Moralkeule DIET PRADA

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Über kein Modemedium wurde im letzten Jahr mehr berichtet als über DIET PRADA – ein Instagram-Account – der weltweit als „Fashion Police“ gefeiert wird. 2014 veröffentlichte DIET PRADA den ersten Instagram-Post: Ein Foto eines Mantels der DIOR Pre-Fall 2015 Kollektion – entworfen von Raf Simons – direkt daneben – ein Design der Prada Fall / Winter 2014 Kollektion.

Der Vorwurf: Raf Simons hat kopiert! Lange Zeit agierten die Macher von DIET PRADA anonym, über 4 Jahre lang, bis Fashion Law in einem Artikel die Macher des Instagram-Accounts öffentlich machte. Tony Liu, der ‚Bildende Kunst‘ in Chicago studierte und in New York ein Menswear-Label (YOU AS) gründete und seine Freundin Lindsey Schuyler. Mit jedem ihrer Instagram Posts, in denen es meist darum geht, dass Designer X von Designer XY kopiert hat, stieg ihre Popularität, heute: 1,2 Millionen.

Sie warfen Anthony Vaccarello vor, dass er Isabel Marant Boots kopierte, sahen eine verdächtige Parallele der Rihanna x Fenty Puma Kollektion und den Entwürfen von Christopher Kane, einem britischen Designer. Befeuerten den Dolce & Gabbana China-Chopstick-Shitstorm. Und mischten auch beim GUCCI Blackface-Skandal kräftig mit. Ihr Erfolgskonzept: Sie geben die „Ritter der Übermoral“. Was skeptisch macht.

Sie arbeiten geschickt mit Humor und Sarkasmus, das sei ihnen zu gut erhalten, doch die Basis ihres Erfolgs ist die öffentliche Anschuldigung. Sie inszenieren sich als Rebell – als unabhängige Stimme der kleinen Brands – doch, auch das ist die Wahrheit:

Sie forcieren eine aktuell immer beliebter werdende Kultur: den moralischen Fingerzeig. Und egal, um was es geht, Rauchen, Trinken, Essen, Geschlechterrollen, Rassismus oder eben die Mode, derjenige, der den Vorwurf erhebt, der schwingt sich unweigerlich  zur moralischen Instanz auf. Eine nicht wirklich sympathische Rolle – die, dessen sind wir uns bewusst auch derjenige einnimmt, der den Moralprediger für seine alltäglichen Belehrungen kritisiert (doch in diesem Fall geht es nunmal nicht anders).  Je größer DIET PRADA wird desto mehr Informationen werden ihnen von Branchen-Insidern zugespielt. Der Denunziant wird durch Veröffentlichungen belohnt – ein fragwürdiges System.

Moral ist ein wertvolles Gut. Wörter wie „Nazi“ oder „Rassist“ verlieren ihre Bedeutung, wenn sie ohne Maß und ohne echte, nicht zu widerlegende Begründung, eingesetzt werden – ebenso ist es in der Mode. Die Moralkeule gehört zum wichtigsten, alltäglichen Tool von DIET PRADA, was unumgänglich zur Maßlosigkeit führt.

Es ist auch eine Frage der Verantwortung: Als DIET PRADA Screenshots von mutmaßlichen Chats von Gosha Rubchinskiy und einem 16-jährigen Fan veröffentlichen, gingen sie, so unsere Meinung, einen Schritt zu weit. Rubchinskiy – wegen einem Chat, der aus dem Kontext gerissen wurde, vor aller Welt als Päderast gebrandmarkt.

Weltweit berichteten Medien über DIET PRADA und Rubchinskiy – den „Perversen“. Der Social Media Mob fiel über den russischen Designer her. Der Nutznießer: DIET PRADA.

Ein moralisch fragwürdiger Sieg.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Diet Prada

Von: David Kurt Karl Roth

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