Moncler entschuldigt sich für rassistisches Design – zumindest so halb

Nachdem Moncler T-Shirts und Jacken mit einem stark an die mittlerweile ausgerotteten Golliwog-Puppen erinnernden Design präsentiert hat, gibt es jetzt eine halbherzige Entschuldigung des Labels.

Dass ein angedeutetes Smiley-Gesicht mit vollen Lippen auf schwarzem Grund nicht allzu gut ankommen würde, darüber hätte man sich auch vor der Veröffentlichung im Klaren sein können. War man sich bei Moncler aber nicht, und so erntete das Schulhof-Proll-Label in den letzten Tagen jede Menge Kritik. Der Vorwurf: Das abgedruckte Gesicht erinnere an die Golliwog-Figuren, die die britische Kinderbuchautorin Florence Upton Ende des 19. Jahrhunderts erstmals in ihren Büchern auftauchen ließ und die es seit den 80ern aufgrund wachsender Sensibilisierung in Sachen Rassismus eigentlich nicht mehr gibt.

Natürlich geht von einem solchen Entwurf die Welt nicht unter, es gibt in diesen Tagen wahrlich Bewegenderes. Nichtsdestotrotz muss Modelabels gerade jetzt viel daran gelegen sein, hochsensibel und überlegt mit politischen und gesellschaftlichen Themen umzugehen. Eine Rolle spielen tun die in der Mode nämlich noch immer (zu) selten, und wenn doch, dann meist ungewollt, so wie jetzt bei Moncler.

Wesentlich peinlicher als das Design selbst ist in diesem Fall aber die Entschuldigung, die Moncler vor zwei Tagen via Twitter verbreitet hat. Darin heißt es, das Gesicht solle mitnichten an rassistische Karikaturen erinnern, sondern vielmehr das eines von einem Künstler-Duo gezeichneten Pinguin namens “Malfi” sein, dessen Botschaft in erster Linie die globale Freundschaft wäre. Wie zum Beweis ist der Pinguin dümmlich grinsend neben dem Text abgebildet.

Das scheint ob der aktuellen Geschehnisse in der Welt nicht nur makaber, sondern ganz davon abgesehen auch reichlich kindisch und wenig professionell. Mag sein, dass es das Gesicht dieses dämlichen Pinguins ist – daran, wie die Kunden das Design wahrnehmen, ändert das reichlich wenig.

Das T-Shirt und die Aufregung darüber zeigen gleich zwei Dinge sehr deutlich. Zum Einen eine mittlerweile häufig gesehene, unverhältnismäßige Empörung über vermeintlichen oder wahrhaftigen Rassismuss, die manchmal kurz davor ist, ins Lächerliche abzudriften und sich und ihr eigentliches Anliegen so selbst zu schwächen. Und zum Anderen die sichtliche Überforderung von Marken, angemessen auf die sich verändernde Gesellschaft zu reagieren und sich ernsthaft mit dem Weltgeschehen auseinanderzusetzen. Das ist natürlich nicht die oberste Aufgabe von Modelabels – etwas mehr Fingerspitzengefühl wäre aber in jedem Fall wünschenswert.

Hier gibt es die Entschuldigung von Moncler inklusive Pinguin Malfi gleich zweimal im Wortlaut.

Category: News

Tags: Golliwog, Moncler

Von: David Jenal

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