Meine erste Fashion-Reise #munichpressdates

✈️💅🏼

Good Morning Munich ⛅️ #munichfashionpressdates

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6:20 Uhr – ich, in rosa Fake-Fur, darunter eine schwarz knisternde Vinyl-Jacke, hohe Schuhe – in der Schlange zur Passagier-Kontrolle, inmitten von den all den Business-Boys, bei denen die Flugstrecke zum Alltag gehört.

Sie trugen ihre Samsonite-Koffer, schwarze HUGO BOSS Anzüge, darüber schwere Mäntel und ihre HP-Laptops im Handgepäck. Mich betrachteten sie mit teils belustigte, teils irritierte Blicken. Der Beginn meiner allerersten, zweittägigen Fashion-Reise.

Mein Ziel: #munichpressdays. Auf meinem Sitzplatz im Flieger angekommen, zwängte ich mich vergeblich geräuschlos aus meiner Vinyl-Jacke, dachte kurz an das Schicksal von AirBerlin, das Emotionalisieren der Wirtschaft, um dann wenige Minuten später mit einer Lufthansa Maschine in die Lüfte zu gleiten.

In München angekommen, wartete schon ein erstaunlich gut aussehender Fahrer mit einem “Munich Press Dates” Schild auf mich. Es hatte sich so eben ein kleines Lebensziel erfüllt: Keine S-Bahn, keine U-Bahn – sondern ein eigener Fahrer.

Ich gab also meinen Koffer im Hotel ab, nahm die Bahn zu Bulgari, den Shuttle zu Joop, zu Bogner, ins Industriegebiet, wo mich weitere PR-Menschen mit ihren neusten Herren-Kollektionen und Lookbook-Tüten überhäuften.

Einer der Shuttle-Bus-Fahrer, der sich sogleich für seinen rumänischen Akzent entschuldigte, fand dass Hamburg ja die beste Stadt Deutschlands sei, erklärte mir, dass man allerdings in München jobtechnisch ganz gut leben könne und dass er bereits einige Male der Fahrer von Madonna gewesen sei. „Nun ja, sie sagt dann Hallo und das war es dann auch schon, nichts besonderes eigentlich.“

Um mir eine Verschnaufpause von dem Agenturen-Marathon zu gönnen, erlaubte ich mir einen Spaziergang zu den fünf Höfen, wo ich Erik traf, den Vorzeige-Blogger, über den ich vor einigen Wochen an anderer Stelle geschrieben hatte, den 19-jährigen Lieblingsfotografen der deutschen, weiblichen Bloggerszene Jeremy und eine Ex-Topmodel-Kandidatin.

Dort erfuhr ich unter anderem, dass die Koffer-Marke Rimowa nicht kooperiert, die unendlichen Möglichkeiten von Face-Tune und, welche Bilder zurzeit bei den Followern ankommen. Ich hörte Dinge, wie „Die Follower lieben iPhone-Pics eh viel mehr.“ und „Das kommt bestimmt gut an im Café und so.“ Hachja, wie ich das vermisst hatte.

Im Haus der Kunst stellte V-Communication ihre neusten Samples aus. Ich mochte die Drykorn-Hosenanzüge, die Furla-Taschen und vor allem aber die Off White x Jimmy Cho Kooperation, aus der mit Plastik drapierte High Heels hervorgingen.

💔♨️Off White x Jimmy Choo #munichfashionpressdates

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Mit schmerzenden Füßen und dem Bedürfnis nach einer langen, warmen Dusche checkte ich im Hotel ein, legte mich auf mein gigantisches Bett und googelte erst einmal, wie man die Nespresso-Maschine in meinem Zimmer benutzte. Ich war ein wenig traurig darüber, dass ich es morgen schon wieder verlassen müsste.

Zwei Stunden später teilte ich mir ein Taxi mit der Bloggerin Vreni Frost und anderen, sicherlich sehr wichtigen Bloggern und Journalisten, deren Namen ich vergessen hatte, zum um 20 Uhr angesetzten, großen Dinner.

 

ready for some serious dinner

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Nach dem üblichen, belanglosen Smalltalk unterhielt ich mich mit einer Frau, welche sich mir als Fernsehjournalistin, PR-Frau und Managerin vorstellte, über die Selbständigkeit und darüber wie unangenehm es als Gelegenheitsraucher sei, unbekannte Leute nach einer Zigarette zu fragen, was wir daraufhin vermieden und stattdessen die Kellner nach der vegetarischen Version des Kaviar fragten.

Draußen hörte ich noch die großen deutschen Girls-Blogger-Chicks darüber sprechen, dass es ja gar nicht möglich sei, so ganz ohne Assistentin auszukommen – und dass diese ja rund um die Uhr beschäftigt wären. An dieser Stelle beschloss ich mich auf dem Weg zum Hotel zu machen – und zwar zu Fuß, denn schließlich wollte ich soviel von München sehen, wie möglich, bevor es zurück in meine triste Studentenstadt Darmstadt ging.

Am nächsten Tag frühstückte ich wie ein König und wünschte mir, dass jeder Morgen in meinem Leben so anfangen könne: mit frisch gepresstem Orangensaft und schwarzem Kaffe, mit geschnittenem Obst, frischen Brötchen.

Am Nebentisch erzählte ein Mann im Anzug einer Frau im Anzug, welchen Detox-Tee er jeden Morgen trinkt und dass das Abendessen am gestrigen Abend zwar gut war, weil es wenig war, dass das Fleisch allerdings schon beim Servieren eher kühl gewesen wäre. Die Frau verließ den Tisch und der Mann bestellte sich einen Sekt. 7:30 Uhr, München.

Kurz nach dem Frühstück stieg ich in die U-Bahn und fuhr ins abgelegte Industrie-Land zu „The Stu“, DEM Münchener Kreativ-Kollektiv, mit dem ich um 8.30 Uhr (!) – einer Zeit, die in Berlin undenkbar wäre – zu einem Interview verabredet war. Wir unterhielten uns über ihr Studio, über kreative Arbeit, die ja genauso „Routine und Planung“ bedeute und nicht nur Party, über die so zielstrebige Generation 15-Jähriger, die schon genau wussten wie und was abging, über Instagram und über die Zukunft natürlich.

Interview with @wecallitthestu for @dandydiary 🌹

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Schnell ging es zurück zum Hotel, ich checkte aus, verabschiedete mich kurz und schmerzlos von meinem kurzweiligen Paradies und machte mich auf auf den Weg zu Lacoste, wo es Kekse in Krokodilform gab. Dann fuhr uns ein Shuttle zu Häberlein & Mauerer, wo ich mir mit funkelnden Augen die glitzernden Swarovski-Steine anschaute. „Das schreit nach Coachella“, sagte Erik, der auch dort war.

Dann mein erster großer Fashion-Moment: die mit perlenbesetzte Jeans-Schlaghose von GUESS. Ich konnte gar nicht anders, als ständig zu betonen, wie toll diese Jeans wäre und wie unbedingt ich diese brauchte. Das interessierte natürlich keinen, trotz Wiederholung wurde ich freundlich und bestimmt ignoriert.

about yesterday

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Hi I want you @dior

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Der Talk ging weiter: Es wurde über Influencer gelästert, die für Klo-Steine warben. Ich empfand das erst als sehr witzig, dann als traurig und beschloss anschließend einen Artikel darüber zu schreiben.

Bei Gitterecken-Kartoffeln von McDonald’s entschied ich mich dagegen, es war alles viel zu offensichtlich, Influencer-Hate viel zu massentauglich, als dass man es noch extra verschriftlichen müsse. Früher als geplant wurde ich im neusten BMW, wie der Fahrer mir stolz erklärte,  in einem 170.000 € teuren Auto, zum Flughafen gefahren. Der Sitz des BMW war so nett und massierte mich auf dem Weg. Was nach all den Strapazen der letzten 48h gut tat.

Am Flughafen angekommen, begann ich mein Interview zu transkribieren, welches ich ja noch am Morgen geführt hatte. Nach einer Stunde hatte ich 20 Minuten geschafft und war überaus frustriert darüber, dass Autos selbst fahren konnten und ich doch letztens noch gelesen hatte, dass ein Roboter in Saudi-Arabien die Staatsbürgerschaft bekam – und das zur gleichen Zeit niemand bereit war, eine funktionierende Software für Schreibende zu kreieren, sondern diese sich einer stundenlangen Reproduktion hingeben mussten.

Allerdings musste ich wohl fürchten, dass dieser, mein angehender Berufsstand dann wohl noch unterbezahlter werden würde und das wollte ich dann auch nicht. Ich klappte also meinen Laptop zu und stellte mich zum Boarding an. Wieder sah ich viele Hornbrillen, dunkelblaue Plunder und HTCs, auf denen wild mit einem Stift herum getippt wurden. Es war wieder einmal die oft bereiste Strecke zwischen München und Frankfurt. Wieder einmal wurde gestarrt, dieses Mal auf meine mit stressbesetzte Dandy Diner Levi’s-Jeansjacke mit dem Schwein auf dem Rücken – doch ich war müde, viel zu müde und gleichgültig um weiter darüber nachzudenken. Ich setzte mich auf meinen Platz am Fenster und schlief fest und zufrieden ein.

back from pretty munich to not-so-pretty ffm

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Category: Special

Tags: Munich Press Dates

Von: Angelika Watta

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