KW-12 2017: Was gewesen ist

Nachdem ich meinen noch so viel mehr als überfälligen Urlaub in Kuba beendet und mich mit einem veritablen Willkommenscocktail mit anschließendem, ortsüblichen Rave bis lang in den Sonntagmorgen hinein in Berlin eingefunden hatte, begann dann auch unausweichlich die Woche, um die es nun gehen soll.

Und sie begann auf eine recht ernüchternde Art und Weise, wie es nicht kontrastreicher zum bunten und leichten Leben in Havanna hätte sein können, mit dem Abarbeiten von einigen hundert E-Mails, Telefonaten mit meinen verschiedenen Anwälten und der Überweisung von 130,- Euro wegen Fahrens bei roter Ampel an den Staat. Herzlich Willkommen.

Am Dienstag traf ich dann David wieder, den ich – sein vierwöchiger Urlaub in Australien lag unmittelbar vor meiner dreiwöchigen Reise – seit Monaten nicht gesehen hatte und wir gingen in das recht neue Restaurant “Beets & Roots” und fanden es lecker und gut. Wir besprachen, das wir unsere Arbeit nun langsam wieder aufnehmen könnten und was wir denn so machen wollen würden, in den kommenden Monaten. Wir werden wohl zwei große, performative Events veranstalten, zwei, drei neue Design-Kooperationen veröffentlichen und nach der Filiale in Neukölln nun wohl endlich in Kreuzberg ein Dandy Diner eröffnen. Der Sommer steht vor der Tür und wir sind, nach durchschrittenem Tal der winterlichen Depression dermaßen tatdrängend, dass es uns fast verrückt macht (was gut ist und hilfreich).

Mein Freund Paul kam am Mittwoch aus dem Krieg wieder und wir, also Giannina und ich, trafen uns mit ihm zum Abendessen im Grill Royal und tranken viele Sours. Paul war während wir in Kuba täglich Mojitos getrunken hatten und durch die warmen Straßen getanzt waren, in Mosul (Irak) gewesen und hatte eine bahnbrechende Dokumentation via Snapchat veröffentlicht: Inside Mosul. Ich fand das wahnsinnig modern und alle anderen wohl auch. Als dann später noch einige Freunde aus dem Printjournalismus vorbeikamen und erzählten, dass sich doch vor allem Zeitschriften verkauften, bei denen neue Diäten auf dem Titel vorgestellt würden, dachte ich, dass der gedruckte Journalismus vollkommen zu recht ausstirbt. Und dann dachte ich an das Magazin “Die Dame”, das ich mir doch eigentlich anschauen wollte und das irgendwie dann doch nicht in dem Wust an Post und Paketen gewesen war, der mich nach dem Urlaub in meiner Wohnung erwartet hatte (dafür hatte ich aber immerhin einige paar neue Turnschuhe geschickt bekommen).

Donnerstagfrüh ging ich zum Arzt und ließ mir das Vitamin B12 spritzen. Im Wartezimmer lagen einige Magazine und viele davon hatten Ernährungsthemen auf dem Cover.

Mittags kam David zu mir, ich gab ihm unter anderem einen Maßanzug, der schon vor Wochen für ihn an mich geliefert wurde und dann wurden wir von einem umgebauten Krankenwagen abgeholt, den die Turnschuhfirma NIKE geschickt hatte. Wir nahmen im Behandlungsraum Platz, wunderten uns kurz über die Skurrilität der Abholung und waren dann auch schon recht schnell in Kreuzberg, wo wir vom Krankenwagen in einen silbernen Anhänger umstiegen, in dem man uns den neuesten Turnschuh vorstellte: einen Nike “Vapormax”. Man sage uns, dass wir die ersten wären, die diesen Turnschuh in Deutschland bekommen würde, schenkte uns Schuhe in unserer Größe und fuhr uns wieder nach Hause. In den paar Wochen Urlaub hatte ich ganz vergessen, welche irren Ausprägungen mein Beruf zuweilen hatte.

Später am Tag, es muss schon Abend gewesen sein, saß ich mit Paul im Restaurant Borchardt und wir hörten uns die irren Geschichten einiger Freunde an, von denen einer neulich mit Angela Merkel unterwegs war und der andere früher sehr häufig mit Gerhard Schröder. Ich war froh, den Merkel-Artikel von René Pfister im dann noch aktuellen “Spiegel” gelesen zu haben und mit einem ganz kleinen bißchen Hintergrundwissen zumindest im Halbdunkel des Abends etwas mitreden zu können. Die meiste Zeit staunte ich aber ohnehin nur und verstand kurzzeitig alles und gar nichts. Vor lauter Aufregung bestellten wir dann roten statt weißen Wein und wussten nicht so recht, was wir tun sollen. Nach kurzer Verwirrung und Scham beichteten wir dem Kellner, der die offene Flasche zurücknahm und eine neue, eine weiße brachte. Wir haben dann lieber nicht auf der Rechnung nachgeschaut, ob der Rotwein berechnet wurde oder nicht. Es wäre so oder so blöd gewesen.

Am Freitag nahm ich mit David um kurz nach zwölf einen okay frühen Flug nach Frankfurt. Dort schien die Sonne und wir fuhren den neuen Opel “Insignia”, den man uns direkt am Flughafen bereitgestellt hatte, zur Probe. Wir fuhren schnell und ein wenig unsicher durch den Taunus und genossen das Wetter bei runtergefahrenen Fenstern. Später posten wir mit unserem Wagen noch ein wenig im Frankfurter Bahnhofsviertel, zur Sicherheit aber nur mit verriegelten Türen. Abends saßen wir in der “Brasserie du Sud”, beziehungsweise in der untergehenden Sonne davor, und begingen den saudummen Fehler, einen “Äppler” bestellen zu wollen. Dies sei ein französisches Lokal, sagte man uns, also einigten wir uns auf Weißwein. Ein neuer Freund, der seit Jahren erfolgreich in der Gastro-Szene als Berater arbeitet, öffnete uns in vielem die Augen und gab uns neben vielen Anekdoten mindestens zwei sehr gute Tipps für den Ausbau unseres Dandy Diner-Imperiums mit auf den Weg.

Eine Straße gingen wir mit ein paar Leuten in das Restaurant “Atelier Wilma”, das es erst seit kurzem gibt und das im ersten Jahr seines Bestehens schon einen Michelin-Stern bekommen hat. Die Erwartungen waren groß, aber außer einem kräftigen Cidre war nichts so richtig beeindruckend – das Interieur am allerwenigsten. Nach fünf Gängen gingen wir für ein paar Sours lieber ins Restaurant “Stanley Diamond” im hippen, weil immer noch ein bisschen gefährlichen Bahnhofsviertel. Wir besprachen unser zukünftiges Expansionskonzept, das uns sehr sicher bald häufiger nach Frankfurt führen wird und ließen uns von Restaurant-Besitzer David noch die heißesten Ecken des Viertels zeigen. Und, ja!, Frankfurt ist es! Die Stadt hat Power, hier passiert was, hier ist ein guter Vibe! Als wir unterm Euro-Zeichen, gegenüber der Bar “Amp” standen, die an dem Abend einjähriges Jubiläum gefeiert hatte, wurde alles klar: wir würden hier öfter herkommen müssen. Später landeten wir noch in dem bekannten Offenbacher Techno-Club “Robert Johnson” und so verpassten wir am Samstagmorgen dann auch unseren ersten Termin (wohl auch, weil man in den Betten des Sofitels schlicht so wahnsinnig gut schläft).

Irgendwann am Samstagnachmittag flogen wir zurück nach Berlin, wo ebenfalls der Frühling angekommen war und widmeten uns den Rest des Wochenendes den Blumen.

Foto: Iga Drobisz

Category: Die Woche: was gewesen ist

Von: Carl Jakob Haupt

Instagram