Jihadi Cool: Wie sich Mode und der „islamische Staat“ beeinflussen

Dass sich extremistische Gruppierungen auch über ihre Kleidung definieren und abgrenzen, ist nichts Neues.

Beispiele hierfür sind der Ku Klux Klan, die IRA oder Al Qaida, die – ähnlich wie der “IS” auch – sehr uniform auftreten. Rechtsradikale Gruppierungen setzten hingegen schon immer auf auf eher subtile Codes: Sie machen sich bestimmte Marken und Logos zu Eigen. So hatten Brands wie New Balance, Lonsdale, Fred Perry oder Dr. Martens zeitweise große Imageprobleme, da ihre Produkte zu Erkennungsmerkmalen der rechten Szene wurden.

Im Moment lässt sich nun eine in dieser Form und Größe nie dagewesene Entwicklung beobachten:

Der „islamische Staat“ beeinflusst die Mode auf eine Art und Weise, wie es bisher noch keine Subkultur oder extremistische Bewegung getan hat.

Jugendkulturen wie Skateboarding, Punk oder Goth wurden in den letzten Jahren derart kommerzialisiert, dass entweder neue Inspirationsquellen für die Mode erschlossen werden mussten – siehe Gosha Rubchinskiy und die Soviet-Ästhetik – oder aber „Jihad Cool“ als letzte verbleibende, tatsächlich provozierende und schockierende Jugendkultur als Referenz herhalten muss.

Dank des Rebranding des militanten Dschihadismus ist der Terrorismus so sehr „en vogue“, dass sich zahlreiche Designer von der Ästhetik der IS-Kämpfer inspirieren lassen. Der Berliner Designer Serhat Isik entwirft Jacken und Westen, deren aufgenähte Taschen sofort an Sprenggürtel erinnern. Trends wie Heath Goth oder All Black sind ähnlich sportlich, brachial und kampflustig wie die Kämpfer-Outfits des “IS”.

Rick Owens, als Designer federführend hinsichtlich eben genannter Trends, könnte sofort als Hausdesigner beim “IS” anfangen. Und immer mehr Kreativdirektoren schicken ihre Models maskiert auf den Laufsteg. Das dient nicht nur der Anonymisierung und der damit einhergehenden Fokussierung auf die Kleidung selbst, sondern auch einer aggressiven Grundästhetik.

Doch der „islamische Staat“ beeinflusst nicht nur die Arbeit der Designer. Die Marketingstrategen der Terrororganisation wissen auch genau, wie wichtig Kleidung für die Rekrutierung und das Image ist.

Und so sind Teile mit aufgedrucktem Logo der Terrororganisation weit verbreitet. T-Shirts und Hoodies mit dem Artwork des islamischen Staates wurden schon in Läden in Istanbul, im Süden der Türkei, im Libanon und in diversen Online-Stores gesichtet. Vergangenen August wurde in Spanien ein Mann verhaftet, nachdem er Jutebeutel, Kinderkleidung (!), Tops und T-Shirts mit IS-Logo verkauft hatte.

Um eine Art Hype zu schüren und die Orientierungs-und Aussichtslosigkeit potenzieller Kämpfer auszunuten, arbeitet man beim IS mit Verknappung und Exklusivität. So sind bestimmte Kampfanzüge nicht frei erhältlich, sondern werden nur an die Kämpfer ausgegeben. Der Vergleich erscheint grotesk, aber: Angesagte Labels wie Supreme oder Palace Skateboards arbeiten mit der gleichen Strategie. Wer bestimmte Teile besitzt, gehört “dazu”. Auch die Sneaker-Szene fußt zu einem großen Teil auf diesem Prinzip.

Die Wechselwirkungen zwischen dem „islamischen Staat“ und der Mode sind also enorm. Vor allem auf ästhetischer Ebene hat die Mode in den letzten Jahren – neben Hip Hop – nichts mehr beeinflusst als der martialische Look der Terror-Kämpfer. In der wenig politisierten und oberflächlichen Modebranche wird das leider viel zu selten offen ausgesprochen.

Text: David Jenal

isis

Category: Trends

Tags: IS, Jihadi cool, Terror

Von: David Jenal

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