Mode von der Insel: Die Gewinner des diesjährigen British Fashion Awards (BFA)

Vor genau einer Woche wurden im Coliseum in London die British Fashion Awards (BFA) vergeben.

Gewinner des Abends war definitiv J.W. Anderson, der die Preise in den Kategorien Womens- und Menswear Designer abräumte. 

Anderson verwischt die Grenzen zwischen Männer-und Frauenmode und folgt beim Entwerfen seiner Kollektionen dem Prinzip der „Shared Wardrobe“, also einer Unisex-Garderobe.

Dabei geht es ihm weniger um das Aufgreifen der aktuell in der Mode so präsenten Gender-Debatte, sondern viel mehr um das Herauszustellen der Ähnlichkeit von Mann und Frau. Und so laufen bei Anderson Männer in Kleidern und Röcken über den Laufsteg, Frauen tragen kastig geschnittene Mäntel und T-Shirts.

Nachdem 2008 Andersons’ erste Kollektion erschien, avancierte der Ire schnell zum Liebling der Kritiker, die von Anfang an von seinen androgynen Entwürfen angetan waren. Anderson arbeitet seit 2013 nicht nur für sein eigenes Label, sondern auch für LOEWE. Für das spanische Traditionshaus hat auch schon “Monsieur Karl” vor vielen Jahren entworfen. Daher eine gute Adresse für Luxus.

LOEWE galt, bevor Anderson kam, als eingestaubt, bekannt ausschließlich durch deren hochqualitative Handtaschen. Die Tochter des LVMH-Boss holte J.W. Anderson höchstpersönlich zu LOEWE.

Seitdem verbringt J.W. drei bis vier Tage der Woche in Paris, haucht dort dem Label frischen Wind ein und setzt dort seine Vision von Unisex-Mode zwar in abgeschwächter Form, aber nicht weniger intelligent um.

Der Preis des Newcomers in der Kategorie Mens ging an Grace Wales Bonner, die 2014 ihren Abschluss am ehrwürdigen Central Saint Martins College in London gemacht hat und ihr Debüt mit ihrer AW15 Kollektion „Ebonics“ auf der London Collections: Men feierte.

Die Kollektionen reflektieren die Sexualität und Identität dunkelhäutiger Männer und beziehen sich dabei auch auf historische Quellen und Literatur. Der Einfluss Afrikas ist in allen bisher erschienen Kollektionen deutlich sichtbar.

Bereits jetzt werden die in weltweit bekannten Stores wie SSENSE oder 10 Corso Como verkauft. Wir sind gespannt, was in Zukunft von Bonner zu sehen sein wird (hier noch mehr Infos zu Bonner auf Dandy Diary).

Außerdem unter den Preisträgern des BFA: Tom Ford, der als bester Red Carpet Designer ausgezeichnet wurde. Der Amerikaner, der mit seinem 2005 gegründeten Label zunächst mit Sonnenbrillen und Parfüm großen (finanziellen) Erfolg feierte, hat sich mittlerweile zur Anlaufstelle Nummer 1 für VIP-Event-Garderobe im obersten Preissegment entwickelt.

Vorstandsvorsitzende und Filmstars weltweit schätzen die perfekt sitzenden Anzüge des 54-Jährigen, der sich seit ein paar Jahren auch als Regisseur versucht. 2016 erscheint sein zweiter Spielfilm „Nocturnal Animals“.

Mr. Ford war bei der Verleihung in London zwar nicht anwesend, ließ sich aber von Lady Gaga vertreten, die – natürlich – Tom Ford trug. Lässig!

Als bester internationaler Designer wurde Alessandro Michele ausgezeichnet. Dem Italiener im Jesus-Look ist es innerhalb kürzester Zeit gelungen, seinen Arbeitgeber Gucci wieder cool zu machen. Einen ausführlicheren Bericht über Micheles’ Schaffen gibt es hier.

Interessant ist der Preis in der Kategorie „British Style – Fashion Innovator“, der an die Sängerin FKA Twigs ging. Die 27-jährige macht nicht nur avantgardistischen R’n’B, dessen progressiver Sound vor allem den britischen Zeitgeist repräsentiert, sondern hat es auch aufgrund ihrer Stilsicherheit und modischer Glanzleistungen auf die Cover von Magazinen wie Dazed&Confused, i-D und Fader geschafft.

Nicht zu vergessen: König Karl wurde für sein Lebenswerk der Award in der Kategorie „Outstanding Achievement“ verliehen. Anna Wintour übergab Lagerfeld den Preis, der bei der Verleihung einen Raumanzug-ähnlichen, extrem hotten, silbernen Mantel trug, auf den vermutlich selbst NASA-Astronauten neidisch wären.

Außerdem wurde Stella McCartney zur besten Marke gekürt, der „Establishment Designer“ Award ging an Erdem und auch Model Jourdan Dunn durfte einen Preis für die heimische Vitrine mit nach Hause nehmen. 

Text: David Jenal

Category: News

Tags: BFA, British Fashion Awards, Grace Wales Bonner, J.W. Anderson, Karl Lagerfeld, Tom Ford

Von: David Kurt Karl Roth

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