Joseph Wolfgang Ohlert

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Joseph Wolfgang Ohlert ist einer der interessantesten, jungen Berliner Fotografen, außerdem ein wahnsinnig sympathisches Kerlchen, daher längst Zeit, dass wir ihn und sein Werk mal gebührend auf Dandy Diary vorstellen.

Ursprünglich stammt der 26-Jährige aus Bayern, am Chiemsee. Nach seinem Abi im ländlichen Baden-Württemberg verbrachte er einige Zeit als Regie- und Bühnenbildassistent in München, bevor es ihn schließlich nach Berlin zog.

Hier bewarb er sich an verschiedenen Kunst-Universitäten – anfänglich erfolglos – bis ihm seine Mutter den Link zur Homepage der Ostkreuzschule schickte. Und seine Bewerbung zum Fotografie-Studium fĂĽhrte.

Mittlerweile hat Joseph seine ganz eigene Bildsprache gefunden: Statt sich groĂź mit technischen Details aufzuhalten, setzt Joseph lieber auf sein Motiv, die Kompositionen und Farben. Er versucht den Charakter einer Person abzubilden.

Sein Werkzeug: eine analoge Kamera. Seine Lieblingsmotive: “Menschen, die was machen, was interessant ist”. Die klassische Schönheit interessiere ihn nicht. „Beauty is a bitch“, sagt er im Interview mit dem METAL Magazine. „Du kannst sie genieĂźen, aber du wirst niemals in der Lage haben, sie zu haben.“

Lenny MĂĽller, Poster Boy Exhibition

David White, Poster Boy Exhibition

Seine intimen Portraits wurden in zahlreichen Magazinen veröffentlicht. Von INDIE, MATERIAL und INTERVIEW bis hin zu ZEIT ONLINE, dem Kunst-Magazin MONOPOL, dem VICE, der INTRO und dem SLEEK-Magazine.

Inspiriert werde er vor allem durch Filme. „Ich bin da ein Freak. Ich liebe es drinnen zu bleiben und den ganzen Tag Filme zu schauen. Trash, Klassiker.. auch Pornos. Sex ist eine große Inspiration.“ erzählt er in einem Interview mit dem Berliner OE-Magazine. 

Die Fotografie selbst sei fĂĽr ihn ein auch intimer Akt. Seine Modelle sind meist Freunde oder Leute, die er ĂĽber Social Media, meist Instagram findet. So auch fĂĽr sein bisher wohl größtes Projekt – jedenfalls der Unmenge an Presse nach zu urteilen – die er dafĂĽr bekommen hat:

Alejandro Rodrigo, Gender As A Spectrum Cover

„Gender as a Spectrum“ heißt das Buch, welches er gemeinsam mit „Siegessäule“-Redakteurin Kaey herausbrachte.

Darin hinterfragt Joseph das gesellschaftlich gezeichnete Konstrukt von Männlichkeit, von Weiblichkeit, von der Definition des Geschlechts. Es begann mit einigen Porträts der LGBT Community Berlins und endetet mit Porträts von rund 80 Leuten aus New, York, San Francisco, Kopenhagen und Paris. Geschlecht, so Ohlert, das sei eben mehr, als das was man zwischen den Beinen trage.

May Lifschitz, Gender as a Spectrum

Adam Thomas, Gender as a Spectrum

Angegangen ist er das Thema mit den großen essenziellen Fragen, die ihn beschäftigen. „Wer bin ich eigent­lich? Wer möchte ich sein? Was unter­schei­det mich als schwu­ler Mann von einem Hetero-Mann?“ als auch: „Welche persön­li­chen Eigen­schaf­ten stehen in Verbin­dung mit meiner äußer­li­chen Erschei­nung und meinem Geschlecht?“, wie er dem SCHIRN-Mag im Interview erklärt.

Das Buch sei für ihn vor allem ein Weg, sich selbst besser kennen zu lernen. Sich durch das Identitätskonzept anderer auch ständig selbst zu hinterfragen. Dabei umgeht er das binäre Geschlechtssystem und lässt die eingefahrenen Grenzen, die die Gesellschaft so gern als Garant für das Schubladenken nutzt, verschwimmen. Stattdessen betrachtet er das Geschlecht lieber als Spektrum. Er selbst sieht sich mittlerweile als „fluiden Menschen, der mit Maskulinität und Femininität spielen kann.“

@jwo_studio

@jwo_studio

Auf Instagram teilt sich Joseph täglich auf vier Accounts mit. Er verwaltet nicht nur seinen persönlichen, seinen Fotografie-Account und den seiner UdK-Klasse, sondern auch @photobook_lover, auf dem er quasi als Online-Kurator seine vielfältige Sammlung zahlreicher Fotobücher präsentiert.

Diese muss er nun auch nicht mehr in seiner Wohnung lagern, denn seit wenigen Wochen hat Ohlert sein eigenes Fotostudio im Prenzlauer Berg:

@photobook_lover

@photobook_lover

Die P7-Gallery ist nicht nur der fünfte Instagram-Account von Joseph, sondern auch eine „Mischung aus Studio, Büro und Galerie“, erklärt er dem SCHIRN-Mag. Von dort aus wolle er an Kunstbüchern und Magazinen arbeiten und Ausstellungen von Künstlern zeigen. Seine Zukunftspläne? Noch weiter in Richtung Publikation zu gehen.

„Dabei geht es mir in erster Linie darum, mit ande­ren Leuten etwas zu machen. Das muss nicht immer nur gut sein – es darf auch mal scheiße sein.“ (Schirn-Mag)

Heute, wird “Gender as a Spectrum”, ab 21:00 Uhr, im Ludwig in Neukölln präsentiert, inklusive Artistik Talk mit Joseph und Kaey. Mehr dazu hier.

@p7_gallery

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Category: Special

Von: Angelika Watta

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