Nightlife Guide Paris

Vergangene Woche war ich mal wieder für ein paar Tage in Paris. Natürlich wollte ich nicht nur in den Boutiquen von St. Paul oder in den Cafés von Montmartre rumhängen, sondern mir auch die angesagtesten Clubs der Stadt anschauen. Doch schnell stellte sich raus: die kenn’ ich ja schon alle. Selbst dort ansässige Pariser waren verblüfft von meinem detailreichen Wissen.

Der Autor im Pariser “Social Club”, 5 Uhr. Bild: Michelle Malter.

Meine Passion für das Nachtleben hatte mich scheinbar auf meinen bisherigen Besuchen in der französischen Hauptstadt in sämtliche Clubs geführt. Jetzt ist es an der Zeit, dieses mühsam ertantzte Wissen zu teilen. Hier ist er, der ultimative Nightlife Guide Paris:

Le Baron

6 Avenue Marceau (die führt vom Arc de triomphe runter zur Seine)

Das “Le Baron” gilt seit sechs Jahren als einer der angesagtesten Läden der Stadt. Meist wird eingängiger Elektro-Sound gespielt, häufiger treten auch Bands auf – einmal war ich dort sogar bizarrerweise auf einer Beach Party. Das Interieur wurde vom Vorbesitzer übernommen: Rotlicht und Samtmöbel. Das “Le Baron” war früher ein Puff für etwas betuchtere Kunden, jetzt werden dort wilde, vom Exzess geleitete Partys gefeiert – und immer wieder Promis gesichtet. Der Club ist von Donnerstags bis Sonntags meist brechend voll, die Tür relativ hart. Wer rein will, sollte entweder ziemlich früh da sein, wahnsinnig gut aussehen oder ein internationaler Star sein. Eigentlich ganz easy, oder!?

www.clublebaron.com

Cha Cha

47 Rue Berger (beim Louvre um die Ecke)

Im “Cha Cha” feierte Henrik Vibskov vor einem Jahr seine After Show Party. Das Restaurant mit dem angrenzenden Club war dafür eigentlich viel zu klein – weshalb einige Gäste zum ungestörten Sex ins eigentlich gesperrte Restaurant gingen. Wegen der geringen Größe, vor allem des Dancefloors, wird aber einfach überall getantzt. Musikalisch wird langweiliger Mainstream-Dance-Scheiß gespielt, aber das macht gar nichts. Denn wirklich interessant ist das “Cha Cha” vor allem draußen. Dort sitzen die Gäste auf Bänken, Bordsteinen und dem Boden, trinken, reden und fahren Motorroller – und sind dabei so französisch, wie man sich das schon immer vorgestellt hat.

www.chachaclub.fr

Im “Cha Cha”, vor den Toiletten. Bild: Carl Jakob Haupt

1979

49 Rue Berger (direkt neben dem Cha Cha)

Das “1979” ist sozusagen der Ausweichladen, wenn man im Cha Cha vor Angreifern, Frauen oder schlechter Musik flüchten muss. Auch hier ist der Club an ein Restaurant angeschlossen. Geht man die Treppen runter, kommt man in einen Gewölbe-artigen Raum, mit vielen kleinen Sitzecken, in denen es sich die Pariser Rich Kids gemütlich machen. Nett wie sie sind, laden sie aber gerne auf diverse Drinks ein. Getantzt wird zu Musik, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Das 1979 ist ein guter Club.

www.milleneufcentsoixantedixneuf.fr

Le Tigre

5 Rue Molière (kleine Seitenstraße von der Avenue de l’Opéra)

Eine schwarze Eingangstür, mit roten Kordeln abgehängt und von einem nordafrikanischen Security-Mann bewacht, versperrt erstmal den Einlass in diesen Indie-Rock-Club. Englisch spricht der Mann an der Tür leider nicht. Dafür aber der Barmann, der einen im besten Fall schnell rein winkt.

Wer drin ist, wird von rotem Licht, roten Sesseln und einem ziemlich kleinen aber sehr ansehnlichen Club überrascht. Musikalisch wird hier eher langweiliger, immer aber mitgröhl- und vor allem tanzbarer Gitarrenrock von den Strokes über Oasis bis hin diversen skandinavischen Bands gespielt. Die Drinks sind zwar klein, aber für Pariser Verhältnisse mit 10 Euro für einen Longdrink recht günstig. Wenn echte Rockbands, also die, die nicht nur solche Musik spielen, sondern auch hören, in Paris sind, kommen sie ins “Le Tigre”.

www.tigrebylalternative.fr

“Le Tigre”, immer wieder samt und rot. Bild: Carl Jakob Haupt

Le Montana

28 Rue Saint-Benoit (unmittelbar neben dem berühmten Intellektuellen-Café “Café de Flore” in St. Germain)

Oliver Zahm, omnipotenter Chef vom Purple Magazine, und sein Kumpel André Saraiva, eine Graffiti- und Nachtlebenkoriphäe in Paris, haben diesen Club in St. Germain gegründet. Das “Le Montana” ist einer der kleinsten und vor allem einer der aller-angesagtesten Läden in ganz Paris, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt. Internationale Top-Models gehen hier ein und aus, und eigentlich immer, wenn wichtige Personen aus der Modeszene in Paris sind, kommen sie hier her. Der obere Teil des Club besteht eigentlich nur aus einer dunklen Bar, ein paar mittlerweile zerfetzten Sitzgelegenheiten und zwei Kellnern. Im Keller befindet sich die Tanzfläche – umrahmt von hunderten Spiegelbruchstücken, einigen Totenköpfen und Pflanzenbildern an der Wand. Klingt alles schlimmer als es ist. Der Club wurde von Designer Vincent Darré gestaltet und ist recht schön.

Ab etwa 2 Uhr Nachts ist im “Le Montana” die Hölle los. Die Gäste tanzen auf Tischen und Sofas, versprühen den Geist des legendären New Yorker “Studio 54” und vergessen für einen Moment ihr Prominenz. Auf dem Klo drängeln sich die schlanken Mädchen mit den kurzen Röcken darum, wer als erster koksen darf. Manche kotzen auch einfach nur.

Wer keine Probleme an der Tür, also beim Einlass, haben will, sollte früh kommen, blendend aussehen – und möglichst mindestens tausend Euro dabei haben. Die Drinks im “Le Montana” sind nämlich leider verflucht teuer: ein Glas des günstigsten Weißweins kostet 15 Euro. Das aber ist es wert, alles.

Chez Raspoutine

58 Rue de Bassano (beim Louis Vuitton Store auf der Avenue des Champs-Élysées um die Ecke)

Das “Raspoutine” ist ein ehemaliger Nachtclub der Russenmafia. Heute finden sich in dem edlen und relativ großen Kellerclub immer noch einige Russen, aber auch viele Franzosen. Ein Klima der Angst herrscht zum Glück nicht mehr – außer vielleicht vor der Tür. Man sollte den Selekteur kennen, mit vielen, vielen hübschen Mädchen kommen oder einen Tisch mit Mindestumsatz von 2.000 Euro reserviert haben, um problemlos in den Club gelassen zu werden.

Bis 1 Uhr wird dort eine Burlesque-Show geboten, die von den vielen dunklen Tischen aus angeschaut wird. Erst später wird die Bühne der Tänzerin flink ab- und der Platz zum Dancefloor umgebaut.Es wird getantzt. Die Männer tragen Hemd, Anzug, schwere Aftershaves und viel Geld mit sich herum. Die Frauen versuchen in kurzen schwarzen Kleidern und mit gemachten Brüsten aufzufallen. Diverse riesige Vodka-Flaschen stehen auf jedem Tisch. Es gibt niemanden, der keine hat. Am Ende des Abends, wenn der Vodka leer ist, finden die Männer mit dem Geld und die Frauen mit den Brüsten zusammen. Viel hat sich eigentlich nicht geändert, seit der Mafia-Zeit.

“Raspoutine”, der Dancefloor. Bild: Carl Jakob Haupt

Social Club

142 Rue Montmartre (mitten in der City)

Der “Social Club” ist musikalisch definitiv der beste Club in ganz Paris. Hier wird zeitgemäßer Technosound gespielt, mal minimal, mal maximal. Das Publikum ist sehr jung und sieht weniger nach Paris chic, als vielmehr nach Hamburg und Berlin aus. Es wird also T-Shirt getragen, hin und wieder aber auch ein avantgardistischeres Outfit – man denke an London.

Die Anlage im Club ist wirklich gut, das DJ-Pult ragt wie ein leuchtendes Schiff ins Publikum. Entworfen wurde das vom Architektenkollektiv EXYZT. Darf man gut finden. Auch die Getränkepreise sind mit 10 Euro für einen Gin Tonic eher deutsch, als paris-üblich. Wer den affengeilen “Baalsaal” in Hamburg kennt und liebt, wird auch im “Social Club” seine Freude haben. Hier wird bis früh am Morgen getantzt und gefeiert und getrunken und – na klar – geravet.

www.parissocialclub.com

Der “Social Club” und das Lichtschiff der DJs. Bild: Carl Jakob Haupt

Fünf generelle Beobachtungen im Pariser Nachtleben:

1. Niemals vor 2 Uhr in einen Club gehen.

2. Vorher, des Geldes wegen, Weißwein in Bars und Cafés trinken.

3. 99 Prozent aller Männer tragen Hemden und sind mindestens Milliardäre.

4. Ein schönes Mädchen (besser zwei, noch besser drei) im Arm garantiert schnellen Einlass.

5. Der Musikgeschmack der Franzosen ist im Jahr 2000 stehen geblieben.

To Do-Liste für den nächsten Paris-Besuch:

1. Rex Club

2. Man Ray Club

3. Schuhe putzen

4. Milliardär werden

5. länger bleiben

Category: News

Tags: andre, eiffelturm, guide, le baron, nightlife, Olivier Zahm, Paris, raspoutine, social club

Von: Carl Jakob Haupt

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