KW-28 2017: Was gewesen ist

Vergangene Woche hab ichs einfach mal gemacht. Das, was man und vor allem doch bitteschön ich viel öfter machen sollte: Sonntag gebucht, Montag geflogen.

Weil das Wetter in Berlin mal wieder so mies war und ich es leid, mich darüber zu beschweren oder aufzuregen oder zu ärgern, und weil ja auch die Fashion Week nun vorüber war und die ja immer sehr wichtigen Termine und Abendeinladungen mit einem Schlag erledigt waren und keine neuen und wenn, dann keine wichtigen, dazukamen, und auch weil ich einfach müde war, von allem hier, habe ich den Großteil der vergangenen Woche auf Mallorca verbracht.

Nun möchte ich hier nicht mit einem, wie sonst üblichen und gar nicht immer unbedingt so sinnvollen, tagesgetakteten Rückblick langweilen, da meine Tage auf Mallorca natürlich sehr angenehm unaufgeregt und gleichförmig abliefen, zwischen Frühstück am kleinen Hafen des Fischerdorfs Portixol, Zeitunglesen am Strand und leichten Cocktails auf dem Dach unseres Hotels sowie gelegentlichem Doppelten Rittberger in den Pool. Denn das war, um das hiermit nun auch abzuhaken, so irrsinnig gut und eigentlich war es sogar das allerbeste und genau so sollte ein Leben doch aussehen und möglichst nicht anders und wenn es nach mir ginge, würde ich es alles immer so machen, aber irgendwie muss ich ja bis zu meiner Frührente noch einige Jahrzehnte lang Geld verdienen, für die Steuer und den Staat, die Krankenkasse und den Vermieter, für die mir im Nacken sitzende Bank und ja, auch für den Kaffee, den ich am Hafen von Portixol oder auch anderswo dann bis zu meinem Lebensabend trinken möchte und so lange es das dann sicher schon etwas schwächere Herz zulässt.

Braungebrannt, wie ich nun bin, was in diesen vier Tagen außergewöhnlich schnell ging und mir einigen Spott eingebracht hat, weil ich damit scheinbar ästhetisch in die Nähe von Dieter Bohlen gerückt bin (meine weiße Hose hat es nicht besser gemacht), habe ich eigentlich nicht viel mehr zu erzählen, warum sollte ich es also tun?

Es war eine gute Woche, weil sie zumindest bei mir so schön ereignislos war und friedlich, während anderswo natürlich ziemlich die Welt brannte, wovon ich am Hafen sitzend, mit leichtem Wind im gelockten, von der Sonne geblichenen Haar in den vielen zu diesem Zweck mitgebrachten Zeitungen las und gelegentlich per Nachricht von meinen Freunden, die in tagespolitisch brisanteren Branchen arbeiten, als in der Mode, oder im immernoch fassungslosen Hamburg leben. Und so saß ich dann und schaute auf die festgetauten Boote, die auf dem Wasser zu tanzen schienen und manchmal gegeneinanderschlugen, und ich wusste, so friedlich wird es nicht bleiben, nichtmal hier: “Winter is Coming”, wie es in der großen Erzählung “Game of Thrones” heißt, nach der vorchristlichen isländischen Sage, die beschwört, dass die Erde in Feuer und Eis enden wird.

Category: Die Woche: was gewesen ist

Von: Carl Jakob Haupt

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