KW-45 2017: Was gewesen ist

Den Beginn der vergangenen Woche verbrachte ich eigentlich nur im Bett und im Museum of Modern Art, dem MoMA in der 53. Straße. Während ich im Bett den wärmeren Tagen nachdachte und darüber, dass man mir in Los Angeles ja immer erzählt hatte, LA sei das neue New York, und dass das hier in New York aber nun wirklich niemanden interessierte, so wie die Hamburger ja auch eine zeitlang meinten, das neue Berlin zu sein oder auch die Leipziger, das in Berlin aber auch niemanden so recht interessiert hatte, und all das trotz des merkwürdigen Wetters, sowohl im dreivierteljährig grauen Berlin, als auch hier, in der urplötzlich sehr kalt gewordenen Atlantikküstenstadt New York, während ich darüber also nachdachte, liegend im Bett, schaute ich mir im MoMa vor allem und das stundenlang die Ausstellung zu Max Ernst an.

Das Museum zeigt aktuell einen ganz ordentlichen Reigen von seinen frühen Arbeiten als Dadamax Ernst über die Pariser Zeit, die Collagen und Frottagen bis hin zu den Malereien aus Amerika und immer wieder die Sonne.

Natürlich schaute ich mir auch die großen Spinnen von Louise Bourgeois an, die doch sehr an den „Demogorgon“ in der aktuell laufenden zweiten Staffel von „Stranger Things“ erinnert, dieses bedrohliche Kreatur aus der „Upside Down“, der dunkeln, nebligen Parallelwelt. Besonders die kleinen Zeichnungen von Bourgeois ähneln den wahnhaften Kritzeleien des Jungen Will Byers und so stand ich nun im Museum, dachte an eine Gruselserie von Netflix und war mittendrin im Netz der Spinne.

In der oberen Etage des Museums rannte ich dann noch durch diese etwas uninspiriert zusammengesammelte Modeausstellung, die 111 Klassiker der Mode zeigt: Kapuzenpullover, Chucks, natürlich das weiße T-Shirt, die Unterhose von Calvin Klein, Moonboots und eben so ziemlich alles, was zum Kanon mehr oder weniger moderner Kleidung gehört. Auf dem Heimweg dachte ich dann darüber nach, dass diese Modeausstellungen in Museen aktuell ja sehr angesagt sind, weil sie gut besucht werden und das auch von Menschen, die sonst nicht so oft ins Museum gehen, und ein weißes T-Shirt auszustellen, kostet halt auch weniger, als eine Stahlskulptur von Richard Serra zu zeigen. Es muss ausschließlich wirtschaftliche Gründe haben, dachte ich weiter, und konnte mir nun auch erklären, warum solche Ausstellungen eben oft auch sehr lieblos wirken. Die 90er Jahre TV-Spielshow hatte diesen Konflikt ja schon im Titel getragen: “Geld oder Liebe”.

Auf dem weiteren Nachhauseweg traf ich Giannina, die von einem Casting kam, und schlenderte mit ihr in größter Gemütlichkeit über den hier in New York ganz zeitgemäß und überreligiös als “Winter Market” bezeichneten Weihnachtsmarkt an der Public Library, zwischen den ganzjährig weihnachtlich glitzernden Hochhäusern von Midtown.

Und nun hätte ich hier gern weiter berichtet, von dieser Woche, die eine schöne Woche war, vom Sujo-Schnaps, den wir in Korea-Town getrunken haben, davon, dass wir dann doch nicht zum großen Konzert von A$AP Rocky und A$AP Ferg und den ganzen anderen Leuten in den Madison Square Garden gegangen sind, sondern in das legendäre faux-french-colonial-vietnamese-restaurant Indochine, in dem schon Warhol gern gegessen hatte, und davon dass ich mich dort mit dem Immobilienentwickler Andrew angefreundet hatte, der mir erzählt hat, warum es so schwer ist, in New York einen Club aufzumachen (es werden quasi keine neuen Alkohollizenzen von der Stadt vergeben) und das die Nachtclubs hier deshalb vor allem in Hotels eröffnen, in deren Kellern und auf deren Dächern, weil die Hotels ja schon Lizenzen haben. Und ich wollte von meiner eigenen Immobilienentwicklung erzählen, davon also, wie ich am Samstagabend beim Monopoly-spielen mit Paul, Brandon und Gia in diesem englischen Privatclub in der Lower East Side um meinen wirklich absehbaren Sieg gebracht wurde, weil die allermeisten von uns nach über viereinhalb Stunden Spiel einfach keine Lust mehr hatten. Und ich wollte noch von den sich nun auch immer mehr gleichenden Tagen erzählen, dies und das, wie ich es hier halt immer mache, in dieser selbstauferlegten Fleißschreiberei, die doch Struktur in meine Woche bringen soll, der ich aktuell aber etwas hinterherhinke. All das wollte ich machen und habe es auch, es war ein langer Text, länger als sonst, und ich war eigentlich ganz zufrieden, wollte nur den letzten Satz nochmal ändern, was ein Fehler war, wie ich jetzt weiß. Und dann stürzte mein MacBook ab und mit ihm der ungespeicherte Text. Und nun bin ich voller rasender Wut und nicht willens, nochmal zu schreiben, was gewesen ist, weil das immer nur einmal geht, ich habe es probiert. Es tut mir leid.

Category: Die Woche: was gewesen ist

Von: Carl Jakob Haupt

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