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Lesetipp: Gespräch mit Fritz J. Raddatz – „Stil braucht Lässigkeit“ (FAZ)

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ein langes Gespräch mit dem Großfeuilletonisten, Literaturkritiker und Dandy Fritz J. Raddatz geführt. Im Interview haut Raddatz eine Fülle an Bonmots aus, das es eine wahre Freude ist. Wir sammeln hier seine besten Aussagen zu wichtigen Themen und Personen:

Stil: ”Die, die sich mit großer Mühe stilisieren, sind Affen. Die meinen, wenn sie das oder das anhaben, essen oder das Glas so oder so halten, dann seien sie schon kultivierte Leute. Das sind die Gebrauchtwagenhändler, die sich ihre Initialen aufs Hemd sticken lassen. Zum wirklich großen Stil gehört tatsächlich ein großes Stück Lässigkeit und Nachlässigkeit. Nur wenn man diese Großzügigkeit dem Leben gegenüber hat, kann man auch großen Stil haben.”

Stil im Ausland: “Ganz sicher haben die Franzosen ein anderes Formgefühl, die Spanier und Italiener auch. Es gibt eben keinen Italiener, der halbnackt mit dem Rucksack am Strand herumläuft. Auch im Interieur gibt es Unterschiede. Die meisten Wohnungen von deutschen Intellektuellen sind so furchtbar eingerichtet, dass man erblindet. Hingegen hat der kleinste Lektor bei Gallimard ein schönes Art-déco-Möbel, einen schönen alten Schrank. Der ist nicht reich, der kann sich nicht die ganze Wohnung mit Jugendstil einrichten, aber ein, zwei anständige Sachen, eine kleine bezaubernde Skulptur, irgend so etwas hat der.”

Stil in den USA: “Es gibt in Amerika eigentlich keine Eleganz, nur Reichtum. Schauen Sie sich mal das Haus von Bill Gates an, da möchte man gleich eine Bombe drauf werfen. Natürlich, New York ist immer eine Ausnahme, aber New York ist nicht Amerika. Irgendwo schildere ich ja die Wohnung von Frau Getty, die damals die reichste Frau der Welt war. Es war grauslich. Teuerste Bilder, aber wie mit der Schrotflinte an die Wand geschossen. Selbst die Wohnung von Jackie Kennedy, in der ich war: alles gefälscht, wie aus der Möbelabteilung von Karstadt.”

Stärkeres Stilempfinden bei Schwulen: “Das ist Unsinn. Gehen Sie mal in die Wohnung von einem der schwulen Friseure oder, was weiß ich, Konditoren, da sitzt allenfalls ein kleiner rosa Teddy auf dem Sofa.”

Geschmack: “Geschmack in der Kunst heißt etwa, dass man weiß, Herr Damien Hirst ist kein Künstler, aber Picasso, so hört man jedenfalls immer wieder gerüchteweise, war einer. Oder in der Literatur, dass natürlich Fräulein Hegemann keine Schriftstellerin ist.”

Passende Kleidung: ”Normalerweise ziehe ich mich zum Abendessen an oder um. Mein Tageslauf ist sehr streng reguliert: Nach dem Schwimmen Frühstück, nach dem Frühstück Arbeit, Briefe beantworten zum Beispiel, danach Schreibtisch. Ich esse nie zu Mittag, diese Mahlzeit kenne ich gar nicht, ich esse aber richtig zu Abend, entweder im Speisezimmer oder im Garten, je nach Wetter. Und normalerweise ziehe ich mich dann um, auch wenn ich alleine esse, und decke mir den Tisch mit Blumen oder einer Kerze, oder ich höre Musik dabei. Ich erwarte das allerdings nicht von allen. Wenn jemand zu Hause mit dem Pullover beim Abendessen sitzt, kann ich nicht sagen, das ist widerwärtig, ich kann nur sagen, ich bin ein alter Herr und ein altmodischer Mensch und halte an meinen Ritualen fest.”

Thomas Mann: “Der hat sich sein ganzes Leben geradezu ein Korsett angezogen, von der Kleidung über die Haltung bis zur Art des Abendessens. Warum? Weil er ein zutiefst verstörter und innerlich unsicherer, fast haltloser Mensch war”

Fritz J. Raddatz: “Ich hatte ja ein sehr schwieriges Leben, vor allem eine ganz grauenvolle Kindheit, und ich bin sicher, dass meine zum Teil albernen und affigen Zeremonien damit zu tun haben. Auch meine Kleidung. Kleidung ist ja auch Haut. Und wenn die Haut dünn ist, muss sie geschützt werden. Wenn die Nerven, die Seele dünn, wund, weh sind, schützt sich jeder auf seine Weise. Der eine nimmt Drogen, der andere säuft oder hurt sich zu Tode, was vielleicht die schönste Form des Sterbens ist.”

Helmut Schmidt: “Dieser an Geschwätz-Diarrhoe leidende Ersatz-Hindenburg (…). Er ist ein gescheiterter Politiker und ein Angestellter eines Zeitungsverlages.”

Peter Sloterdijk: “(…) ich wünschte mir aber vor allem, er würde mehr auf seine Haare achten. (…) Sloterdijk kennt offenbar wenig Literatur.”

Günther Grass: ”mein ehemaliger Freund”

Sexualität: “(…) ich habe mein Leben lang mit beiden Geschlechtern gelebt, ich habe irgendwo am Strand einen wunderbaren Knaben gesehen, schade, ich hab ihn nicht gekriegt, oder die schöne Frau ist mir weggelaufen oder ich ihr.”

Boshaftigkeit in der Kunst: “Ich selbst glaube, dass tatsächlich große Kunst auch mindestens Härte verlangt, wenn nicht ein Stück Bösartigkeit, ein Talent zum bösen Blick. Der böse Blick bannt, wie man nicht nur aus den Märchen weiß. Wenn man nur ein Liebender, alle Umarmender, alles Vergebender und für alles Verständnis Habender ist, glaube ich nicht, dass man ein einziges gutes Bild malt oder ein einziges gutes Gedicht schreibt.”

Aura / Charakter: “Ein Beispiel: Man sitzt im Hotel Vier Jahreszeiten, man hatte ein Candle-Light-Dinner, alle sind fein gekleidet, und es kommt jemand rein und ist das nicht. Der ist nicht nackt und nicht verschwitzt und nicht dreckig und hat sich vielleicht sogar die Haare gewaschen, aber die Leute gucken, der hat was. Das gibt es, und das ist schwer zu erklären. Wieso hat am Anfang der Obama etwas gehabt, was seine Vorgänger nicht hatten, außer Kennedy? Was hatte Kennedy? Eigentlich waren er und Jackie ein bisschen komisch, nouveaux riches, vor allem sie mit ihren falschen Perlen. Aber die hatten einen Charakter, eine Persönlichkeit, eine Aura, die sich auch nach außen stülpen kann, und das merkt man. Das wird nicht anerzogen, nicht im Kindergarten, nicht in der Tanzstunde und auch nicht im Konfirmandenunterricht. Goethe hat zwar gesagt, Charakter bildet sich, da hatte er auch recht. Aber da ist ein Gran innen drin, das hat der Mensch einfach mitbekommen.”

Französisch als Sprache: “Übrigens war ja auch Mitterrand ein ziemliches Ferkel, aber er sprach ein phantastisches Französisch. Er konnte eben von Racine bis sonst wohin die französische Literatur halb auswendig, und deshalb hat man ihm politisch sehr viel vergeben. Die Schönheit der Sprache legt sich in Frankreich wie ein Zuckerguss über kausale Zusammen-hänge, auch über höchst unerfreuliche politische Verhältnisse. Überhaupt ist das Französische eine Zuckerguss- und Salonsprache.”

Klarheit der Sprache: “Wenn es aber schnurzpiepe ist, wie man sich ausdrückt, dann hebt das auch das Denken auf, dann stimmen zum Teil auch die Fakten nicht mehr, dann sind die nämlich auch wurst.”

Salon-Gespräche: “Das gibt es nicht mehr, dieses: Man sitzt zusammen einen Abend lang und diskutiert über politische, literarische Fragen. Wie viele Nächte habe ich mit Günter Grass oder Uwe Johnson oder Jürgen Becker oder Heinrich Böll, nicht auf dem Podium, sondern zu Hause beim Abendessen, bei denen, bei mir, an drittem Ort, in der Kneipe, diskutiert. Das hat sich auf- und abgelöst, es ist eine E-Mail-Welt geworden, ergänzt durch das Telefon.”

 Drei-Sterne-Hotels: “Ich wusste gar nicht, dass es Hotels so niedriger Kategorie gibt.”

Geld: “Ich habe immer gerne Geld verdient und immer gerne Geld ausgegeben, aber es ist nicht essentiell für die Arbeit.”

Das gesamte, absolut lesenswerte Interview gibt es hier. Bitte lesen, jetzt!

Bild: Henning Bode

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Die Weltmarke ADIDAS und das Problem “Herzogenaurach”

Obwohl ADIDAS zwar neulich in einem fantastischen Bitch-Move drei ehemalige Top-Designer vom härtesten Konkurrenten NIKE abgeworben hat, scheint es der Marke mit den drei Streifen nicht immer ganz leicht zu fallen, neue Mitarbeiter zu gewinnen – was wohl auch am brutal ländlichen Standort Herzogenaurach liegt.

Während NIKE im hippen Portland (Oregon), das immerhin 600.000 Einwohner hat, als Hipster-Heaven gilt und mit seiner Nähe zu den asiatischen Turnschuhproduktionssweatshops geografisch ganz gut gelegen ist, sitzt, gibt es für die ADIDAS-Mitarbeiter nichtmal einen Zug vom nächsten Flughafen in Nürnberg nach Herzogenaurach. Wer kein Auto hat, ist aufgeschmissen.

Gegenüber dem “Business Insider” lässt sich ein anonymer ehemaliger ADIDAS-Mitarbeiter aus Herzogenaurach folgendermaßen zitieren: “It is so odd that this company is in the middle of farmland. It doesn’t have anything to do with style.”

Wie genau man ein globales Lifestyle-Unternehmen aus der Provinz heraus führen soll, ist uns hier bei DANDY DIARY übrigens auch eher unklar. Dass auch “Global Creative Director” Dirk Schönberger lieber in Berlin-Mitte als in Herzogenaurach wohnt, verwundert daher nicht wirklich.

Um mehr potentielle Mitarbeiter nach Bayern zu locken, hat ADIDAS sogar eine eigene Micro-Page erstellt, auf der Videos zu sehen sind, von den ganzen vielen internationalen, fröhlichen Mitarbeitern, die sich total wohl im total internationalen, total fröhlichen Herzogenaurach fühlen.

Für die drei Ex-NIKE-Designer indes, die offensichtlich keinen Bock darauf haben, in der bayrischen Provinz zu leben, wird ADIDAS in 2015 eigens ein “Creative Studio” im New Yorker Stadtteil Brooklyn eröffnen. Wir gehen davon aus, dass dieses Zugeständnis ein nicht unwichtiger Teil des Deals der drei war.

Von: Jakob

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