Pipilotti Rist

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Wohin nächstes Wochenende? Kopenhagen, meine Freunde, hier ein paar triftige Gründe, welche für einen Trip nach København sprechen:

Knackige Pølser, die es in der Innenstadt auch als durchaus schmackhafte vegane Variante gibt, die schönen, intelligenten Menschen, denn in Kopenhagen gibt es tatsächlich nur schöne, intelligente Menschen. Der Flug kostet, wenn früh genug gebucht, nicht mehr als eine Taxifahrt von Neukölln nach Mitte und, ganz wichtig, die Kunst. In Kopenhagen und Umgebung gibt es immer sehenswerte Ausstellungen zu besuchen.

Im ARKEN Museum, Kunsthall Charlottenburg, der Nikolaj Kunsthall oder – einer der weltweit schönsten Museen: dem Louisana Museum of Modern Art. Es liegt, rund 45 Minuten (Bahn + Spaziergang) außerhalb von Kopenhagen, in einem alten Park, an der Küste der Nordseeland, mit Aussicht über den Sund bis nach Schweden.

Dort wird aktuell „OPEN MY GLADE“ – eine Ausstellung von Pipilotti Rist gezeigt. Es ist die erste, große Schau der Schweizer Video-Pionierin in Skandinavien. Unter Pseudonym – als `The Dog >> Ristorante’ erwähnt Rist im Vorwort des Katalogs zur Ausstellung, dass das Louisana von Knud W. Jensen, dem Gründer, als „shared apartment“ konzipiert wurde. Er wollte, so Rist, ein Museum mit einem häuslichen Feeling erschaffen. Betten, Uhren, Sofas, TV’s – häuslich geht es oftmals auch in den raumgreifenden Video-Installationen von Pipilotti Rist – zu, von denen ein wunderbarer Mix, Ein- und Mehrkanalvideos, Objektassamblagen und Installationen, im Louisana bis zum 23.06.2019 zu sehen ist.

Pipilotti Rist, die eigentlich Elisabeth Rist heißt, Spitzname ihrer Kindheit Lotti, lieh sich ihren Künstlernamen von Pippi Langstrumpf. Der sommersprossigen Heldin von Astrid Lindgrens Geschichten, die ebenso wie Rist, verspielt, schrill, aber auch deftig sein kann.

Berühmt wurde die 1962 im St. Galler Rheintal geborene Künstlerin durch „I’m not a Girl who misses much“.  Ein Video, welches sie 1986 veröffentlichte, in dem sie zur ersten Zeile eines Beatles Song ( „Happiness Is a Warm Gun„) technisch verfremdet, wie eine Puppe tanzt, unscharf, teilweise mit heraushängenden Brüsten, scheinbar vom Wahn ergriffen. Immer wilder, abstrakter, bis nur noch flimmernde Streifen zu sehen sind.

Rist steckt bis zu 100 Stunden Arbeit in eine Minute Kunst. Es lohnt sich auf einem Sitzkissen, Sofa oder Bett bequem zu machen und zu verweilen. Denn die Arbeiten sind – der Arbeitsaufwand lässt es erahnen – detailreich, stecken voller Poesie und eignen sich wunderbar, um ins Träumen zu geraten – raus aus dem Alltag, hinein in die wundersame Welt von Pipilotti Rist.

Dafür muss sie nicht an uns unbekannte, exotische Orte fahren. Besonders gut sind die Pipilotti Rist Arbeiten, in denen sie einen neuen, frischen Blick auf das Altbekannte wirft: ein Brot, das mit Erdbeer-Marmelade bestrichen wird, wird zum psychedelischen Meisterwerk. Ein Körper, Zentimeter für Zentimeter, mit der Kamera abgefahren, wirkt so surreal, dass man sich dabei ertappt, sich selbst zu hinterfragen: Handelt es sich überhaupt um einen Körper?

Ein kunstvolles Spiel mit der Perspektive. Für „4th Floor to Mildness“, eine vergleichsweise neue Arbeit, darf sich der Museumsbesucher auf Betten gemütlich machen. Oben an der Decke die Videoprojektion, welche 2016 in New York im „New Museum“ uraufgeführt wurde. Zu sehen: Unterwasser-Szenen aus dem Rhein: Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg durch die sich wild wuchernden Wasserpflanzen bahnen, Badende. Wir blicken von unten nach oben, die Kamera dreht sich, der Betrachter, auf dem Bett schlummernd, verliert sich inmitten von Seerosen und einem melancholischen Track von Soap & Skin.

Musik spielt im Werk der Künstlerin eine wichtige Rolle. In „Sip my Ocean“ – einer ihrer Klassiker – bedient sie sich bei Chris Isaacs melancholischen Pop-Song „Wicked Game“ und stimmt mit schreiend, flehender Stimme ein: „I don’t want to fall in love“. Viele ihrer Arbeiten spielen mit der MTV-Musikvideo-Ästhetik.

Doch auch die Popkultur bedient sich bei Rist. Superstar Beyoncé kopierte die Schweizer Künstlerin in ihrem Musikvideo „Hold up“, in dem sie mit einer Baseballkeule die Scheiben von Autos zertrümmerte. Das grandiose Original gibt es im Louisana zu sehen: „EVER IS OVER ALL“ – Pipilotti, im hellblauen, im Wind flatternden Kleid.

 

Category: #dandydiaryspace

Tags: Louisana, Pipilotti Rist

Von: David Kurt Karl Roth

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