Mein erstes Mal: Klaas‘ „Late Night Berlin“

Dass der okaye Böhmermann-Gag in der Werbepause das beste an Klaas Heufer-Umlaufs erster Late Night-Show gewesen sein soll, sagt schon viel aus. Besonders gut war der nämlich nicht.

Klaas‘ Sendung, in die so viele hohe Hoffnungen gesetzt hatten, aber eben auch nicht. Sie war vielmehr superschwach und schlicht enttäuschend.

Enttäuschend ist allein schon der Titel „Late Night Berlin“, der sich LNB abkürzt, wo doch BLN so viel passender gewesen wäre und dem im Namen getragenen Anspruch, Berlin zu sein, so viel besser gestanden hätte, auch wenn man halt in Potsdam aufzeichnet. Aber nun gut, egal, dachte man, also ich.

Die eigentliche Sendung wurde dann nicht viel besser. Der Stand Up-Teil, Pflichtprogramm einer jeden Late Night Show, irgendwie unwitzig, politisch nicht heiß genug, zu gefällig. Da rächt es sich, dass Klaas mit der „Dudes“-Crew der Blödelsendung Zirkus Halligalli weitergemacht hat und sich nicht schlicht bessere Gag-Schreiber eingekauft hat, meinetwegen mit seinem ganzen ProSieben-Geld sämtliche Twitter-Satiriker oder Böhmermann-Überläufer, was aber vielleicht auch zu Meta gewesen wäre, für das breite ProSieben-Publikum.

Den „Laberinth der Macht“-Einspieler, der gefühlt die halbe Sendung ausgemacht hat, musste ich nach wenigen Minuten aus Scham überspringen: zu schlecht geschrieben, zu miese Maske, keine Spitzen, kein Risiko. Das kurze Interview mit dem sympathischen Stargast Anne Will, das doch wirklich sehr interessant hätte werden können, wenn Klaas ihr mal zugehört hätte, wurde zum unangenehmen Runterlesen vorher notierter Fragen.

Die Studio-Band: extrem unfunky, wie eigentlich die gesamte Sendung.

Das einzig gute an „Late Night Berlin“, zumindest an diesem ersten Versuch, der doch so viel besser hätte werden können und müssen, ein großer Aufschlag doch bitteschön, war dann das hölzerne Studio, das den ebensolchen Moderator zumindest passend spiegelte. Und ja, auch der Anzug saß ganz okay unter diesem struppigen Kinnbieber, den keiner so recht versteht.

Es war mein erstes Mal und es war auch seins. Und danach wird es ja meistens viel, viel besser. Unklar jedoch, ob ich das noch sehen werde, denn Klaas hat mit seiner Sendung niemanden herausgefordert, ist unbequem geworden, schneidend, fies, bitte auch gern ätzend, ist niemandem auf den Schlips getreten, hat niemanden geärgert, außer eben den Zuschauer.

Category: Mein erstes Mal

Von: Carl Jakob Haupt

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