Meine Laudatio an die Gewinnerin des Influencer-Awards

Der Axel-Springer-Verlag hat gestern Abend in Berlin die “Place to B”-Influencer-Awards vergeben. Ich wurde gebeten, eine Laudatio auf die Gewinnerin der Kategorie “Lifestyle” zu halten. Hier ist meine Rede:

Auf den ersten Blick mag die Preisträgerin ihren Blog und ihren Instagram Channel nach dem bewährten Erfolgsrezept aufgebaut haben, mit dem in den vergangenen Jahren sicher hunderte, wenn nicht tausende Mädchen weltweit zu Bekanntheit gekommen sind – und sicher auch zu ganz okayen Einnahmen.

Jacqueline Mikuta hat langes, blond strähniges Haar, ist schlank, hat eine gesund gebräunte Haut, viel Hippie-Schmuck und wechselnde Uhren an den Handgelenken, sicher irgendwo auch eine kleine, poetische Tätowierung – und einen festen Freund, der mit ihr reist und stoisch die immer gleichen Fotos von ihr macht:

der verträume Blick aus dem Fenster, der noch etwas verschlafene erste Kaffee am Morgen (because she woke up like this), tänzelnd an der Promenade, vor einer Brasserie in Paris, oder vor dem Eiffelturm, immer eigentlich vor malerischer Kulisse, in nagelneuer Kleidung und nie getragenen Schuhen und mit einem durchgehenden, träumerischen Retro-Look.

Die Fotos gleichen sich zuweilen bis zur Unkenntlichkeit.

So weit so bekannt. Das Prinzip funktioniert und hat Influencer produziert, die mit einem weiteren Wanderlust-Selfie eine höhere Reichweite erreichen, als so manches Print-Produkt auch aus diesem Haus hier.

Interessant an Mikuta ist auch zu beobachten, wie plattformabhängig hier eine ganze Karriere ist und wie geschickt sie diese Plattform, die natürlich Instagram ist, wo sie 790.000 Follower hat (mehr Menschen also, als in Stockholm wohnen), auch im Gegensatz zu den anderen Socials bespielt. Auf Twitter folgen ihr nichtmal 1000 Leute, auf Facebook bekommt ein durchschnittlicher Post nicht mehr Likes als das neue Profilfoto meiner Tante Claudia. Und auch auf YouTube findet Mikuta so gut wie nicht statt.

Dass sie sich auf Instagram spezialisiert hat und das mit ihrem eigenen Blog, auf dem sie zu den verträumt romantischen Fotos kurze Textchen schreibt und die getragenen Marken nochmal ordentlich verlinkt, flankiert, zeugt von unternehmerischer Konsequenz. Hier spielt ganz offensichtlich die Musik – und Mikuta beherrscht die Partitur par excellence.

Mittlerweile hat die in Berlin lebende schwedische Influencerin fast dreieinhalb tausend Fotos gepostet und wenn man die hohe Qualität eines jeden Fotos ansieht, die feine Komposition, mit dem jedes Bild genau inszeniert wird, kann man sich ungefähr vorstellen, was für eine durchaus auch harte Arbeit dahinter steckt.

Sie schafft es, auf ihren Fotos von der Londoner Fashion Week, auf der sie selbstverständlich war, sogar den immergrauen englischen Himmel irgendwie schön aussehen zu lassen – oder auf den Fotos von der Mailänder Fashion Week eine silbern schimmernde Leggings. Auch das ist sicher harte Arbeit.

Spannend und besonders ist bei Mikuta, dass sie nur sehr selten ihr Gesicht zeigt. In Zeiten, in denen selbst unsere Großeltern quasi täglich Selfies von sich per WhatsApp verschicken, ist das eine angenehme Abwechslung. Mit etwas Wohlwollen kann man darin sogar eine gewisse Verweigerung vor der kompletten Selbstentblößung auf Instagram erkennen.

Allein dafür hat sie meiner Meinung nach den diesjährigen Preis für die allerbeste Influencerin in der Kategorie „Lifestyle“ verdient.

Alles Gute, Mikuta. 

Category: Special

Von: Carl Jakob Haupt

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