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Lesetipp: Wie demokratisch können Hosen sein?

Das Phänomen Picaldi-Jeans ist blöderweise etwas an uns vorbeigegangen. Dabei passen die Hosen so dermaßen gut in den aktuellen Proll-Mode-Trend, dass es fast wehtut.

Wehtun könnte es allerdings auch, wenn man sich mit einer Picaldi-Jeans ohne die dazugehörige Street-Credibility am Hamburger Hauptbahnhof blicken lassen würde. Denn die Träger dieser Jeans haben eine ganz eigene Vorstellung davon, wer diese Art der Streetwear tragen darf – und wer eher nicht. Bushido zum Beispiel würde niemand bepöbeln, wenn er in Picaldi-Jeans durch die Gegend laufen würde, Clueso hingegen müsste sich wohl den Spott der Halbstarken gefallen lassen.

Richtig so, finden wir.

Und wer sich jetzt fragt, wie wir auf einmal auf Picaldi kommen, dem legen wir unseren heutigen Lesetipp ans Herz. Denn in der taz hat Moritz Ege sich des Phänomens der Picaldi-Jeans angenommen.

In seinem Artikel schreibt er:

“Deutsche tragen an 5,2 Tagen pro Woche Denim-Stoff.

Vom egalitären Mythos ist in der Gegenwart allerdings so viel nicht übrig geblieben. Auch der Jeansmarkt präsentiert sich nach den Mustern gesellschaftlicher Hierarchien segmentiert, in preislicher wie ästhetischer Hinsicht. Viele Leute wenden erhebliche Mengen von Geld, Zeit und Wissen dafür auf, exklusive Premium-Jeans zu finden. Auf der anderen Seite stehen No-Name-Firmen, die ihre Träger in der Wahrnehmung der Privilegierten tendenziell als “gewöhnlich” oder “prollig” ausweisen.

Das Beispiel der Berliner Jeans-Marke Picaldi zeigt nun exemplarisch, wie Markenkult, Selbstermächtigung und soziale Ausgrenzungsprozesse unter Jugendlichen zusammenwirken. Picaldi, inzwischen auch als “Zerava” auf dem Markt, steht exemplarisch für einen subkulturellen Stil, den viele “Picaldi-Style” oder “Gangsta-Style” nennen. Die Geschichte begann vor 15 Jahren, als zwei deutschtürkische Jeanshändler aus Kreuzberg auf die Idee kamen, eine Herrenjeans im Karottenschnitt produzieren zu lassen – bei einer Firma aus Istanbul namens Picaldi. Der Schnitt orientierte sich an einem Modell der italienischen Firma Diesel, der “Saddle”.

Diese Hose wurde auf der Taille, also höher als üblich, getragen und war an den Oberschenkeln etwas weiter als eine Levi’s 501 geschnitten, dann wieder schmaler zulaufend. Zuvor war sie bei den Poppern beliebt gewesen, inzwischen aber aus der Mode geraten. Picaldis Stammkundschaft waren junge Männer, die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund. Viele von ihnen hatten die Jeans in ihre eigene Ästhetik eingepasst. Letztere stand in der Tradition der männlichen Straßensubkulturen des 20. Jahrhunderts, mit ihren Gesten von Zusammenhalt, Stärke, Spaß, Provokation, Territorialität. Mit den Jahren erlangte der Look eine gewisse Berühmtheit: Neben Picaldi-Jeans umfasste er etwa gestreifte Pullis und College-Jacken.

Sich bewusst als Teil einer Straßenwelt stilisierend, das Lokale betonend, irgendwie in HipHop-Manier, aber eben nicht nur – so grenzten sich die Picaldi-Styler ab, auch und besonders von braven “deutschen” Bürgerkindern in Baggy Pants. Es ist vermutlich kein Zufall, dass in diesen Jahren auch Texte wie Feridun Zaimoglus “Kanak Sprak” entstanden, in denen die Beschimpfung “Kanake” zur Selbstbeschreibung umgedreht wurde – wie das auch unter vielen Picaldi-Kunden geschah.

Mit dem kommerziellen Erfolg des Berliner Gangsta-Rap um das Jahr 2000 erreichte Picaldis Expansion eine neue Qualität. Der Stil sprang heraus aus den postmigrantischen Nischen und verbreitete sich in der ganzen Stadt. Der Picaldi-tragende Bushido stand als Prototyp für diese Art der Straßenmode. Der Stil entwickelte sich über vermeintliche ethnische Grenzen hinweg zum Identitätszeichen fast einer halben Berliner Jungsgeneration, die sich weitgehend außerhalb der Elite befand, jenseits des Kreativbürgertums und der linksalternativen Welt. Und auch über Berlin hinaus wurde Picaldi bekannt, er stand deutschlandweit bald für den “Berlin-Style”.”

Den gesamten Artikel gibt es hier.

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