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Im Interview: Designer Philipp Reining

Philipp Reining ist aktuell regelmäßig bei der Pro Sieben Sendung „Fashion & Fame“ zu sehen. Unter ehemaligen Kommilitonen der Akademie für Mode und Design (AMD) gilt der Jungdesigner als überaus kreativ und höchst ambitioniert. Während seine Studienkameraden Praktika bei kleinen Hinterhofdesignern absolvierten, ging er zu Alexander McQueen. Nach und nach will Reining seine eigene Kollektion aufbauen. Nicht jedoch von Mailand, Paris oder London aus. Er lebt und arbeitet in Hamburg. Zeit für ein Gespräch über Veganismus, Pelz, Nicole Kidman, “Der mit dem Wolf tanzt”, Harvestehude und das Fernsehen.

Philipp Reining frisch gekämmt auf der Dandy Diary Party in Hamburg. Photo: Tino Crisó.

Während deines Studiums an der Hamburger AMD hast du ein Praktikum bei Alexander McQueen gemacht. Was hast du dort gemacht, was hast du gelernt?

Bei McQueen war ich in der womenswear. Ich habe hauptsächlich an der Pre Fall/Winter 09 und direkt im Anschluss daran an der Womens Fall/Winter 09 Kollektion gearbeitet.

Im McQueen Studio wird unglaublich kreativ gearbeitet. Wir haben erst tagelang research zum Thema betrieben und Bildmaterial gesammelt, dann mit Stoffen, Materialien – alles von Müllsäcken und Schrott über 20000 Swarovski Kristalle bis hin zu Schmetterlingsflügeln – und Farbe experimentiert, Sample genäht, alles eben sehr handwerklich. Es wurden unzählige embroideries angefertigt, für deren Qualität und Aufwand das Haus ja sehr bekannt ist. Die meiste Zeit aber habe ich gezeichnet, Totenköpfe, Muskeln, embroidery designs, typisch McQueen eben, ab und zu auch mal einen Kleider-Entwurf.

Zwischendurch hat man dann an einem Kleid für Nicole Kidman gearbeitet oder das Kleid von Cate Blanchett für die Benjamin Button Premiere personalisiert. Man war wirklichen in jeden Aspekt der Arbeit an der Kollektion mit eingebunden, gefühlte 24/7. Eine sehr arbeitsaufwändige, aber unglaublich lehrreiche und eindrucksvolle Schule, die absolute Stressresistenz von einem verlangt.

Wie hast du die Ausbildung an der AMD empfunden?

Die Ausbildung an der AMD zeichnet sich meiner Meinung nach besonders dadurch aus, dass ein besonderer Fokus gerade auch auf dem technischen Bereich liegt. Kurse wie Schnitt und Fertigung stehen Kursen in denen man zeichnet oder designt gleichbedeutend gegenüber. Wie gut diese technische Ausbildung ist, und wie gut man selbst in diesem Bereich ist, fällt einem oft erst auf, wenn man nach dem Studium den Vergleich zu Absolventen anderer Modeschulen auf dem Markt ziehen kann.

Ich habe die Ausbildung keineswegs als oberflächlich empfunden, allerdings ist sowas ganz klar auch abhängig von den jeweiligen Personen, die einem diese Kenntnisse vermitteln. Wie das an anderen Standorten der AMD aussieht, kann ich also nicht beurteilen.

Wie hast du dein Studium finanziert? Wie finanzierst du dein aktuelles Leben und Dasein als Designer?

Mein Studium hätte ich ohne die Unterstützung meiner Eltern nicht machen können. Gerade weil ein Studium in diesem Bereich sehr viel Zeitaufwand und Aufmerksamkeit verlangt und absolute Priorität auch im privaten Leben einnimmt, war ich auf die Unterstützung durch meine Eltern angewiesen. Ein Nebenjob oder dergleichen zwingt einen Kompromisse einzugehen. Mein jetziges Leben finanziere ich durch meinen Beruf als Modedesigner.

Vor kurzem hast du bei der Pro Sieben Show „Fashion & Fame“ mitgemacht. Hattest du Angst deinen Namen zu verbrennen und dich damit in der ernst zu nehmenden Modeszene auf lange Sicht zur „persona non grata“ zu machen?

Ich hatte eher Angst vor dem Schnitt und wie der einen dastehen lässt. Aber da war ich schnell beruhigt. Die Reaktionen der Leute haben mir gezeigt, dass ich sehr authentisch rüberkomme, und auch ich erkenne mich wieder.

Da es sich bei dem Format nicht um eine typische Castingshow handelt, in der hauptsächlich Zickenkriege, Blamagen und der reguläre Rauswurf von Kandidaten für Unterhaltung sorgen, habe ich mir keine Sorgen um die Reaktionen auf meine Teilnahme gemacht. Vielmehr könnte ich niemanden ernst nehmen, der mich auf die Show reduziert und meine eigentliche Arbeiten ausser Acht lässt. Die Dreharbeiten haben Spaß gemacht, ich habe tolle Leute kennengelernt und Kontakte knüpfen können und konnte mich spannenden Herausforderungen stellen, nicht mehr und nicht weniger.

Wenn man mit der eher kommerziellen Ausrichtung des Formates leben kann, ist es eine unterhaltsame Show. Einen realistischen Einblick ins Modebusiness oder in den Beruf und das kreative Schaffen des Modedesigners bietet die Show natürlich nicht.

Du lebst und arbeitest in Hamburg. In welchem Stadtteil fühlst du dich am wohlsten und warum zieht dich nichts in größere Modemetropolen, nach Paris, Mailand oder London?

Mich zieht sogar sehr vieles in die großen Modemetropolen, aber alles hat seine Zeit. Ich habe mal irgendwo dieses Sprichwort aufgeschnappt: „Wenn Paris das Herz der Mode ist, dann ist London der Kopf und Mailand die Hand“ oder so ähnlich. In welchem Maße das auch wirklich so ist, sei dahingestellt, aber ich habe definitiv vor, in jedem Part dieses ‚Modekörpers‘ einmal gearbeitet zu haben. Zur Zeit konzentriere ich mich aber auf den Aufbau meines Labels und das kann ich am besten von einem Ort aus, der mir vertraut ist und den ich lieb gewonnen habe.

Mein Zuhause in Hamburg habe ich in Harvestehude gefunden. Der Stadtteil ist zwar weder jung noch ist da sonderlich viel los, aber ich mag die Architektur, das Flair und das Grün. Wenn ich feiern oder etwas erleben will, setz ich mich lieber in ein Auto oder in die Bahn und fahr 10 Minuten, als das Geschehen direkt vor meiner Haustür zu haben.

Eher St. Pauli als Harvestehude. Philipp Reining auf der Dandy Diary Party. Photo: Tino Crisó.

Pelz ist aktuell wieder voll im Trend. Du lebst vegan. Wie und wann kamst du zu dem Entschluss? In welchen Situationen deines Designer-Alltags stößt du an die Grenzen des veganen Lebensstils?

Ich habe mich schon sehr lange vegetarisch ernährt, bevor ich meine Ernährung auf vegan umgestellt habe. Ein Bewusstsein für die Schattenseiten industrieller Tierhaltung habe ich erst mit zunehmendem Alter entwickelt, ein Bewusstsein für Tierleid hatte ich aber schon sehr früh als Kind. Ein ausschlaggebendes und prägendes Erlebnis, das mir aus meiner Kindheit im Kopf geblieben ist, war eine Szene aus „Der mit dem Wolf tanzt“ in der bewaffnete Männer einfach aus Spaß auf den Wolf schießen. Das klingt heute natürlich lächerlich, aber das konnte mein kindlicher Verstand damals nicht begreifen und hat mich zutiefst schockiert. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu dem realen Grauen, dem man sich konfrontiert sieht, wenn man sich näher mit solchen Themen beschäftigt oder dem ganzen nicht völlig ignorant gegenübersteht.

Ein komplett veganer Lebensstil ist meiner Meinung nach gar nicht nötig, sofern man mit Bedacht lebt, isst und sich einkleidet.
Als selbstständig arbeitender Designer kann ich mir meine Grenzen zum Glück selber setzen und auch ohne Probleme einhalten, schwieriger war es da zum Beispiel eher bei McQueen, wo man zum Teil auch mit Pelzen arbeiten musste. Überraschenderweise hat man da aber Rücksicht auf mich genommen. Es wurde vielleicht nicht verstanden, aber es wurde akzeptiert, das reichte mir schon.

An welchen Projekten, für welche Auftraggeber und vor allem mit welcher Zielsetzung arbeitest du aktuell?

Meine alleinige Aufmerksamkeit gilt meinem eigenen Label. Mein Ziel ist es, mich schrittweise und auf realistischem Wege am Markt zu positionieren. Mein Konzept der 2 Linien, von denen eine sehr tragbare und leicht kombinierbare Stücke bietet und die andere sehr aufwändige z.T. maßgefertigte Komplettlooks, ermöglicht mir auch in Zukunft nicht nur kommerziell denken zu müssen, sondern mich auch auf das konzentrieren zu können, was Mode so interessant macht, das Konzeptionelle.
Ich starte die Frühjahrssaison in meinem Onlineshop mit 3 sehr konzeptionell gestalteten Printleggins, nach und nach kommen neue Teile hinzu, mit dem Ziel zur Herbst/Winter Saison dieses Jahr beide Linien, in 2 neuen, kleinen Kollektionen, vorstellen zu können. Der Umfang beider Linien ist dabei sehr überschaubar und realistisch gehalten, ich produziere natürlich keine 40 Looks wie die großen Häuser. Alles hat seine Zeit.

Für die „Fashion & Fame“ Finalfolge hast du ein Menswear-Outfit designt. Wirst du in Zukunft wieder Herrendesigns entwerfen oder liegt dein Fokus ganz auf der Dame?

Das ist ein Traum, den ich mir noch erfüllen muss. Menswear ist für mich nicht weniger interessant als Womenswear und gerade in diesem Segment ist man in den letzten Jahren sehr viel mutiger geworden, immer freier von Konventionen zu designen, bzw. hat sich für solche Designs ein viel größerer Markt geöffnet, als es noch vor einigen Jahren der Fall war.
Aber noch ist es für mich zu früh, als dass ich mir erlauben könnte, meinen Fokus zu teilen. Wie gesagt, alles hat seine Zeit.

LOOKS

NEWS

 

Der längst überfällige Beweis: der ADILETTEN-Trend ist vorbei

Hiermit wäre es dann wohl auch endlich zu Ende, mit dem achso lässig-ironischen (und natürlich auch von uns bis zur Besinnungslosigkeit propagierten) Adiletten-Look, den man nach Möglichkeit in den Unmöglichsten Kombinationen trägt (zum Anzug – hihihi, im Winter – hihihi, zur Hochzeit der kleinen Schwester – hihihi, zu Yom Kippur – hihihi).

Auf diesem Bild hier trägt der Schmusesänger Sascha “Sasha” Schmitz, der schon out war, als wir noch nichtmal erste Sackhaare hatten, Adiletten zum Smoking. Damit ist es offiziell und ganz eindeutig klar: der Adiletten-Look ist in den übelsten Niederungen des Mainstreams angekommen – und wird dort für seine witzige Lässigkeit augenzwinkernd gefeiert. Es gibt kaum Schlimmeres.

Wer jetzt noch allen Ernstes (hihihi) die ADIDAS-Badelatschen trägt, hat gar nichts verstanden und gehört drei Tage am Stück mit dem neuen Album von Sasha gewarterboarded.

Von: Jakob

 

LOOKBOOKS

SPECIAL

TRENDS

 

Das Ende von Health Goth?

Im August haben wir erstmalig über den Trend Health Goth berichtet.

Die Begriff zum Trend stammt von Mike Grabarek und Jeremy Scott – einem R’n’B Duo (Magic Fades) aus Portland, USA – sie erstellten April 2013 eine #healthgoth Facebook Fanpage.

Auf ihrer Facebook Seite posten sie alles was sie zur Health Goth Welt zählen: Schwarz-weisse PORSCHE DESIGN Performance-Sneaker, Kampagnenbild der H&M x Alexander Wang Kooperation, NORTHFACE Etip Handschuhe, bionisch-futuristische Körperteile und Kampfmonturen für den Übermensch der fernen Zukunft.

Die Health Goth Fanpage gewann schnell an Zuwachs. Die Welt der HealthGother schien in Ordnung. Doch dann kam das erste böse Mainstream-Medium – die französische Frauenzeitschrift Marie Claire – und berichtete vor fünf Tagen über den Trend: Health Goth – the Latest Trend You’ve Never Heard of

So erklärte die Marie Claire ihren Leserinnen den Trend:

…it’s a very modern mix of gothic and punk sensibilities (think dark colours, figure-hugging silhouettes and heavy statement accessories) and futuristic sport-luxe. Weird? Very. Cool? Apparently.

Die Health Goth Szene (also: alle, die ganz undergroundig auf der Health Goth Facebook Seite rumhängen, waren entsetzt. Man hatte ihre Bewegung verraten. Entzürnte Health Gother tippten wutentbrannt R.I.P. Health Goth in die Tasten ihres MACs:

Auch das australische Oyster Magazine, das im Gegensatz zur Marie Claire, zu den Guten, den Medien gehört, denen man Insiderwissen zugesteht, titelte: RIP The Trend That Never Was. Doch markiert der Marie Claire Artikel wirklich das Ende von Health Goth?

Es ist der Anfang vom Ende, nicht das Ende. Die modische Vorhut (eine Handvoll Wissender) wird schnell weiterziehen, auf zum “Next big thing”, doch die breite Masse wird erst durch Medien wie der Marie Claire auf den Trend aufmerksam gemacht. Der Trend ist also gerade erst dabei so richtig ins Rollen zu kommen (Merci, Marie!).

Health Goth ist ein Trend, der wie Seapunk im Internet entstand. Es ist das Zukunftsmodell für die Entstehung von Trends (und wie man sieht auch schon das gängige Modell der Gegenwart). Das Internet ist ein gigantischer Multiplikator und Beschleuniger. Früher hat es Jahre gedauert bis ein Trend vom Underground in den Mainstream gelangte. Die Eintrittsbarrieren um Teil einer Bewegung zu sein, waren deutlich höher:

Man lehnte sich gegen die Eltern auf (Hippie). Man hing schwarz-geschminkt mit gruseligen Gestalten auf Friedhöfen rum (Gothic). Oder trank den ganzen Tag, pöbelte, grölte und durchlöcherte einen Großteil seines Körpers mit Piercings (Punk).

Heute sitzt man zu Hause vor dem Laptop, lädt Bilder hoch, kommentiert, liked und shared (Health Goth). Nie war es leichter Teil einer Bewegung zu sein, daher ist es kein Wunder, dass eine Bewegung schneller im Mainstream landet als ein Karnickel ficken kann.

Eine Konsequenz unser Zeit. Nicht das Aufgreifen des Trends vom Mainstream ist verwerflich, sondern das gespielte Entsetzen vom virtuellen Underground, welcher sich verraten fühlt.

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