Louis Vuitton & Michael Jackson

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Virgil Abloh ist 1980 in Rockford, USA, geboren.

Der Louis Vuitton Creative-Director wuchs in einer Zeit auf, in der Michael Jackson der größte Star war. Hits wie „Billie Jean“ oder „Thriller“ oder „Man in the Mirror“ liefen in Dauerschleife im Radio. Jacksons ikonische Looks und Dancemoves beeinflussten ganze Generationen.

Popstars wie Justin Timberlake oder Justin Bieber. Oder eben auch Virgil Abloh. Den studierten Architekt, der seit 2018 die künstlerische Leitung von Louis Vuitton übernommen hat. Der ‚Times‘ erzählte Abloh einst, dass er Michael Jackson zutiefst verehrt. Kein anderer Künstler in der Geschichte hat einen dermaßen großen Einfluss auf die Männermode ausgeübt, wie Michael, so Virgil Abloh.

Für seine zweite Louis Vuitton Kollektion ließ sich Abloh von seinem Idol inspirieren, eingeladen wurde mit einem weißen, mit Straßsteinen besetzten Handschuh und für die Fashion Show ließ Abloh die düstere Kulisse von Michael Jacksons „Billie Jean“ Hit-Musikvideo nachbauen: 80’s Manhattan, Downtown, ramponierte Mülleimer und Schaufenster – über all dem thronend, wie im Video des „King of Pop“: Nebel.

Und es wurden Designs gezeigt, unter anderem T-Shirts, auf denen Michael Jacksons Tanzschuhe, glitzernde Handschuhe oder die berühmten rote Jacke aus „Beat it“ verewigt wurden. Produkte, die laut Louis Vuitton CEO Michael Burke, nie in Produktion gehen werden – der Grund:

„Leaving Neverland“ – eine acht Tage nach der Louis Vuitton Show veröffentliche Michael Jackson HBO-Dokumentation, in der der „King of Pop“ des mehrfachen Kindesmissbrauch beschuldigt wird: „Die in der Dokumentation geäußerten Anschuldigungen sind zutiefst erschütternd und verstörend. Die Sicherheit und das Wohl von Kindern ist für Louis Vuitton sehr wichtig und wir verteidigen diesen Standpunkt, “ so Burke.

Und auch Virgil Abloh zeigte sich bei „WWD“ bestürzt: „Ich bin mir im Klaren darüber, dass die Kollektion im Zuge der veröffentlichten Dokumentation für emotionale Reaktionen sorgt. Ich verurteile jegliche Form von Kindesmissbrauch, Gewalt oder Verstöße gegen Menschenrechte.“

Schön, dass der künstlerische Leiter von Louis Vuitton jede Form von Kindesmissbrauch verurteilt. Doch die Gerüchte, dass der „King of Pop“ ein höchst fragwürdiges Verhältnis zu Kindern hat, sind so alt, wie der Backslide, der Jackson Move schlechthin, den er 1983 erstmalig zeigte. Michael Jackson wurde immer wieder öffentlich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert, so auch 1993, als der Popstar einen 13-jährigen Jungen in seinem Schlafzimmer auf seiner „Neverland-Ranch“ missbraucht haben soll.

Damals kam es nicht zu einer Gerichtsverhandlung. Michael Jackson und die Familie des Jungen einigten sich auf eine Abfindung in Millionenhöhe. Dass Michael Jackson Fan Virgil Abloh oder sein LV-Boss, der 62-jährige Michael Burke, in all den Jahren nichts von den düsteren Gerüchten um Jackson mitbekommen haben, ist mehr als zweifelhaft, viel wahrscheinlicher ist: Es spielte keine Rolle.

Abloh wollte seinem Idol ein Denkmal setzen. Und Burke hatte nichts dagegen. Wirklich neue Fakten schafft auch die Dokumentation „Leaving Neverland“ nicht. Daher zeugt die Maßnahme des französischen Luxushaus – die Michael Jackson-Designs der Kollektion nicht zu produzieren – nicht von einer aufrichtigen Auseinandersetzung mit der Thematik, sondern von ekelerregendem Populismus.

Kalkulierter Kommerz des französischen Luxushaus. Es nicht falsch sich von dem „King of Pop“ für eine Kollektion inspirieren zu lassen. Auch 2019 nicht. Falsch hingegen, so sehen wir das, ist nicht einzutreten – für sein Werk und die künstlerische Freiheit. Ein Statement setzen. Doch Abloh ist, das zeigt euch diese Entscheidung, eben mehr Marketing-Experte als wahrer Künstler, der für seine Vision kämpft.

Category: #dandydiaryspace

Tags: Kommerz, Virgil Abloh

Von: David Kurt Karl Roth

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