╝ckstisch der Mutter meiner damaligen Freundin aufgetischt wurde, derartige Eierkultur kannte ich nicht aus Kassel, meiner nordhessischen Herkunft, ich schlief ein.

In Basel wartet das brutalst sympathische Fondation Beyeler Team auf mich – und die Kunst von Rudolf Stingel, der aktuell, so erfuhr ich, zu den teuersten, zeitgen├Âssischen K├╝nstlern z├Ąhlt, eines seiner letzten Werke wurde f├╝r rund f├╝nf Millionen US Dollar verkauft. Zum Opening seiner Pr├Ąsentation seines malerischen ┼ĺuvres kam sogar Larry Gagosian – f├╝r eine Stunde aus New York.

In der Fondation Beyeler werden bis zum 6. Oktober 2019 die bedeutendsten Werkserien aus allen Schaffensperioden der letzten drei Jahrzehnte gezeigt, dazu geh├Âren, eingangs schon erw├Ąhnt, auch die Teppich-Werke. Ein Konzept, das Stingel erstmalig 1991 in der Daniel Newburg Galerie in New York ausstellte. Damals legte der Konzeptk├╝nstler den Teppich noch auf den Boden, in der Fondation ist eine komplette Wand mit dem Teppich verkleidet.

Ein interaktives Werk, das vision├Ąr fr├╝h vorgriff, was heute das Event-Konzept einer jeden Marke bestimmt: Fotoboxen, in denen Partyg├Ąste teilbaren Content produzieren, f├╝r den Fun und die Follower. Bei Stingel ging es um die Erweiterung der Malerei: Jeder kann teilhaben, ebenfalls konzeptuell spannend: Jeder Museumsbesucher, gerade wenn die Ausstellung schon ein paar Wochen l├Ąuft, kann nur erschaffen, wenn er zerst├Ârt.

Ebenfalls interessant seine Instruktionsarbeiten (“Anleitungen”): Stingel gibt Mal-Anleitung, inkl. Illustrierenden Schwarz-Fotografien beschreibt der K├╝nstler, wie der Laie in einfachen Herstellungsschritten zum K├╝nstler wird. Doch wird der Laie wirklich zum K├╝nstler? Oder f├╝hrt er nur f├╝r den K├╝nstler aus?

Auch seine fotorealistischen, meist gro├čfl├Ąchigen Arbeiten sind toll: Abbildungen von vorgefundener Fotografie, beispielsweise einem Foto einer Berglandschaft, was dann vergr├Â├čert mit all den Spuren der Vergangenheit (Staub, Fingerabdr├╝cke etc.) abgemalt wird und tempor├Ąr als Arbeitsunterlage im Atelier genutzt wird, so entstehen Arbeitsspuren, Fu├čabdr├╝cke durch Stingel – ein Werk, in dem es um grunds├Ątzliche Fragen zur Erinnerung und Verg├Ąnglichkeit geht.

Kurz bevor ich die von Udo Kittelmann kuratierte Schau verlie├č, musste ich mich nat├╝rlich auch noch selbst im Werk Stingels verewigen, ich w├Ąhlte eine reflektierende, silberne D├Ąmmplatte, in die ich einen kleinen, beschnittenen Schwanz schnitzte. Sicher nicht f├╝r die Ewigkeit, denn: Nothing last forever.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Basel, Fondation Beyeler, Rudolph Stingel

Von: David Kurt Karl Roth

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