Rick Owens: die 120 Millionen Dollar-Maschine

Auch wenn wir seit Jahren in dieser gottverlassenen Modebranche arbeiten, ist uns manchmal nicht so recht klar, wie hier eigentlich Geld verdient wird und wie zum Geier es sich eine Marke leisten kann, eine schweineteure Modenschau in Paris zu veranstalten, nur um ein paar Journalisten, Einkäufer und Blogger zu beeindrucken.

Dass aufwändige Modenschauen aber eben doch einen Effekt haben, der sich neben einem Hype in Feuilletons und auf den angesagten Blogs eben auch im Portemonnaie niederschlägt, zeigte jüngst unser Lieblings-Ex-Junkie Rick Owens:

Um satte zwanzig Prozent gingen die Bestellungen für die neue Kollektion nach oben, nachdem Owens seine zurecht vielbeachtete und total rattenscharfe letzte Modenschau in Paris gezeigt hatte (ja, die mit den aggressiven Step-Tänzerinnen, die alles andere waren, als die von uns doch eigentliche sehr geliebte Size-Zero).

Owens’ Umsatz im Jahr 2013 lag ohnehin schon bei 100 Millionen US-Dollar, sodass er in 2014 mit einem Jahresumsatz von 120 Millionen rechnet. 

Das ist natürlich ziemlich scharf, besonders für einen Designer, der früher mal Heroin-Junkie war, jetzt ein Fitnessfreak ist, eine skurrile Beziehung zu Partnerin Michèle Lamy (dem geschäftlichen Mastermind hinter Rick) pflegt und mir noch vor einem Jahr ziemlich verwirrt und allein im “Rainbow Bar & Grill”, dem vielleicht übelsten 80er Jahre Hair-Metal-Restaurant in Los Angeles, begegnete. Dieser Sonderling hat es, das ist wohl offensichtlich: gepackt. Geil!

Ein Ende der Ära Owens ist übrigens – da können wir alle mal beruhigt aufatmen und weiter all unser Geld für die nicht gerade günstigen Lederjacken und -stiefel zusammenkratzen – noch lange nicht zu Ende. Selbst wenn er jetzt aufhören würde, zu designen, so diktierte es Rick dem Magazin “Business of Fashion” in den Block, würde es noch genügend bestehende Entwürfe für weitere fünf Jahre geben.

Und dann sagt er (hier kann der Herzschlag aller dunklen Owens-Jünger nun wieder einsetzen): “I don’t think I will do that.”

Category: News

Tags: los angeles, modenschau, Paris, Rick Owens, umsatz

Von: Carl Jakob Haupt

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