Portrait: Nicolas Berggruen

Mehr Dandy geht kaum. Nicolas Berggruen sammelt Kunst, ist Junggeselle, trägt Dreitagebart. Trotz oder gerade wegen einem Vermögen von rund 1,8 Milliarden Dollar verkaufte er schon vor Jahren seine Luxuswohnungen in New York, Los Angeles und London. Seither lebt er als Obdachloser in Hotels und seinem Flugzeug, einem Gulfstream IV.

Dem Tagesspiegel sagte er: „Ich brauche keinen festen Wohnsitz oder ein Haus mit meinem Namen vorne drauf. Ich bin glücklich mit einem Bett, Essen, Freunden und – einem Telefon.“ Berggruen meint damit natürlich sein geliebtes Blackberry, das er nicht aus den Augen lässt.

Nicolas Berggruen. Bild: Morgenpost.de


Okay, so richtig obdachlos ist er nicht. Allein mit dem Kauf der Warenhauskette Karstadt hat er sich 120 Häuser zugelegt. Berggruens Lebenswelt jedoch ist meilenweit von der Realität einer Karstadt-Filiale entfernt. Also will der Lebemann investieren. Neben den 70 Millionen Euro Kaufpreis wird er in den kommenden drei Jahren weitere 240 Millionen Euro in das Unternehmen pumpen. Alles natürlich ohne Fremdkapital, ganz so wie sich das für einen wahren Gentleman gehört.

Berggruen setzt bei der Sanierung von Karstadt auf Glamour – oder zumindest auf das, was Karstadt-Kunden unter Glamour verstehen. Er engagierte den französischen Designer Max Azria, dessen Entwürfe immer mal wieder auf roten Teppichen gesehen werden. Nicolas Berggruen, dieser 1961 in Paris geborene Kosmopolit, sagte dazu: „Mir geht es nicht nur um kommerziellen Erfolg, sondern immer auch um Ästhetik.“

Bei sich selbst fängt diese Ästhetik an. Zehn weiße Hemden und fünf blaue Anzüge besitze er, mehr nicht. Man will es ihm glauben – unbedingt. Trotz seiner Leidenschaft für Schokolade, die entweder als Tafel (Lindt) oder verarbeitet in einem Kuchen stets eine seiner zwei täglichen Mahlzeiten ausmacht, ist Berggruen topfit. Im New Yorker Central Park walkt er gerne mal eine Stunde, auch wenn er gegenüber dem Magazin Business Punk bedauert, dass die Zeit nicht reiche, um den gesamten Park zu umrunden.

Doch Berggruen wäre kein wahrer Dandy, wenn er nicht auch wild feiern würde: Seine Partys, die er seit dem Jahr 2000 jährlich zur Oscar-Verleihung gibt, sind die beliebtesten ganz Hollywoods. Gefeiert wird, so wie sich das gehört, im Chateau Marmont Hotel. Mehr Dandy geht kaum.

Berggruens Oscar-Party. Bild: famegame.com

Category: News

Tags: Dandy, Karstadt, Nicolas Berggruen

Von: Carl Jakob Haupt

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