Margiela 2.0: Vetements

Kaum ein Label erregt dieser Tage so viel Aufmerksamkeit in der Modelwelt wie VETEMENTS.

Der Name, der aus dem Französischen übersetzt nichts anderes als „Kleider“ heißt, ist dabei Programm:

Nicht die Personen hinter der Marke stehen im Vordergrund, wie derzeit üblich, zur Hochphase des Selfmarketing (bsp: Balmain / Olivier Rousteing), sondern die vom Kollektiv erschaffenen Kollektionen.

Zielsetzung des Vetements Team ist, dass deren Mode getragen werden, was banaler klingt, als es tatsächlich ist. In den ersten zwei Kollektionen widmete man sich ausschließlich den Frauen, seit zwei Saisons gibt es – Gott sei Dank – auch Designs für die Männerwelt.

Und diese überzeugen auf ganzer Linie: Man experimentiert mit Überlängen, viel zu große Sakkos oder Bomberjacken gehören zu den Key-Pieces, und mit klassischen Workwear-Materialien sowie Jeans, Jerseystoffen und Leder. Oftmals zitiert Vetements die 90er Jahre Rave-Culture in ihren Entwürfen.

Bei Vetements wird mit den Standards der Modewelt gespielt und gebrochen, was auch Stars wie Rihanna oder Kanye West überzeugt. Beide werden regelmäßig in den Hoodies oder Bomberjacken aus der Hand des siebenköpfigen Teams hinter dem Label gesehen und öffentlichkeitswirksam abgelichtet.

Über genau dieses Team ist allerdings recht wenig bekannt: der georgische Designer Deyna Gvasalia und Creative Director von Vetements ist der Einzige, dessen Name an die Öffentlichkeit kommuniziert wird. Der Rest des Teams bleibt anonym.

Bekannt ist, dass Teile von Vetements ihr Schaffen bei Maison Margiela erlernt haben. Ein Einfluss, der nicht nur in deren Spiel mit dem Dekonstruktivismus deutlich wird, auch Margiela war seines Zeichens ein Dekonstruktivist, sondern vor allem durch deren Art- und Weise sich der Modewelt zu präsentieren:

Vetements tritt als Kollektiv auf. Anonymität ist Strategie, um sich abzugrenzen. Das hat damals, in den frühen 90er Jahren funktioniert. Zu Zeiten, in denen bekannte Persönlichkeiten wie Armani und Versace mit ihrem Overbranding die Mode dominierten. Und das geht auch als Gegenposition auf.

Margiela galt als der bekannteste unbekannte Designer und als Querdenker und Freigeist in der häufig so festgefahrenen und eindimensionalen Modewelt. Querdenker und Freigeist: Genau das scheint Vetements im Jahr 2015 zu sein – und damit so unglaublich wichtig für die Branche.

Während der Paris Fashion Week, vor ein paar Tagen, eröffnete der aktuell gehypte Mr. Soviet Gosha Rubchinskiy als Model die Vetements Show in einem DHL T-Shirt. Ein geniales Anti-Fashion Statement. Und ein Bündnis zweier Brands, die die Zukunft der Mode bestimmen werden.

Text: David Jenal

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Category: Trends

Tags: Maison Martin Margiela, Vetements

Von: David Kurt Karl Roth

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