KW-1 2017: Was gewesen ist

Das war mein standesgemäßer Fake Fur-Look auf der ersten Party des Jahres. Die sehr eng sitzende Hose sieht man hier nicht. Das reiche ich nach, wenn die Filme entwickelt sind.

Draußen schneit es, bei Spotify läuft eine schön egale Winterplaylist und über Umwege habe ich das zweite CeeCee Berlin-Buch geschickt bekommen, mit einer Karte anbei, auf der “Happy New Yeah” steht. So fühlt es sich jetzt natürlich grad noch nicht an. Wenn es schneit, ist ja irgendwie immer noch altes Jahr, erst mit dem Frühling wird klar: ja, das isses doch, das neue Jahr, in dem alles besser wird und strahlt.

Aber jetzt, soviel Klarheit muss sein, ist eben schon 2017, und dafür hatte ich mir, nach kurzer Ermüdung, nach etwas Auszeit und haarästhetischem Kahlschlag, nunmal vorgenommen dann doch mal wieder etwas zu schreiben. Und weil ich mir die Begeisterung an der Mode erst so langsam wieder erarbeiten muss, wenn sie denn je da gewesen ist, habe ich mir die lowste Stufe dessen vorgenommen, was man eben so schreiben kann: das, was gewesen ist.

Und in der ersten Januar-Woche, die nun ja auch schon wieder vergangen ist, und ich damit ganz zu Beginn schon zu spät, wie es nunmal meine Art und nicht gerade höflich ist, passierte gar nichtmal so viel. Berlin scheint sich mit der nahenden Fashion Week arrangiert zu haben, niemand regt sich so recht mehr darüber auf, die Location ist vom Touristen-Treff Brandenburger Tor beziehungsweise Siegessäule in die weniger verkehrte Brunnenstraße gezogen, dorthin, wo im letzten Jahr Zalando eine eigene Show-Sache machte und damit Konkurrenz zum Allerlei im weißen Fashion Week-Zelt, das nun ja endlich Geschichte ist und hoffentlich bleiben wird. Das alte Kaufhaus Jandorf ist einfach viel schöner und außerdem kann man bei Djimalaya nebenan wirklich ganz hervorragenden Humus essen und hausgemachte Limonade trinken.

Einige Designer haben erklärungslos ihre Modenschauen abgesagt oder erst gar keine geplant und die übriggebliebenen arrangieren sich mit mehr oder minder glamourösen Sponsoring-Partnern (hat die Vogue ihren traditionell im Restaurant Borchardt stattfindenden Abend eigentlich tatsächlich in das Kaufhaus KaDeWe verlegt und wird man da dann etwa shoppen können?). Insgesamt ist die Luft sehr raus, habe ich das Gefühl. Wer ist denn noch aufgeregt, gespannt oder freut sich drauf? Niemand so recht. Die Vorraussetzungen sind also ideal, damit so richtig was geht. Von null auf hundert oder gleich tausend, das wär was. Und wenn nicht: auch egal.

Langsam füllt sich diese trotz allem angstlose Stadt wieder und am Wochenende, Berlin-typisch an einem Sonntag, gabs dann auch die erste wirklich gute Party, auf der ich war. Da hat alles gepasst, sogar mir die sehr hoch sitzende Schlaghose von Giannina. Statt Disco oder Bar hat alles in einer fast genauso großen Suite in einem Hotel stattgefunden und vielleicht ist er das ja schon: der Rückzug ins Private, weil das Öffentliche zu gefährlich und auch ein bisschen lame. Snapchat war verboten, digitale Fotos machen auch. Das hat sehr geholfen. Die Analog-Filme liegen jetzt im Labor und wenn eigentlich schon alles wieder vergessen ist, werden wir erinnert werden an die erste Party des Jahres.

Am nächsten Morgen, dem Montag vor zwei Tagen, folgte logischerweise der erste Kater, auch, weil die letztmögliche Kirche Berlins, wie eigentlich alle vor ihr, uns vor die Tür setzte und unsere Dandy Diary Fashion Week Opening Party in ihren Räumlichkeiten verbot. Nun wird die Party also doch nicht, wie wir uns das eigentlich sehr schön überlegt haben, in einem Gotteshaus stattfinden, sondern direkt in der Hölle. Was Montag noch unmöglich machbar erschien, hat sich dann am Dienstag alles geklärt: das Dandy Diary Death Fest kann und wird stattfinden. Nur das mit der Ziege müssen wir noch klären, sonst steht eigentlich alles.

Dass heute Vormittag mit der Post, die jetzt ja schon lange DHL ist und bei mir tatsächlich sehr zuverlässig liefert, dann nicht nur ein Jogginganzug von Adidas Originals kam, der es mir ob seiner Gemütlichkeit bislang unmöglich gemacht hat, die Wohnung zu verlassen, sondern auch ein “Detox Sparkle”-Pulver der ganz neuen Firma YLUMI, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ob ich es essen oder mit Wasser vermischt auf mein Gesicht auftragen soll, sehe ich als Zeichen, das Jahr nicht allzu schnell anzugehen. Es schneit ja ohnehin grad draußen, da bleibe ich lieber auf dem Sofa und gucke mir im CeeCee-Buch Fotos von Restaurants an, in die ich heute nicht gehe. Das Dandy Diner ist übrigens nicht dabei. Da gehe ich aber ohnehin aus unternehmensorganisatorischen Gründen erst wieder im Mai hin. Dafür dann aber so richtig. Dann ist schließlich allerspätestens so richtig 2017, mit Sonne und Strahlen.

Essen oder ins Gesicht schmieren? Das werde ich noch prüfen, nicht dass ich noch Pickel kriege - oder sterbe.
Dieses Buch hat mein ehemaliger Nachbar Sven Hausherr herausgebracht und es ist sehr schön. Die neuen Nachbarn kenne ich nicht.
Hier liege ich auf dem Sofa "Paul" von Raumfreunde. Meinem echten Freund Paul habe ich vorhin eine Sprachnachricht bei Whatsapp geschickt. Ich hoffe, er kommt am Montag zu unserer Party.
Hätte ich noch Haare, ich würde genau mit dieser Frisur zu unserer Fashion Week Opening Party kommen.

Category: Die Woche: was gewesen ist

Von: Carl Jakob Haupt

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