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Jakob in Florenz: Tag 3

Während in Deutschland 27 Millionen Menschen irgendein so genanntes Fußballspiel geschaut haben, habe ich mich in Florenz einem weitaus männlicheren Sport gewidmet: dem Calcio Fiorentino.

Dieser traditionelle florentinische Sport ist eine Mischung aus Rugby und Free Fight und der wahrscheinlich härteste Shit der Welt. Regeln gibt es keine.

Die Spieler sehen allesamt aus, als hätten sie ihre komplette Lebenszeit im Hochsicherheitstrakt des örtlichen Gefängnisses verbracht. Der gefährlichste Spieler meines Teams, der Azzuri, heißt Pietro, trägt Vollbart und hat “Unscarred” über den Bauch tätowiert. Die Girls lieben ihn, die Gegner fürchten ihn. Ein Wahnsinnsspieler, der sich immer wieder wilde Boxkämpfe mit den stärksten Spielern der gegnerischen Mannschaft liefert. Den Ball hat er, soweit ich das gesehen habe, kein einziges Mal berührt. Seine Stärken liegen offensichtlich woanders.

Nach einer guten Stunde und bei einem Stand von fünf zu null für die Azzuris, meine Azzuris!, musste ich meine neugewonnen Freunde leider wieder verlassen. Ich war schließlich in Florenz, um mich weniger männlichen Dingen zu widmen: Küsschen-Küsschen, Mode und Champagner.

Im Luisa Via Roma-Store traf ich kurz Rosita Missoni, die große Design-Legende des gleichnamigen italienischen Modehauses. Trotz ihres lagerfeldschen Alters sah sie fantastisch aus. Sie um ein gemeinsames Foto zu bitten war mir dementsprechend unmöglich – schließlich roch ich noch nach dem Azzuri-Spiel. Das hätte nicht zusammengepasst, die Grand Dame und der Proll.

Abends gab’s dann ein Dinner in der neuen Oper, eine französische Indie-Band, einen DJ, kurze Kleidchen, viel Wein, Champagner, Performances, aufgekratzte Mädchen, abgebrochene Absätze und den ganzen üblichen Tchi-Tchi. Mode halt.

Einzig, dass mein Tischnachbar, der Pitti Imagine-CEO Raffaello Napoleone, mich mit seiner minderjährigen Tochter verkuppeln wollte, ließ mich kurz den Glauben an die dann doch irgendwie arschkoole Welt der Mode zurückgewinnen. Den Rest des Abends träumte ich trotzdem weiter davon mir “Unscarred” über dem Bauch tätowieren zu lassen.

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