Protestkultur: Die Selbstbefriedigung der Modebranche

Passend zum Start der New Yorker Fashion Week vor einer Woche, rief das Onlinemagazin BUSINESS OF FASHION aus London die Modebranche zum Tragen eines weißen Bandanas auf – als Zeichen des politischen Protests gegen Ausgrenzung.

Besucher von Fashion Shows sollen das Tuch um das Handgelenk tragen, es sich um den Hals binden oder an der Tasche befestigen. Streetstyle-Fotografen werden darum gebeten, die Tücher abzulichten, Models sollen diese zu den Shows tragen, Designer sie in ihre Kollektionen einbinden. Anschließend soll das Ganze auf Social Media verbreitet werden – am besten unter dem Hashtag #TiedTogether.

BUSINESS OF FASHION (BoF) schreibt dazu: „BoF invites you, the global fashion community, to join the #TiedTogether movement and make a clear statement in support of solidarity, human unity and inclusiveness.“ (BoF)

Die Modebranche nutzt eben die Mittel, die ihr gegeben sind. In diesem Fall also ein weißes Bandana, das unter anderem ja auch in der Homoszene als Hanky Code benutzt wurde, um sexuelle Vorlieben zu zeigen. Befestigte man das Tuch im Club an der linken Hosentasche, wollte man Sex. An der rechten Hosentasche bedeutete es eher, dass der Träger passiv ist. Doch nicht nur der Stelle wurde eine bestimmte Bedeutung zugeordnet, sondern auch den Farben. Und weiß bedeutet in diesem Fall: ich steh auf Masturbation.

Gesehen wurde das Bandana erstmals auf der TOMMY HILFIGER-Show Anfang vergangener Woche in Los Angeles. Gigi Hadid führte die Models über den Laufsteg, sie alle trugen das weiße Band um Hals und Arm. Dem Trend des stylischen politischen Aktivismus folgten außerdem CALVIN KLEIN, die ihren Einladungen zur Show ein weißes Bandana beifügten, als auch TAORAY WANG, die ihre Models mit den weißen Tüchern auf den Laufsteg schickte.

Nun hat also auch endlich die sonst so schön oberflächliche Modebranche ein stilistisches Mittel gefunden, Solidarität zu zeigen und ganz nebenbei politisch zu sein, ohne so richtig aktiv werden zu müssen.

Während die Tücher in der Homoszene ziemlich an Relevanz verloren haben, passt die Bedeutung aber doch nahezu perfekt zur von BoF inszenierten Solidarität der Fashion-Welt:

Mit einem weißen Tuch an Zusammenhalt und Einigkeit in der Branche zu appellieren, ist ja ganz schön, gleichzeitig aber auch nicht mehr als ein runterholen auf die eigene politische Haltung. Davon hat erstmal kein anderer was – aber man fühlt sich danach wahnsinnig entspannt. Man hat schließlich was getan.

Text: Angelika Watta

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Die Modenschau-Einladung von CALVIN KLEIN

Category: Fashion Shows

Von: Carl Jakob Haupt

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