Protest in Mode

Schneller als die Architektur oder die bildende Kunst reagiert die Mode auf das aktuelle Zeitgeschehen und Zeitgeist. Sie ist der Spiegel unserer Gesellschaft. Aktuell – in den SS 2014 & AW 2014 Kollektionen – wird dies besonders deutlich.

Seit dem ‘Arabischen Frühling`, der Dezember 2010 mit einer Revolution des tunesischen Volkes gegen die Obrigkeit begann, hat sich weltweit eine neue Protestkultur etabliert. Massenproteste folgten in Ägypten, Syrien und Bahrain. Schnell ergriff auch europäische Länder der neu entflammte Protestkult, darunter Spanien, Türkei oder, aktuell, die Ukraine.

Mit dem Protest geht immer auch eine Ästhetik einher. In den 60er Jahren, bei der Love & Peace Bewegung, die gegen Vietnam-Krieg und Atomkraft demonstrierte, trug man lange Haare, wild-wachsende Bärte, Schlaghosen, Blumen in den Haaren und Batik T-Shirts. Man wollte sich optisch von der Eltern-Generation abgrenzen. Das Peace Zeichen wurde zum Symbol ihres Protests. 

Heutzutage – wo Protest wieder in Mode ist – schickt die britische Designern Vivianne Westwood Models mit Barett und T-Shirts, auf denen das Konterfei von Bradley Manning gedruckt ist, auf den Catwalk.

Manning wurde als “Whistleblower” berühmt. Er spielte WikiLeaks “Videos des Beschusses und Todes von irakischer Zivilsten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuter durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber” zu. Für Modemacherin Westwood ist Manning ein Held. Sie wollte sein Schicksal durch ihre SS 2014 Kollektion in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. 

Während der Berlin Fashion Week inszenierten gleich zwei Designer – SOPOPULAR und MADS DINESEN –  ihre Fashion Show als Protestmarsch. Die Models trugen schwere Stiefel zu entschlossenem Blick, Fahnen in den Händen und Plakate mit handgemalten “X und “Fight the Fight” Slogans dienten als Hintergrundkulisse für ihre Modeaufführung.

Bei den SS 2014 Schauen während der London Collections: Men sah man bei dem gehypten Label KTZ eine klare Referenz zum “Arabischen Frühling”:

Zu arabischen Sounds präsentierte KTZ eine dem Kaftan (traditionell arabische Kleidung) ähnliche Silhouette. Die Models wurden – zum Teil – vermummt über den Catwalk geschickt. 

Vermummung spielt bei den Protesten, die friedlich begannen, sich vielerorts radikalisierten, eine wichtige Rolle, so auch in den aktuellen Kollektion der Modemacher. Neben KTZ vermummten auch NASIR MAZHAR, WALI MOHAMMED BARRECH, BIBI CHEMNITZ , ASGER JUEL LARSEN und BORIS BIDJAN SABERI ihre Models.

CRAIG GREEN ging noch einen Schritt weiter und verschmolz die 60er Jahre Love & Peace Bewegung (Batik) und die Ästehtik des neuen Protestkultes (Vermummung). Auch bei WOOD WOODs “Heroes” Kollektion griff man den weltweiten Protest auf, wenn auch nicht in Form von Vermummung.

Portraits rebellischer Helden wie 2Pac Shakur, Karen Blixen und Fausto Coppi wurden auf Oberteile gedruckt. “Wir reflektieren die Welt, in der wir leben”, so WOOD WOOD Designer Karl-Oskar Olsen, kurz nach seiner Show, über den Zusammenhang zwischen Protest und Prostestmode. 

 

1 Bild: Vivianne Westwood SS 2014, 2. Bild: KTZ SS 2014, 3. Bild: Mads Dinesen AW 2014, 4. Bild: Sopopular AW 2014, 5. Bild: Bibi Chemnitz AW 2014, 6. 6. Bild: Bibi Chemnitz AW 2014, 7. Bild: Boris Bidjan Saberi SS 2014, 8. Bild: Craig Green SS 2014, 9. Bild: Craig Green SS 2014, 10. Bild: Wali Mohammed Barrech AW 2014, 11. Bild: Nasir Mazhar SS 2014, 12. Bild: Nasir Mazhar SS 2014, 13. Bild: Nasir Mazhar SS 2014

Von: David Kurt Karl Roth

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