Längst überfällig: die Abschaffung von Saisons

In der Mode dreht es sich immer irgendwie um die Zukunft:

Designer entwerfen Kollektionen, welche rund ein halbes Jahr, manchmal später, in den Boutiquen hängen. Buyer müssen Weitblick beweisen, wenn sie im voraus ihre Order tätigen. Und Modejournalisten schreiben im Winter ihre Trendberichte für den Sommer.

Für eine Branche, die immerzu nach Innovationen lechzt, nach dem „neuen Ding“, hat sich in den letzten Jahrzehnten erstaunlich wenig getan, was das Grundgerüst der Mode angeht.

Mode wurde bislang zweimal im Jahr – unterteilt in zwei Saisons „Spring/Summer“ und „Autumn/Winter“ – gezeigt. Das System kam mit der Haute Couture auf. Als Begründer der Haute Couture gilt Charles Frederick Worth. Der 1858 seine Modehaus gründet und fortan zweimal im Jahr seine Entwürfe für die edle Damenwelt präsentierte.

In den Defilees der Haute Couture Schauen, welche einem elitären Kreis vorbehalten waren, saßen neben wohlhabenden Damen auch Illustratoren, die die Entwürfe der Modemacher zeichneten. Erst Monate später wurden die Mode-Illustrationen der Couture-Schauen in Modemagazinen veröffentlicht.

Im Gegensatz zum Grundgerüst der Mode – dem Saison-Modell und der Art- und Weise wie Mode produziert wird, hat sich die Kommunikation rasant entwickelt. Der Konsument bekommt die neuen Designs nicht erst Monate später in einer Modezeitschrift präsentiert, sondern „live“.

Durch die Instagram- oder Snapchat-Channels von den in der Frontrow sitzenden Social Media Stars. Via Livestreams. Oder Plattformen wie NOWFASHION, welche wenige Minuten nach den Schauen Fotos der kompletten Kollektion online veröffentlichen.

In einer immer schneller werdenden Welt sind 6 Monate eine halbe Ewigkeit. Der Konsument will konsumieren, wenn er die Entwürfe auf dem Catwalk sieht, nicht erst ein halbes Jahr später. Es ist längst überfällig, dass das uralte Saison-Modell unser Zeit angepasst wird.

Das erste große Modehaus, das notwendige Maßnahmen ergreift, ist Burberry. Fortan wird das britische Traditionshaus zweimal im Jahr Kollektionen präsentieren, welche sich nicht mehr nach Saisons richten, der End-Konsument wird die Designs unmittelbar nach den Shows kaufen, beziehungsweise ordern, können (Lieferzeit: ca. 6-8 Wochen). Es ist das Prinzip “Buy Now”.

Auch die Zuordnung – Autumn/Winter – Spring/Summer – ist nicht mehr zeitgemäß. In einer Zeit, in der der Konsument von einer Klima- und Zeitzone in die nächste jettet und die globale Ererwärmung die Jahreszeiten gehörig durcheinander bringt, macht die Unterteilung „Winter-Sommerbekleidung“ keinen Sinn mehr.

Das Aufbrechen eines über 100 Jahren alten Systems wird die Branche – gerade die jungen, kleinen Labels vor große Aufgaben stellen. Doch sie ist notwendig. Die Dysbalance zwischen Kommunikation und dem alten System „Mode“ ist zu groß.

Category: Trends

Tags: burberry, Saisons

Von: David Kurt Karl Roth

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