arrow-left-black arrow-right-black arrow-white-down arrow-white-up dd-logo-header-large-white dd-logo-header de en fi-x matrix-arrow-left matrix-arrow-right matrix-icon search-icon share-facebook share-google_plusone_share share-pinterest_share share-twitter social-icon-facebook social-icon-instagram social-icon-twitter
 

Lesetipp: Wie demokratisch können Hosen sein?

Das Phänomen Picaldi-Jeans ist blöderweise etwas an uns vorbeigegangen. Dabei passen die Hosen so dermaßen gut in den aktuellen Proll-Mode-Trend, dass es fast wehtut.

Wehtun könnte es allerdings auch, wenn man sich mit einer Picaldi-Jeans ohne die dazugehörige Street-Credibility am Hamburger Hauptbahnhof blicken lassen würde. Denn die Träger dieser Jeans haben eine ganz eigene Vorstellung davon, wer diese Art der Streetwear tragen darf – und wer eher nicht. Bushido zum Beispiel würde niemand bepöbeln, wenn er in Picaldi-Jeans durch die Gegend laufen würde, Clueso hingegen müsste sich wohl den Spott der Halbstarken gefallen lassen.

Richtig so, finden wir.

Und wer sich jetzt fragt, wie wir auf einmal auf Picaldi kommen, dem legen wir unseren heutigen Lesetipp ans Herz. Denn in der taz hat Moritz Ege sich des Phänomens der Picaldi-Jeans angenommen.

In seinem Artikel schreibt er:

“Deutsche tragen an 5,2 Tagen pro Woche Denim-Stoff.

Vom egalitären Mythos ist in der Gegenwart allerdings so viel nicht übrig geblieben. Auch der Jeansmarkt präsentiert sich nach den Mustern gesellschaftlicher Hierarchien segmentiert, in preislicher wie ästhetischer Hinsicht. Viele Leute wenden erhebliche Mengen von Geld, Zeit und Wissen dafür auf, exklusive Premium-Jeans zu finden. Auf der anderen Seite stehen No-Name-Firmen, die ihre Träger in der Wahrnehmung der Privilegierten tendenziell als “gewöhnlich” oder “prollig” ausweisen.

Das Beispiel der Berliner Jeans-Marke Picaldi zeigt nun exemplarisch, wie Markenkult, Selbstermächtigung und soziale Ausgrenzungsprozesse unter Jugendlichen zusammenwirken. Picaldi, inzwischen auch als “Zerava” auf dem Markt, steht exemplarisch für einen subkulturellen Stil, den viele “Picaldi-Style” oder “Gangsta-Style” nennen. Die Geschichte begann vor 15 Jahren, als zwei deutschtürkische Jeanshändler aus Kreuzberg auf die Idee kamen, eine Herrenjeans im Karottenschnitt produzieren zu lassen – bei einer Firma aus Istanbul namens Picaldi. Der Schnitt orientierte sich an einem Modell der italienischen Firma Diesel, der “Saddle”.

Diese Hose wurde auf der Taille, also höher als üblich, getragen und war an den Oberschenkeln etwas weiter als eine Levi’s 501 geschnitten, dann wieder schmaler zulaufend. Zuvor war sie bei den Poppern beliebt gewesen, inzwischen aber aus der Mode geraten. Picaldis Stammkundschaft waren junge Männer, die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund. Viele von ihnen hatten die Jeans in ihre eigene Ästhetik eingepasst. Letztere stand in der Tradition der männlichen Straßensubkulturen des 20. Jahrhunderts, mit ihren Gesten von Zusammenhalt, Stärke, Spaß, Provokation, Territorialität. Mit den Jahren erlangte der Look eine gewisse Berühmtheit: Neben Picaldi-Jeans umfasste er etwa gestreifte Pullis und College-Jacken.

Sich bewusst als Teil einer Straßenwelt stilisierend, das Lokale betonend, irgendwie in HipHop-Manier, aber eben nicht nur – so grenzten sich die Picaldi-Styler ab, auch und besonders von braven “deutschen” Bürgerkindern in Baggy Pants. Es ist vermutlich kein Zufall, dass in diesen Jahren auch Texte wie Feridun Zaimoglus “Kanak Sprak” entstanden, in denen die Beschimpfung “Kanake” zur Selbstbeschreibung umgedreht wurde – wie das auch unter vielen Picaldi-Kunden geschah.

Mit dem kommerziellen Erfolg des Berliner Gangsta-Rap um das Jahr 2000 erreichte Picaldis Expansion eine neue Qualität. Der Stil sprang heraus aus den postmigrantischen Nischen und verbreitete sich in der ganzen Stadt. Der Picaldi-tragende Bushido stand als Prototyp für diese Art der Straßenmode. Der Stil entwickelte sich über vermeintliche ethnische Grenzen hinweg zum Identitätszeichen fast einer halben Berliner Jungsgeneration, die sich weitgehend außerhalb der Elite befand, jenseits des Kreativbürgertums und der linksalternativen Welt. Und auch über Berlin hinaus wurde Picaldi bekannt, er stand deutschlandweit bald für den “Berlin-Style”.”

Den gesamten Artikel gibt es hier.

SPECIAL

LOOKBOOKS

NEWS

 

American Apparel: Ex-Mitarbeiter über King “Dov Charney”

Über AMERICAN APPAREL kreist seit geraumer Zeit ein bedrohlicher Pleitegeier.

Vor wenigen Tagen berichteten diverse Medien, dass AA insolvent ist.

Und während die von Dov Charney gegründete Marke auf dem Sterbebett liegt, hat das NYLON Magazine noch einmal bei Ex-American Apparel Mitarbeitern nachgefragt, wie es war für die einstige Hipster-Lieblingsmarke zu arbeiten.

Resultat: ein unterhaltsames Sammelsurium an Geschichten über King Dov Charney, der berühmt berüchtigt war für seine Eigenheiten (Fäkalien auf seine Untertanen werfen) und sexuellen Eskapaden (ausschließlich Socken über erigiertem Glied im Büro tragen).

Auszug aus den Erlebnissen der American Apparel Mitarbeiter:

“I had to stay at his apartment a few times and he was such a weirdo! He had a maid/cook. He would never flush the toilet—I had to flush his shit multiple times.”

“But then he would come into a store and tell a manager she would have to switch to backstock or leave the company because he wouldn’t have her face on his floors. He was a shitty parent to a lot of young people who didn’t give a fuck about anything. Maybe that’s Dov’s personal legacy.”

“He definitely had severe mood swings though, and would call you at all hours of the night to complain about something. He could get pretty brutal with name-calling and would use stuff from your personal life against you.”

“I went to his mansion a few times, but he wasn’t here. It was super sparse. I’ll never forget one room had three columns with a VHS boxset of all of The Godfather movies. That was all that was in there.”

“Unfortunately, he has a chip on his shoulder and a sort of God complex, á la Hugh Hefner, and thought he could get away with anything. He did have a lot of girls on the books that didn’t work, paid off girls to not talk, etc. He was super flagrant with money, which was likely a huge cause of his downfall.”

Mehr Geschichtl zu Dov Charney und seiner Ex-Marke AA könnt ihr bei den Kollegen von NYLON lesen.

 

FASHION SHOWS

 

Mission to Mars: Björn Borg

Das Projekt MARS ONE hat in den letzten Monaten für viel Wirbel in den Medien gesorgt.

Der niederländische Unternehmer Bas Landsorp will bis zum Jahr 2027 Menschen auf dem Mars landen lassen, um dort eine menschliche Siedlung aufzubauen.

Die “Astronauten” des Projekts werden, so der Plan, nicht wieder zur Erde zurückkehren. Ein One-Way-Ticket. BJÖRN BORG Designer James Lee ließ sich für seine aktuelle Kollektion von der Mars Mission inspirieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Modemacher von den visionären Missionsplänen der Menschheit inspirieren lässt, bereits in den  1960er Jahren beeinflussten erste Weltraumfahrten und die Mondlandung (1969) die Mode:

Pierre Cardin, Paco Rabanne und André Courrèges entwarfen Space-Mode. Cat-Suits mit oberschenkelhohen, futuristischen Boots, helmähnlichen Hüte und Halsketten aus Schwermetallen.

BJÖRN BORGs “Training for Mars” Kollektion, welche wir am ersten Tag der Stockholm Fashion Week zu sehen bekamen, hatte etwas retro-futuristisches.  Man musste unweigerlich an Wes Anderson denken, als die Models in ihren Looks über den kreisrunden, mit rotem Sand und Steinen bedeckten Catwalk schritten.

Zu Ehren von James Lee und seinem Team kamen auch MARS ONE “Mastermind” Bas Landsorp sowie 4 potenzielle Mars Astronauten, die nach dem Defilee von neugierigen Erdbewohnern umringt wurden, die sie um Interviews und Selfies baten, zur Björn Borg Show.

Mehr Infos zum Björn Borg gibt es im James Lee Interview, welches wir letzte Saison im schönen Stockholm geführt haben. Zum Interview bitte hier entlang.

 

TRENDS

 

Comeback: Buffalo Style

Während die 1980er Jahre gemeinhin als zwar extrem stylische aber wenig substantielle Zeit wahrgenommen wurde, gab es auch in dieser Dekade einen Gegenentwurf zur gängigen, slicken Designer-Mode. Und dieser Gegenentwurf stammte natürlich aus London.

Ray Petri (1948-1989) prägte als Stylist für Magazine wie The Face, i-D und Arena den “Buffalo”-Look, der aus der DIY- und Post-Punk-Bewegung entstammte und dem karrieregeilen Wall-Street-Gewinnerlook der 80s diametral gegenüberstand. Der Buffalo-Look ermöglichte es seinem Träger auch ohne viel Geld für Designerklamotten auszugeben, eine hippe, urbane Attitüde an den Tag zu legen.

Buffalo prägte vor allem den Look der Londoner Jugend in den 80er Jahren – beeinflusst aber bis heute die Arbeit von Stylisten, Designern und Fotografen. Auf dem Tumblr von Carinne Roitfelds “CR Fashion Book” finden sich beispielsweise einige ikonographische Fotos aus der Zeit mit historischen Einordnungen.

Ray Petri selbst trug die Buffalo-Uniform schlechthin: alte LEVI’S Jeans, eine MA-1 Bomberjacke und DOC MARTENS Schuhe – der Look ist bis heute ein Klassiker.

Marken wie DOC MARTENS und BEN SHERMAN x ALPHA INDUSTRIES haben das 30-jährige Jubiläum des Buffalo-Looks zum Anlass genommen, eine Kollektion drumherum zu stylen und eigene Kampagnen damit zu shooten. Bei DR. MARTENS sieht das so aus:

zgyRvHFTFUn8HKCqiwXynTP5wnzO_9-KOYlQtu5nIWw 4yZ9wblImI5pYpPve6yFyXY3p0QunWXis_hbhyNFyAQ t6Ec7h-NDLuS93FGOQ5qjGjPotMTw1T_YYsv8X7P77g ArFKYizw_rULCqsXG3FBIWBJReCfIXI6CBZelQNz0Tc _4m3BGXONgzmrvu3EfgJOda0fUy7Nd6_6GN1e2twlqE

18IYXPIlBr4edOMxmyGCr8myxyIhEwJtOhZ8I0053rU 2OU4YdQgMZOBhTe3DQtHuSM77cgioSul6uO5sJW50jc uDNukzG7gGewmeO_8L8iZOI3GR859D--8vqulhSFWwM LLHPYzxgIMOGK99nRrzUpR2FGengRB57x47QZAoYExA,n3vlMeHYJBODv4lpbJnPGOH7P22WYhKtME1i9n6RkJI,4uf82jJqr19cxUbsxFGB0P7UHSY8V_Pd8nzz8gRK1W0,7XgKvoTtFkzJEoCGhU6gHEh5SzJxyQ_6DPp2Gz8wcZI

Die Londoner Marke BEN SHERMAN wiederum hat dem Buffalo-Punk-Style gemeinsam mit dem Bomberjacken-Hersteller ALPHA INDUSTRIES ein eigenes MA-1 Modell gewidmet und dazu von Buffalo-Mitgründer Barry Kamen einen Kurzfilm drehen lassen:

Hier die Modelle der BEN SHERMAN x ALPHA INDUSTRIES “Buffalo” Special Edition:

fNCV6ztv_5Vn37VbgnXMjuoOXsguDsHp9tRMVCMv09o gUEZgO_aeEELCOQ3lLmURJG7QYda9cZ7Z_Ptdzj6j1w v3iax2FDQMlgsDXKhJUkOAGGk8a4OzAcERLPaxfghW4 CPD9h9xIdFRBv8iCAADVIiyAVdzI342NSm0VgeKiouE glXG6A3DL7oD7ErU2tQ4qEuUZPVEuRnq7Hidel1BDwE DjndjW7eNd-vBBkEFBtwO03axm4NNgEDjwHrBgOhDvQ

Auch Doc Martens hat anlässlich des Buffalo-Comebacks einen Film drehen lassen und zeigt uns darin die Ästhetik der Buffalo-Crew:

Von: Jakob

LOOKS

VIDEO

INSTAGRAM

11378241_1460976004210131_1019309533_n

O M G !!! New in ADIDAS BY RAF SIMONS @adidas @rafsimonsofficial

#ozweego2