„Modebilder“ von Diana Weis

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Kaum jemand hierzulande analysiert modegesellschaftliche Phänomene so klug wie Diana Weis.

In „Modebilder“, ihrem neuen Buch, setzt sich die Kulturwissenschaftlerin mit Modebloggern und Influencer auseinander und fragt sich, ob die Mode durch ihren Aufstieg tatsächlich demokratischer geworden ist? Diana Weis untersucht welche Rolle die Mode als Basis individueller Selbststilisierung in den Sozialen Netzwerken spielt. Sorgen neue Modebilder für neue Menschen?

Im Kapitel „Children of the Revolution“ geht es auch um unser Video „Influencers of the 21st Century“ – eine Arbeit, in der wir das Konzept des Fotografen Hans Eijkelboom auf die Online-Welt übertragen haben. Der niederländische Fotograf ist bekannt für seine Serien, in denen er Individuen – aufgrund ihrer Kleidung – Gruppen zu ordnet. „Im August 2017 veröffentliche der Modeblog Dandy Diary ein Video mit dem Titel „Influencers of the 21st Century“. Darin wird die Ähnlichkeit der Selbstinszenierungen von Millennials auf Instagram angeprangert: Am Flughafen mit Koffer posen, Frühstück im Bett, Kussmund, mit BFFs, auf Coachella Festival, aufblasbares Spielzeug im Swimmingpool reiten, Avocado-Brot essen etc.“

„In bereits bekannter Manier wird den sich selbst so Abbildenden wiederum die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln abgesprochen. Deren Gestaltungsansätze werden weder als schöpferisch noch als Ausdruck von etwas in ihnen Liegendem begriffen, sondern als Ausformungen eines „Automatismus des Selbstzwanges“, sich bewusst oder unbewusst den komplexer werdenden gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. An die Stelle des Künstlers der Motive auswählt und zusammenstellt, tritt die Logik des Mediums Instagram selbst, das Gleichförmigkeit in einer selbstreferentiellen Endlosschleife reproduziert. Das Versprechen der Massenkultur, jedem Menschen zu einem eigenen Selbst zu verhelfen, „das Recht und die Möglichkeit der Verwirklichung eines besonderen Selbst“, wird damit als gescheitert beurteilt.“

Eine zusätzliche, ironische Bedeutungsebene stellte der Soundtrack des Videos dar: Der Glamrock-Klassiker „Children of the Revolution“ von TRex aus dem Jahr 1972. Die jungen Modeblogger bestätigen auf diese Weise ein weiteren kulturkonservativen Konsens, dem zufolge Streetstyle zu einem in der näheren Vergangenheit liegenden Zeitpunkt tatsächlich ein revolutionäres Potenzial besaß, das er nun aber nicht mehr hat.“

„Modebilder“ gibt es hier für 10 Euro zu bestellen. Der Kauf lohnt sich allein für diesen Absatz: „Diet Prada hat für die Modebranche eine neuen Kultur der Denunziation geprägt. Das Paar Lindsey Schuyler und Tony Liu, die hinter dem Account stecken, fahnden in Bildarchiven akribisch nach den Inspirationsquellen aktueller Entwürfe und stellen diese in ihren Postings einander gegenüber, häufig mit herablassenden Kommentaren versehen. Bereits in dem von ihnen gewählten Namen klingt an, dass sie das kopieren vergangener Stile als faden Qualitätsverlust ansehen: wie Prada, nur weniger gehaltvoll. Analog zur „Appropriation Art“ konnte sich in der Mode noch kein Verständnis dafür durchsetzen, dass in Techniken des Zitierens, das Pastiches, der Paraphrase oder des Re-Makes „ebenso viel unvorhersehbare Originalität liegt wie im Erfinden“.

Man muss sie für diese Zeilen einfach lieben.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Modebilder

Von: David Kurt Karl Roth

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