Party People: Flo Hettenbach & Nico Adomako, Einhundert

Weil wir nicht die Einzigen sind, die in Berlin hin und wieder große, gute oder sonst irgendwie tolle Parties veranstalten, rückt diese kleine Serie Menschen in den Mittelpunkt, die, ausgehend vom Kern des Nachtlebens, der Musik, das Medium „Party“ weiterdenken, voranbringen und Neues ausprobieren – auf höchstem Niveau. Noch dazu haben sie alle über den Kater am nächsten Morgen hinaus etwas zu bieten und zu sagen. Wirklich kennen tut sie trotzdem kaum jemand. Zu Unrecht, wie wir finden.

Flo Hettenbach und Nico Adomako machen unter dem Namen Einhundert ziemlich Vieles, vor allem aber Parties. Dafür buchen sie Post Malone oder Stormzy, verlangen aus wirtschaftlicher Sicht schmerzhaft wenig Eintritt und wechseln jedes Mal die Location. Weil das ja nun mindestens interessant klingt, habe ich mich Nico und Flo getroffen – in einem Café in Neukölln, in dem die vollkommen absurde Mischung aus französischen Gebäckspezialitäten und japanischen Schreibwaren unter die Leute gebracht werden soll. Nun, darum soll es hier nicht gehen, ein Glück.

 

Eine Partyreihe entsteht nichtmal eben so. Wie kam es zu Einhundert? 

Wir hatten schon länger die Idee einer Partyreihe in kleinen Off-Locations, in denen sich jeder wohlfühlen und alle, die Bock haben, reinkommen – eben nicht nur die Mitte-Coolkids. Die Leute vom Melt! haben von der Idee mitbekommen und fanden das gut. Mittlerweile unterstützen sie uns beim Booking. Das einzige Problem, was wir noch hatten waren die Kosten, die man nunmal hat, wenn man eine Party veranstaltet. Jetzt haben wir mit Adidas einen Partner, der uns viel Druck nimmt und uns ermöglicht, coole Sachen zu machen, was ja wiederum für den Partner gut ist.

Bei eurer letzten Party war der Eintritt frei, bei den vorherigen Veranstaltungen war er im Verhältnis zum Line Up verschwindend gering. Sind eure Veranstaltungen und das hochkarätige Booking nicht von Wert? 

Generell ist eine Party natürlich von Wert. Das Absurde ist ja, dass sowas für das Publikum automatisch an Wert verliert, sobald es nichts mehr kostet. Die ursprüngliche Idee war eben, Einhundert für die Community zu machen und dementsprechend auch keinen Eintritt zu verlangen. Die Kosten sind aber so hoch, dass wir gar nicht anders konnten, zumindest bei den ersten zwei Veranstaltungen nicht. Wir sehen die Parties nicht als Produkt, was verkauft werden muss. Wir verkaufen auch das Merchandise nicht. Wenn man das haben möchte, muss man uns fragen. Die Community steht über wirtschaftlichen Aspekten.

Ihr arbeitet für eure Parties mit Adidas zusammen. Hat das neben dem finanziellen Aspekt auch eine Auswirkung auf eure Außenwahrnehmung? 

Wir profitieren definitiv von der Zusammenarbeit. Besonders im Ausland hat die Zusammenarbeit eine enorme Strahlkraft. Und Adidas ist sehr offen, was unsere Vorschläge angeht. Darüber hinaus kommen von deren Seite auch Input und Ideen. Das funktioniert alles sehr gut. Der einzige Nachteil sind Künstler, die wir gerne buchen wollen, die aber schon mit anderen Marken zusammenarbeiten oder zumindest mit ihnen assoziiert werden. Das ist manchmal sehr schade.

Wer kommt zu euren Parties und warum? 

Das Publikum ist mittlerweile ziemlich gemischt. Bei der ersten Party waren natürlich viele von unseren Freunden und Fans des Künstlers da. Das hat sich aber geändert: Bei unserer letzten Veranstaltung waren viele verschiedene Gruppen da, die wir nicht kannten und teilweise davor noch nie gesehen hatten. Unter den Leuten sind viele stylische Kids, von denen auffallend viele Adidas tragen – anscheinend extra für unsere Parties. Das ist fast so ein Gang-Gefühl.

Zu jeder Party von euch gibt es ein komplett neues Logo und neue Artworks. Warum ist euch der grafische Aspekt so wichtig? 

Wir legen uns ungern auf ein Logo oder Erscheinungsbild fest. Viele Parties ändern auf ihren Flyern einfach nur das Datum und das Line Up, das ist auf Dauer sehr langweilig. Wir wollen uns selbst unterhalten und immer wieder Neues kreieren. Abgesehen davon ist uns wichtig, dass jeder Teil von Einhundert für sich stehen kann: Die DJ’s und Künstler, die bei uns spielen, unsere Radioshow, die Klamotten, aber eben auch die Artworks. Auch ohne einen bekannten Act auf dem Flyer soll man sagen: Ey, das ist cool. Abgesehen davon können wir mit bestimmten Grafiken natürlich einen Vibe für die Party vorgeben.

Neben den Parties macht ihr eine Radioshow, DJ-Mixes und T-Shirts. Wie wichtig ist all das für Einhundert und eure Veranstaltungen? 

Der Ansatz ist weniger, von der Party ausgehend andere Sachen zu machen. Es ist nicht eine Party, die zu etwas Anderem wird, sondern die Party ist ein Teil des Ganzen. Wir haben die Möglichkeiten und kennen die richtigen Leute, um eine Radioshow, T-Shirts und bald auch ein kleines Zine machen zu können und haben einfach Bock drauf. Dass das Alles unter dem Namen Einhundert stattfindet, hat weniger mit der Promotion der Parties sondern vielmehr damit zu tun, dass wir so einfach machen können, worauf wir Lust haben. Außerdem ist das langfristige Ziel, den Namen “Einhundert” durch all das so präsent und stark zu machen, dass wir bei den Parties das Line Up nicht mehr ankündigen müssen und die Leute trotzdem kommen.

Es gab sicher prägende, motivierende Momente bei euren Parties. 

Klar. Unser persönliches Highlight war, als Stormzy nach seinem Auftritt aus dem Backstage kam, ein Einhundert-Shirt getragen hat und bis zum Schluss geblieben ist. Das spricht schonmal für sich. Außerdem ist es einfach sehr schön, wie sehr wir unterstützt werden von Grafikern, Fotografen und Adidas oder eben Medien wie Beinghunted und i-D.

Verändert sich die Partylandschaft in Berlin derzeit? 

Ja, sehr, und zwar in eine richtig gute Richtung. Es macht wieder Spaß, in Berlin wegzugehen. Das liegt zum einen daran, dass alles wesentlich entspannter geworden ist. Auf den Parties hat einer seine Birkenstocks an, der nächste trägt limitierte Sneaker und der dritte kommt Barfuss und das ist völlig in Ordnung so. Auch die großen Gästelisten-Coolness-Filme sind so langsam durch. Schaut man sich außerdem Bass Gang, Trade, WeBoogie und Live From Earth an, dann merkt man, dass das ganzen Drum Herum und besonders der visuelle Teil mittlerweile unfassbar gut und wichtig geworden sind. Gerade bei diesen Veranstaltern ist der Umgang untereinander sehr entspannt und wertschätzend. Und es ist schön, dass nicht mehr alles so aussehen und klingen muss, als käme es aus Amerika. Jeder ist sich seiner Herkunft bewusst und dabei frei von Deutschtümelei. Deshalb passieren jetzt neue, ungezwungene und authentische Dinge.

Category: Special

Tags: Einhundert, Party People

Von: David Jenal

Instagram