Shootingstar: Jonas Lindstroem

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Lindstroem for Uniqlo
Jonas Lindstroem // pic: Christoph Mack für "Freunde von Freunden"

Ein Mann steht auf einem Haufen Autoreifen, hinter ihm ein diabolisch, loderndes Feuer. Er macht ein Selfie. Ein Mann fällt vom Himmel, ein Mann stürzt vom Balkon. Ein junges Mädchen schießt sich in den Kopf. Blut spritzt. 

Das sind keine unschönen Szenen der Apokalypse – der dann doch noch irgendwie halbwegs wahr gewordenen Vision einer kruden, mysteriösen Sekte – sondern – Gott sei Dank – nur Fiktion: “Truth or Dare”, dem neusten Projekt des Berliner Fotografen und Filmemachers Jonas Lindstroem.

Skurill, absurd – typisch für die Bildsprache von Jonas Lindstroem. In seinem neuen Film setzt er sich mit der Frage auseinander: Was ist noch echt? Was ist Fake?  Welchen Informationen können wir trauen? Die schmale Linie zwischen Realität und Fiktion, welche sich in der postfaktischen Ära in der Auflösung befindet, wird für Lindstroem zum seines Werks.

In “Truth or Dare” gibt es 21 Momentaufnahmen aus dem Leben einer globalen Generation zu sehen, die sich ständig mit dem Vorwurf konfrontiert sieht nur auf den Bildschirm zu starren und dabei die Realität zu vergessen. Lindstroem spielt mit dem Kontrast zwischen dem Schein und dem, was wirklich echt ist – als auch mit der damit einhergehenden Einsamkeit einer gesamten Generation.

„Mich hat eine ganz eigene Art von Angst interessiert. Dieses Gefühl, ständig mit Informationen zugeschüttet zu werden, während man sich eigentlich immer einsamer fühlt. Gleichzeitig aber auch was wir gegen dieses Unruhe machen — emotionale Beruhigung durch körperliche Erfahrung.“, erklärt Lindstroem im Interview mit 032C – seinem Kooperationspartner für das Videoprojekt.

Für Lindstroem, der Shootingstar der lokalen Szene mit enormen internationalen Potenzial, begann alles damit seinen Buddies beim Skaten zu fotografieren. Es war das erste Mal, dass er seine Interessen: Design, Fotografie und Film in Einklang brachte.

Und auch wenn sich sein Arbeitsumfeld mittlerweile verändert hat, Lindstroem sich von der Skateszene distanziert hat, so ist ihm sein Interesse aus der Anfangszeit geblieben: Der Fokus auf den Menschen. Im Bereich Fashion könne man wie in keinem anderen mit dem Menschen spielen, so Lindstroem.

Nach dem Abitur stand der Fotograf, wie so viele vor ihm vor der gewaltigen Frage: Und jetzt? Er begann diversen Fotografen zu assistieren, darunter auch dem Modefotograf Joachim Baldauf, zog nach Berlin und studierte “Visuelle Kommunikation” an der UDK.

Nach seinem Abschluss begann Lindstroem als Fotograf durchzustarten:  Der 28-jährige, der irgendwo zwischen Berlin und London zu Hause ist, bekam schnell große Jobs für namhafte Modemagazine – INTERVIEW MAGAZINE GERMANY, i-D Magazine und  DAZED&CONFUSED, arbeitete mit dem Zeit und SZ – MAGAZINE zusammen und produzierte Videos für diverse Medien – unter anderem – für das TISSUE Magazine.

Und auch A-Level Modemarken zählt Lindstroem bereits zu seinen Kunden:  CALVIN KLEIN, LACOSTE als auch NIKE SPORTSWEAR, Uniqlo und Louis Vuitton engagierten den Wahl-Berliner / Londoner bereits für ihre Kampagnen.

Für Lindstroem, der – Achtung – wichtige Info: immer ein paar frische Socken und Zahnbürste dabei hat – geht es bei seinen Arbeiten im Modebereich nicht um die Mode selbst, sondern um das, was der Mensch damit ausdrucken möchte. Mode ist für Lindstroem Kommunikationskonstrukt.

Während sich andere Fotografen oftmals von  „Mood Boards“ inspirieren lassen, spricht der Berliner Künstler lieber von einem Übersetzungsprozess: Dinge auf der Straße, Kunst, Performance ließen sich in das Medium übersetzen, mit dem man arbeitet. Sonst könne nichts Neues entstehen. Es fühle sich immer an, wie eine Kopie, wenn ein Fotograf sich nur von anderen Fotografien inspirieren lasse.

Sein schneller Erfolg, der sich bereits während und spätestens nach Beendigung seines Studiums einstellte, verdankt er wohl vor allem seinen ausgewählten Produktionen und dem starken Willen, der sich dahinter zu verbergen scheint. Auch Mal „Nein“ zu sagen, sei enorm wichtig und einer der Sachen, die er an einer Londoner Schule seinen Studenten predigt. Der Spagat zwischen Kunst und Kommerz muss gekonnt sein. Und dieser scheint dem Künstler bisher recht gut zu gelingen. 

Was die Fotografie in seinen Augen ausmacht? Man könne vorher alles planen, die Rahmenbedingungen festlegen, das Cast, die Models – und am Tag selbst komme es dann doch alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hatte. Und darauf müsse man reagieren können.

„And that is essentially what photography is: reacting to the moment.“

Lindstroem for ZEITmagazin

Lindstroem for Zeitmagazin

Lindstroem for Zeitmagazin

Lindstroem for Zeitmagazin

Category: Special

Tags: fotograf, Jonas Lindström, o32c

Von: Angelika Watta

Fotograf: Jonas Lindstroem

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