Over and Out: Bandshirts

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Fashion bedeutet heute nicht mehr langwierig designte Teile, komplizierte Hemden und schnörkelige Blusen zu tragen. Die immense Wichtigkeit des Trends „Streetwear“ hat den Fokus auf das Handwerk des Designs verdrĂ€ngt und Logos auf Shirts, Merch – den „casual“ Look begĂŒnstigt. Streetstyle-Fotografen laufen schon lange keinem Jil-Sander Rock, sondern doch viel lieber den 032C-Socken und SUPREME-Shirts hinterher.

Plötzlich, so scheint es, wird auch wieder Platz geschaffen fĂŒr die „Habe ich bei Papa im Schrank gefunden“-Ästhetik. Es geht um das Band-Shirt – ein weiteres ermĂŒdendes Revival der vermeintlich wilden 80er-Ästhetik.

Die Diskussion um das Tragen und Nicht-Tragen des Shirts mit dem Bandlogo darauf, wurde vor einigen Monaten von Ramsch-Kette H&M und Hipster-Teen-Label Urban Outfitters angeheizt. Der Metallica-Totenkopf und der „The Number of the Beast“ Slogan von Iron Maiden kamen in Form von bedruckten Billo-Shirts massenhaft in die LĂ€den.

 

Besonders die Heavy-Metal Szene fĂŒhlte sich damals ihrer IdentitĂ€t beraubt und weinte in der hasserfĂŒllten Kommentarsektion von „Impericon“-BeitrĂ€gen auf Facebook, die gegen das schwedische Label und den Mainstream hetzten.

WĂ€hrend das Shirt einer Band einmal bedeutete, dass man gezwungenermaßen auch auf dem Konzert gewesen sein muss, sind die schwarzen Shirts mit den Band-Graphiken mittlerweile ĂŒberall erhĂ€ltlich. Jeder kann sie haben. Die stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit eben dieser Dinge hat die Entstehung und Aufrechterhaltung von klassischen Subkulturen fast unmöglich gemacht, ihnen ihre ExklusivitĂ€t genommen. Via ASOS und ZALANDO kann ja heute jeder Punk sein. Niemand fragt: Wo hast du denn das Guns ‘n Roses-Shirt her?

Plötzlich sah man 14-JĂ€hrige an Bushaltestellen sitzen – den Java Chip Chocolate Cream von Starbucks in der linken, das Kopfhörer-Gewirr mit iPhone in der rechten Hand haltend. Obenrum das graue, lange Top mit den weiten Seiten-Ausschnitten und der roten „Iron-Maiden“-Aufschrift darauf.

Dabei finden sich auf ihrer Spotify-Playlist „Faves“ ja doch nur Cro, Mark Forster und Dat Adam wieder. LĂ€sst sich an dieser Stelle eigentlich schon der böse Begriff „Cultural Appropriation“ anbringen?

Zuletzt hat sich dieser „Trend“ auch vermehrt in der Modebranche wiedergefunden. Models und Influencer Girls & Boys „off duty“ kombinieren das Vintage-Slayer-Shirt mit roten Lackboots und Bauchtausche um die Brust gehangen und tragen diesen Look auch ganz gern in der Front-Row von Fashion-Shows. (Chiara Ferragni: ACDC,Cara Delevigne: KISS, Nirvana, Guns ‘n Roses, Justin Bieber: Blink 182 …)

 

Dabei haben wir doch schon vor Ewigkeiten Abschied von der gĂ€ngigen Tumblr-Ästhetik genommen (Möglichst lange, in den Nacken geworfene Haare, möglichst „young, wild and free“ aussehend, die Ästhetik der 90er-Jahre verherrlichend). Ihr könnt also aufhören Papas Kleiderschrank zu durchkĂ€mmen und euch durch Second-Hand-Shops auf der Suche nach 15€-Shirts zu wĂŒhlen, um diese dann getreu dem “Selfmade-Look”, die Ärmel abzuschneiden.

NatĂŒrlich werden Band-Shirts immer Mal wieder auch cool sein. Wegwerfen mĂŒsst ihr sie also nicht. Zurzeit können wir jedoch nur empfehlen sie tief, ganz unten und tief im Schrank einzulagern, um sie möglichst in den nĂ€chsten zehn Jahren nicht mehr auch nur anzufassen.

Achja. Morgen launcht die sogenannte “Metallica-Kollektion”, fĂŒr die Mode-Proll und Ex Brioni-Designer Justin O’Shea exklusiv fĂŒr Selfridge Beanies und Sweatshirts designt hat. Was die ganze Sache natĂŒrlich auch nicht gerade besser macht.

Category: Special

Tags: Bandshirt, Guns 'n Roses, H&M, Heavy Metal, nirvana, UO

Von: Angelika Watta

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