LALA BERLIN-Designern Leyla Piedayesh über ihr Protestschild

Die iranischstämmige Berliner Modedesignerin Leyla Piedayesh hat während der Modenschau ihres Labels LALA BERLIN auf der Copenhagen Fashion Week ein Schild hochgehalten, auf dem steht „I am an Immigrant“. Das Foto wurde in den sozialen Netzwerken dutzendfach geteilt und kommentiert. Wir haben mit Leyla über ihre Protestaktion gesprochen.

Bist du selbst vom Einreiseverbot in die USA betroffen?

„Also eigentlich wäre ich betroffen gewesen, aber die haben das ja aufgehoben gestern Abend oder vorgestern Abend, also egal, auf jeden Fall wäre ich betroffen gewesen, weil ich die doppelte Staatsbürgerschaft habe.”

Wie, wann, warum hast du dich für dein Protestschild entschieden?

„Eigentlich eine Nacht vor der Show. Wir haben den ganzen Dienstag gefittet und ich bin relativ aufgelöst, nicht überarbeitet, aber total gestresst um zehn Uhr ins Bett gegangen und konnte dann aber nicht einschlafen. Dann habe ich im Grunde genommen die ganze Nacht über Facebook gehangen und alle Nachrichten mal mit Hintergrund und allem drum und dran durchgelesen. Da hat mein Kopf geglüht und dann habe ich mir irgendwie überlegt, dass ich da jetzt was machen muss. Und das Ergebnis war dann eben, dass ich am nächsten Tag das Schild vorbereitet habe und dann raus damit gegangen bin. Aber auch die Inhalte meiner Kollektion, die stimmen am Ende des Tages damit überein, weil schon 2016 für mich ein Jahr war, das Change, Think und Revolution mit sich gebracht hat. Das war der Grundtenor, der mich schon die ganze Zeit beschäftigt hat und weshalb ich aktuell nicht schlafen kann.“ 

Wie nimmst du die Reaktionen auf deinen Protest wahr? 

„Die Reaktionen finde ich ehrlich gesagt ziemlich positiv. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute auch sagen, dass es mutig ist. Ich finde nicht, dass es viel Mut braucht, um einfach Mal ein Schild hochzuhalten und zu sagen: Hey, ich bin Teil dieser Welt, ich bin Immigrant. Wir sind ja eigentlich alle Immigranten auf dieser Welt. Wir kommen und gehen, wir sterben und eigentlich ist da Platz für alle, so wie wir kommen und gehen. In sofern finde ich das irgendwie erstaunlich, dass man das als mutig betrachtet. Nichts desto trotz war es dann gestern, als ich den Plan gefasst habe mit dem Schild rauszugehen, mich das Ganze schon im Geister immer wieder zu Tränen gerührt hat, weil es einen auf jeden Fall emotional mitnimmt und du merkst selber, dass es dich bewegt, dass du selber anfängst zu bewegen.“ 

Deine Modenschau ist von Berlin nach Kopenhagen migriert – warum?

„Ganz einfach, weil wir so viele Kunden dort gewonnen haben in den letzten Jahren, dass es für mich irgendwie schön war meinen Kunden und meinen Leuten in Kopenhagen die Möglichkeit zu geben, die Kollektion so zu sehen.”

Wie geht es weiter?

„Ich glaube weiter geht es, also fokussiert weiter zu machen mit dem, was ich jetzt gerade aufgebaut habe. Ich bin extrem weg von diesem „größer, größer“, sondern möchte irgendwie wirklich einen Fokus legen auf das Essentielle, das ist so der Grundtenor. Und wie es politisch weitergeht, ja, gute Frage. Ich war bisher eigentlich immer sehr unpolitisch, habe mich so ein bisschen versucht rauszuhalten, vielleicht auch durch meine Vergangenheit tatsächlich über die Immigration – die einen werden da vielleicht extrem politisch, die anderen lehnen das eigentlich im Grunde genommen ab und ich glaube ich war diejenige, die das abgelehnt und einfach die Welt genossen hat, in die ich reingekommen bin. Und jetzt ist einfach die Zeit, dass ich sozusagen Haltung annehme in einer anderen Form und politisch bin. Vielleicht ist es das, was jetzt weiter geht.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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