Put your money where your mouth is

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©Eddie Plein

Wer denkt, das goldene Zahnimplantat sei ein rein „modernes“ SchmuckstĂŒck des Dentalbereichs, dem muss ich leider den Zahn ziehen. Sei es aus GrĂŒnden von Status oder Stil – gĂŒlden bestĂŒckte Beißerchen ziehen sich durch unterschiedlichste Kulturkreise auf dem Globus und ĂŒberspannen einen historischen Rahmen von Pharaonen ĂŒber Piraten bis hin ASAP Rocky. Folge Dandy Diary auf eine Reise am Zahn der Zeit.

~2000 BC: Im antiken Ägypten stand Zahnprophylaxe denkbar wenig auf der Tagesordnung. Entsprechend hĂ€ufig verabschiedeten sich vernachlĂ€ssigte ZĂ€hne aus dem Gebiss. So leicht steckten die Ägypter jedoch nicht den Kopf in den Sand: GolddrĂ€hte und -schienen wurden genutzt, um verlorene ZĂ€hne an das noch bestehende Gebiss zu binden. Teilweise wurden dafĂŒr gesunde ZĂ€hne durchbohrt, um als Verankerung der Prothese zu dienen. Da eine Vollnarkose vermutlich noch nicht gang und gĂ€be war, war bei Einsetzen sicher gefragt, die ZĂ€hne zusammenzubeißen. Selbstredend konnten sich nur Pharaonen und hohe Beamte die Prozedur leisten, weshalb ein goldiges LĂ€cheln schon vor 4000 Jahren ein absolutes Statussymbol war.

800 BC: Einen kleinen Zeitsprung und Lokationswechsel spĂ€ter finden wir uns im Maya-Reich wieder, wo bedeutend eher die Ästhetik im dentalen Vordergrund stand. Die frĂŒhzeitlichen Mittelamerikaner ließen sich nĂ€mlich gerne Löcher in die FrontzĂ€hne bohren, die anschließend mit Jade oder Edelsteinen gefĂŒllt wurden. Damit sind die offiziell die Trendsetter moderner (inzwischen ausgestorbenen?) Zahnsteinchen und dafĂŒr vermutlich postum in den Tartaros geworfen worden.

1483: Im italienischen SpĂ€tmittelalter experimentierte erstmals Giovanni dÂŽArcoli mit Gold als Zahnersatz nach moderner Technik. DafĂŒr befreite er die ZĂ€hne der mittelalterlichen Elite von infizierter Masse und bezog die Aushöhlung anschließend mit einer krĂ€ftigen Goldschicht. Im Mittelalter ohne Frage ein Symbol von Status und Macht.

1855: Die nĂ€chsten knapp vierhundert Jahre blieb Giovannis Methode ungeschlagen, bis Robert Arthur, ein Amerikanischer Zahnarzt, eine Technik erfindet, mit der Blattgold in und auf ZĂ€hne implementiert wurde. Durch die geringeren Kosten wurde das Verfahren auch einer grĂ¶ĂŸeren Reichweite an dental geplagten Patienten zugĂ€nglich.

1940: Auch der Goldzahn hat ein historisch dunkles Kapitel. Im Zuge des Holocaust kam es zum Raub sĂ€mtlicher WertgegenstĂ€nde von Juden durch die Nazis, die auch nicht davor zurĂŒckschreckten, GoldzĂ€hne zu ziehen und zu verkaufen. Dies war insbesondere grausige Praxis in Konzentrationslagern.

Eddie Plein

1980/90: Grills treten in den 80ern erstmals bei diversen Hip-Hop KĂŒnstlern auf. Besonders der New Yorker Eddie Plein –noch heute eine legendĂ€re KoryphĂ€e im Bereich der Kauleisten-Vergoldung, wird mit dem Aufkommen des Trends assoziiert. Er war es, der Flavor Flavs erste GoldaufsĂ€tze kreierte und spĂ€ter –inzwischen nach Atlanta umgesiedelt– noch kunstvollere Unikate fĂŒr Rapper Big Boi, Ludacris oder Lil Jon entwarf.

2005: Nelly veröffentlicht den Song „Grillz“ und katapultiert die Protz-Prothese endgĂŒltig in den Mainstream, indem sie seitdem fest verankert ist und somit auch zum Bestandteil der zeitgenössischen Popkultur geworden ist. Von Miley Cyrus ĂŒber Katy Perry zu Asap Rocky – Grillz sind (und bleiben vermutlich noch fĂŒr ein ziemliches Weilchen) in aller Munde, frei nach dem Motto: „Put your money where your mouth is!“.

Category: Trends

Tags: Grillz

Von: Fabian Alexander Stammen

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